Wülfrath: ABC der Kirchengeschichte

Hartmut Nolte und Wolfgang Heinrichs legen ein besonderes Lexikon vor.

Wülfrath. Ein Stück Stadtgeschichte, ein Stück Heimat und ein Stück Identität der Wülfrather Bürger: Mit dem Werk "Lexikon der Wülfrather Kirchengeschichte" erhält Wülfrath einen einzigartigen Beitrag zu seiner Stadtgeschichte.

Über drei Jahre arbeiteten der Wülfrather Stadtarchivar Hartmut Nolte und Geschichtsprofessor Dr. Wolfgang Heinrichs an dem Lexikon, das in dieser Form für keine andere Region Deutschlands vorliegt.

"Ich bin ein leidenschaftlicher Jäger und Sammler. Von Fakten und geschichtlichen Informationen", sagt Hartmut Nolte über seinen Beruf und seine Leidenschaft.

Diese Fakten aus dem Landeskirchenarchiv, Hauptstaatsarchiv, Pfarrarchiv und den Archiven der Umgebung, ergänzt mit Bildern, Informationen und Interviews von Wolfgang Heinrich - Pfarrer der Freien evangelischen Gemeinde in Wülfrath - erzählen eindrucksvoll die Geschichte der evangelischen und katholischen Gemeinden der Kirchenbezirke Wülfrath und Düssel: von A wie Altar, über J wie Jehovas Zeugen bis hin zu Z wie Zehntabgaben.

Neuland betreten die beiden Autoren auch mit ihrem Konzept der Darstellung des Werkes. Nicht chronologisch nach Zeitabschnitten, sondern alphabetisch und nach Sachgebieten gliedert sich das Lexikon. Kurze, informative Texte und einer Fülle von Bildmaterial soll den Appetit auf mehr wecken und es dem Leser ermöglichen, sich gezielt nach seinen persönlichen Interessen zu informieren, ohne gleich das ganze Buch lesen zu müssen.

Von den Anfängen des Mittelalters bis heute - im Mittelpunkt des Werkes steht nicht nur die Entwicklung der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden. Auch die Entstehung der Freikirchen und Sondergemeinschaften finden ihren Platz in der regionalen Kirchengeschichte.

Dabei will das Werk versuchen, Antworten zu geben - Antworten auf Fragen, die wir an die Vergangenheit haben, aber auch auf Fragen, die wir uns heute noch stellen. Wie verhielt sich die Kirche in sozialen Krisen? Warum strömten die Menschen früher so zahlreich in die Kirchen, und warum tun sie dies heute nicht mehr? Wo grenzen sich die religiösen Überzeugungen voneinander ab - wo gehen sie aufeinander zu?

Teilweise nie veröffentlichtes Bildmaterial unterstreicht die Einzigartigkeit des Werkes. Fresken aus dem 14. Jahrhundert, Bilder von Menschen und christlichen Bräuchen sowie eine Menge Innen- und Außenansichten der regionalen Kirchen, fotografiert von Michael Voß, lassen die historischen Fakten lebendig und greifbar wirken.

Kirchen standen in der Vergangenheit nicht nur mit ihren Gebäuden im Mittelpunkt einer Stadt - sie nahmen auch im Alltag und Leben der Menschen eine zentrale Rolle ein.

Daher bietet die Kirchengeschichte sich besonders an, auch politische, kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge der Menschen von Wülfrath nachzuvollziehen. " Mit diesem anschaulichen Lehrbuch möchte ich keine Dröppelminna-Historie erzählen, sondern richtige Geschichte schreiben", sagt Wolfgang Heinrichs über sein Werk.

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