Wülfrath: Wülfrath für Familien attraktiver machen

Wülfrath : Wülfrath für Familien attraktiver machen

Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Manfred Hoffmann, sieht die Notwendigkeit, große Handlungsfelder in den Blick zu nehmen.

. „Die Strategie 22 plus ist nicht zukunftsorientiert, wenn sie nur auf Zuzug setzt.“ Das sagt Manfred Hoffmann, Fraktionsvorsitzender der SPD, beim WZ-Sommergespräch. Die Frage laute: Warum sollen Menschen nach Wülfrath kommen? „Was bieten wir ihnen?“, so Manfred Hoffmann. Es gebe „große Handlungsfelder, die wir in den Blick nehmen müssen“.

Ganz oben steht für den Fraktionsvorsitzenden der SPD das Thema Bildung. „Gibt es ausreichend Wülfrather Schüler für die Sekundarstufe II?“ Das Gymnasium und die Freie Aktive Schule böten sie an, aber viele Schüler wanderten nach dem zehnten Schuljahr nach Wuppertal, Velbert und Mettmann ab.

„Wir müssen mittelfristig über Schulformen nachdenken“, sagt Manfred Hoffmann mit Blick auf die Gesamtschulen umliegender Städte, die sich größter Beliebtheit erfreuen. Um die Stadt für Familien attraktiv zu machen beziehungsweise zu halten, sei es aber unabdingbar, dass Wülfrath alle allgemeinen Bildungsabschlüsse anbieten kann.

Auch das Freizeitangebot zählt für den Sozialdemokraten zu den wichtigen Faktoren. Stichworte sind für ihn Kultur und Sport, Einrichtungen wie das Niederbergische Museum. „Auch der Zeittunnel geht in eine neue Phase. Es soll eine genossenschaftliche Struktur für die Weiterführung entstehen. Ich wünsche dabei viel Glück und Erfolg“, sagt Manfred Hoffmann.

Es müsse aber auch ein Konzept erarbeitet werden, wie man mit den öffentlichen Räumen Wülfraths umgeht. Das Wahrnehmungsbewusstsein müsse auf Sicherheit und Sauberkeit gerichtet werden. Für Manfred Hoffmann ein entscheidender Faktor, um Menschen zu überzeugen, in die Kalkstadt umzuziehen.

Dazu zählten ebenfalls die Verkehrsströme. „Wir haben zum Beispiel kein vernünftiges Radwegenetz“, so der Fraktionsvorsitzende. Man sei mit der CDU und den Grünen im Gespräch über Verbesserungen. Es gebe viele neuralgische Punkte für Radfahrer, die beseitigt werden müssten. Ebenso sei es notwendig, über weitere autofreie Bereiche nachzudenken. „Am Diek wäre das zum Beispiel vorstellbar, auch wenn wir in der Vergangenheit baulich vieles versäumt haben“, sagt Manfred Hoffmann.

Die Versorgung für den täglichen Bedarf sieht er als gegeben an – außer in der Ellenbeek. Dort sei aber zu klären, welche Dimension etabliert werden soll. Ein großer Einzelhandelsmarkt mache wenig Sinn. „Aber ein Nahversorger (Discounter) muss her, das ist unstrittig.“

In Bezug auf den Wohnungsbau sagt Manfred Hoffmann, dass der private Wohnungsbau in Wülfrath ja stattfindet und nennt etwa die Bereiche Südstraße/ Stiftstraße, Domusgelände und Rohdenhaus. Und der sozial geförderte Wohnungsbau? „Hier ist die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft gefordert. Aber hier hakt es “, so der Fraktionsvorsitzende.

Potenziale gebe es weiterhin im Quartier Halfmannstraße/ Havemannstraße, auf dem Areal des ehemaligen Bunkergeländes und zudem am „Düsseler Tor“. Auch Lückenschließungen in innerstädtischen Bereichen seien möglich und sinnvoll. Eine Balance zwischen sozial geförderten und frei finanzierten Mietwohnungsbau wäre ihm am liebsten.

In Sachen Gewerbeflächen sieht der Sozialdemokrat Wülfrath ohne „die Spielräume, die zum Beispiel Monheim und Langenfeld haben“. Durch die Kalkindustrie sei man flächenmäßig begrenzt. „Es ist schwierig, von Lhoist Flächen zurückzubekommen“, so Manfred Hoffmann. Sollte Knorr-Bremse wie angekündigt den Standort aufgeben, würden große Flächen frei, die aber nicht der Stadt gehören. Die Wirtschaftsförderung sei insgesamt schwierig. Er attestiert ihr aber, engagiert an die Aufgaben zu gehen. Hochwertige Arbeitsplätze fänden sich allerdings eher in den Metropolen.

Zum Thema Klimaschutz sagt Manfred Hoffmann, dass er den vom Rat beschlossenen Maßnahmenkatalog begrüßt. Das Engagement der Wülfrather Ortsgruppe von „Fridays for Future“ hält er für wünschenswert und sehr zu unterstützen. Die Klimakrise sei da, ein Umdenken sei nötig. Dazu gehöre eine Änderung des Lebensstils. Damit meint Manfred Hoffmann nachhaltiges Leben. „Alles, was der Mensch macht, holt er aus der Natur.“ Die Ressourcen der Natur seien aber endlich. Die Klimakrise sei nur durch weniger „Naturverbrauch“ zu bewältigen. Wie steht er zum ehemaligen VHS-Haus? „Wir warten darauf, dass die Verwaltung ein Nutzungskonzept vorlegt, das eine Mehrheit im Rat findet.“ Es solle aber nicht nur die VHS zurückkehren, nach Vorstellung der Sozialdemokraten sollen auch Vereine in dem Haus Räumlichkeiten bekommen können.

Und wie sieht es mit einem SPD-Bürgermeisterkandidaten aus? „Es gibt einen innerparteilichen Gedankenaustausch, aber keine Entscheidung. Die in den vergangenen eineinhalb Jahren gelungene Verjüngung ergibt viele Optionen“, so Manfred Hoffmann. Aus Sicht des Fraktionsvorsitzenden sollte es auf jeden Fall einen Bürgermeisterkandidaten aus den Reihen der Sozialdemokraten geben.

Mehr von Westdeutsche Zeitung