Wohlverdienter Ruhestand : Der „Dorfsheriff“ verabschiedet sich

Bezirkspolizist Guido Müller war jahrelang als Verkehrspolizist tätig, zuletzt auf der Wache in Wülfrath. Nun geht er in den Ruhestand.

Wenn Guido Müller seine Runden durch Wülfrath dreht, wird er von allen Seiten angesprochen. Der Wülfrather ist stadtbekannt, nicht nur bei denjenigen, die manches Mal mit dem Gesetz auf Kriegsfuß stehen. Insbesondere von Kindern und deren Familien wird der „Dorfsheriff“ – wie er sich selbst bezeichnet – geschätzt. Denn Müller war mehr als zehn Jahre in der Verkehrserziehung im Kreis Mettmann tätig, hat in dieser Zeit rund 50 Kindergärten betreut. Nun räumt der bald 62-Jährige seinen Platz. Nach acht Jahren auf der Wache in Wülfrath geht der Polizeioberkommissar in
Ruhestand.

1957 geboren und in Wülfrath aufgewachsen, machte Müller zunächst 1972 in der Druckerei Atteln eine Ausbildung zum Schriftsetzer, von 1978 bis 1982 wechselt er in einen Betrieb nach Heiligenhaus, macht sich wegen drohender Arbeitslosigkeit aber bald Gedanken über die Zukunft. Als er dann im Fernsehen eine Sendung über die Polizei und die Arbeit mit Jugendlichen sieht, denkt Müller: „Das ist auch etwas für mich.“ 1982 beginnt er seine Ausbildung bei der Polizei – eine Entscheidung, die er nicht bereut hat. „Ich kann von mir sagen, ich habe zwei Ausbildungen gemacht, die mir beide Spaß gemacht haben.“ Nach seiner zweiten Ausbildung ist Müller zunächst ein Jahr bei der Bereitschaftspolizei in Wuppertal, bevor er Oktober 1986 nach Mettmann kommt. Im Jahr 1997 beginnt er mit der Verkehrserziehung im Kreis. „Man muss einen Draht zu Kinder haben“, sagt Müller. Dem dreifachen Vater, der jahrelang Pfadfinder war und dort auch Jugendgruppen geleitet hat, fällt die Arbeit mit Kindern nicht schwer.

Im Jahr 2011 geht Müller
in seine Heimatstadt zurück

2004 wirft ihn ein schwerer Unfall zurück. Als er eines Morgens mit seinem Roller zur Arbeit fährt, nimmt ihm ein Lkw an der Seibelstraße die Vorfahrt. Mit lebensgefährlichen Verletzungen fliegt ihn ein Hubschrauber in eine Klinik. Müller erleidet einen doppelten Schädelbruch, durch die Wucht der Kollision werden außerdem acht Rippen gebrochen, viermal das linke Bein. Keine neun Monate später kehrt der Polizist in den Dienst zurück. „Das war noch viel zu früh“, weiß er heute. Denn nicht nur physische Wunden mussten heilen, auch psychische. Doch auch das hat Müller gemeistert.

2011 entscheidet sich der Polizist für einen Wechsel in seine Heimatstadt. Seine Aufgabe ist es von da an als Vermittler von Polizei und Bürgern in Wülfrath zu fungieren. Doch auch seine Tätigkeit als Verkehrspolizist kann der Dorfsheriff weiter ausüben und bringt an drei Wülfrather Kitas den Vorschulkindern weiterhin das richtige Verhalten im Straßenverkehr bei.

Während seiner 27-jährigen Dienstzeit hat Müller einmal seine Dienstwaffe gezogen. „Das war bei einem Fall von Ruhestörung, der uns gemeldet worden war, und als uns die Tür geöffnet wurde, hatte der angebliche Ruhestörer ein Messer in der Hand“, erinnert sich Müller. Der Einsatz verläuft aber glimpflich, auch sonst gibt es im Laufe seiner Dienstzeit höchstens Rangeleien mit kleineren Blessuren. Müllers Taktik ist es eher auf Worte zurückzugreifen. „Ich kann viel reden“, gibt der scheidende Polizist zu. „Und Leute mit Worten zu überzeugen, ist die beste Waffe, die man überhaupt haben kann.“

(isf)