Wülfrath: Aus dem Jugendzimmer in die weite Welt

Wülfrath : Aus dem Jugendzimmer in die weite Welt

Wenn Björn Sperling eine Idee hat, verfolgt er sie bis zum Erfolg. Seine „Sperling Bags“ wurden im ersten Jahr immer beliebter.

Als die erste Lieferung frisch genähter Rucksäcke gebracht wurde, kam der LKW gar nicht bis zu Björn Sperlings Haustüre durch. Denn der Hauptsitz seiner „Sperling Bags“ ist im Dachgeschoss seines Elternhauses, mitten im Wohngebiet in Wülfrath. An einer alten Nähmaschine in seinem Zimmer hat er 2016 den ersten Rucksack genäht. Was zuerst nur ein Geschenk für seine Freundin war, gibt es mittlerweile in Serie.

Die „Sperling Bags“ sind nicht Björn Sperlings erstes Projekt. Schon während der Abi-Zeit, hat er oben an der alten Maschine Taschen genäht – die „Bjöspers“, damals noch aus kaputten Surf-Kites. Zum Beginn des Studiums habe sich Freundin Katharina dann aber auch eine Tasche gewünscht, nicht so eine knallbunte, sondern eine, die ein bisschen mehr hermacht. Leder kam für sie aber nicht in Frage – doch hatte sie mal von Taschen aus Kork gehört, die nachhaltiger seien und ohne Tierisches auskommen. „Wer Kork hört, denkt erstmal an Pinnwand oder Fußboden“, sagt der 25-Jährige. Das Material, das er für die Rucksäcke verwendet, ist aber ganz weich und flexibel, wird immer wieder auch als „veganes Leder“ bezeichnet. Nachhaltig und schön - das war ihm von Anfang an wichtig. Die Rucksäcke, die es mittlerweile seit einem Jahr über Onlineshop und einzelne Geschäfte zu kaufen gibt, sehen dem ersten noch ähnlich, sind aber überarbeitet worden.

Denn diesmal wollte Sperling das Ganze professioneller angehen. Für einen richtigen Onlineshop konnte er nicht wie früher auf Bestellung jede einzelne Tasche oben in seinem Zimmer zusammennähen. Es musste eine Produktionsfirma her. „Wir sind viel herumgereist und haben uns verschiedene Firmen angeguckt“, sagt er. Die Wahl sei schließlich auf ein indisches Unternehmen gefallen. „Da gucken erstmal alle auf, wenn ich das sage“, räumt er sofort ein.

Der Jungunternehmer
kennt die Näher in Indien

Diese Entscheidung sei aber bewusst gefallen. Die Firma biete ihren Mitarbeitern vernünftige Arbeitsbedingungen, sei keine Massennäherei, wie sie oft aus den Medien bekannt sei. Mit der Chefin stehe er persönlich in Kontakt, pflege fast ein freundschaftliches Verhältnis. Auch die Näher kenne er. Zu jedem Rucksack der von dort komme, wisse er, wer ihn gemacht hat, welche Geschichte die Menschen haben. „Wir wollten bewusst dort ein Unternehmen unterstützen, das es anders macht, als die anderen“, sagt er. Vielleicht ziehen andere dann nach – so der Gedanke.

Website, Produktion, Vermarktung – all das entstand vor einem guten Jahr. Besonders durch Messebesuche habe der Verkauf der Rucksäcke Aufwind bekommen. In Zukunft sollen noch mehr Produkte hinzukommen: Portemonnaies, Laptop-Taschen, Schlüsselanhänger, kleinere Täschchen. Der Rucksack kostet aktuell 169 Euro, die anderen Produkte sind etwas günstiger. Denn obwohl Kork das „vegane Leder“ ist, kostet es den Produzenten nicht weniger als das echte.

Gerade einmal 25 Jahre alt und schon das zweite Unternehmen. „Ich bin schon wirtschaftlich orientiert“, sagt der Maschinenbau-Student. Mit drei Brüdern habe er seine Eltern entlasten wollen, nicht darauf gehofft, von ihnen das Studium finanziert zu bekommen. „Das hier ist eben kein typischer Studentenjob.“ Mit seinen Taschen kann er momentan alles finanzieren, was er braucht – allerdings wohnt er noch Zuhause.

Dass die Website „Designed in Düsseldorf“ angibt, Sperling aber in Wülfrath lebt und arbeitet, hat verschiedene Gründe. Zum einen fühle er sich mit Düsseldorf verbunden, sei es doch in seiner Jugend und auch jetzt immer die erste Anlaufstelle gewesen, wenn man die Kleinstadt mal verlassen wollte. „Designed in Düsseldorf stimmt aber auch tatsächlich - vieles in der Entwicklung der Taschen ist in Düsseldorf entstanden.“ Außerdem kenne man außerhalb von NRW Düsseldorf natürlich eher als Wülfrath – der Ruf als Modestadt könne einem Taschenlabel natürlich auch nicht schaden.

Die Firmenzentrale im Jugendzimmer ist übrigens eine bewusste Wahl. „Man weiß ja nie, wie es läuft. Da wollte ich nicht direkt ein Büro anmieten und noch mehr Geld ausgeben“, sagt Björn Sperling. Momentan schreibt er an seiner Bachelorarbeit, danach will er Vollzeit selbstständig in seiner Firma arbeiten.

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