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Neviges: Wirte froh über Rückkehr der Gäste

Neviges : Wirte froh über Rückkehr der Gäste

. „Das Ausfüllen von Namenszetteln stört uns nicht, dafür kommt man endlich mal wieder raus.“ Die Ehepaare Nadine und Martin Schilling aus Langenberg sowie Jolene und Marcus Mattejat aus Velbert sitzen auf der Terrasse von „Haus Sondermann“ und freuen sich, als Kellner Sabour Pahlavan das Essen serviert.

Wochenlang mussten sie aufs Ausgehen verzichten und genießen die Lockerungen der Schutzbestimmungen im Bereich der Gastronomie. Katja Lippe ist froh, dass sie nach dem gut angelaufenen Außer-Haus-Verkauf wieder Gäste in ihrem traditionsreichen Gasthaus an der Kopfstation der einstigen Prinz-Wilhelm-Eisenbahn begrüßen darf. „Viele haben ein bisschen Angst, weil sie älter sind, aber man spürt, dass sie raus möchten. Immerhin haben wir genug Platz und können die Abstandsregeln gut einhalten. Es gab bereits die erste kleine Feierlichkeit, jeweils zwei Haushalte saßen ein einem Tisch.“

Alexandros Papaioannou hatte wochenlang das Angebot des „Kitsa’s“ auf einen Abholservice beschränkt. „Wir wurden gut im Dörfchen unterstützt“, lobt er die Solidarität im Siepen. Nun hat er das Restaurant für mediterrane Küche auf die neuen Hygieneregeln umgestellt: „Ich habe nur noch acht Tische zur Verfügung. Ich hoffe auf schönes Wetter, draußen kann ich elf Tische bedienen.“ Immer wieder erhält der Wirt Anrufe von Kegelklubs, die wissen möchten, wann sie wieder die Kugel rollen lassen können. „Eventuell könnte ich zum 30. Mai die beiden Kegelbahnen frei geben, ab dann soll Kontaktsport wieder erlaubt sein.“

Besucher aus Düsseldorf schätzen die Menschlichkeit in Neviges

Nikolos Sitemaldis hatte die Zwangsschließung zum Renovieren genutzt und öffnete am Samstag zum ersten Mal das „Tassos“, passend zum Wiederbeginn der Bundesliga. „Die Fußballübertragung fand mit gebührenden Abstand statt, es gab nur halb so viele Plätze wie möglich gewesen wären.“ Reiner Glawin besucht seit 45 Jahren fast täglich eine Kneipe. Er musste seit 17. März darauf verzichten. Nun lässt er sich das frisch gezapfte Pils schmecken, allerdings nicht wie sonst an der Theke: „Ich sitze eigentlich immer am Brett. Dass ich mal am Tisch hocke, ist eine Ausnahmesituation.“ Glawin ist mit einem Ehepaar am Nachbartisch ins Gespräch gekommen. Das Ehepaar Doris und Michael Sauer aus Düsseldorf kommt fast jeden Samstag ins beschauliche Neviges ins „Tassos“: „Das Flair ist schön, man kann großzügig draußen sitzen. Wir finden viel Menschlichkeit in Neviges, das gibt es so nicht in Düsseldorf.“ Für den Studenten Thomas Lohrmann ist es eine alte Verbundenheit, sich mit Freunden im „Tassos“ zu treffen: „Diese Gasthaus kennen wir, seit dem wir 16 sind.“ Darüber hinaus hat ihn das Hygienekonzept überzeugt. Robin Schreiber ist dankbar, dass man sich wieder im kleinen Kreis treffen kann: „Draußen ein Bier zu trinken, da wird das langweilige Corona-Leben interessanter.“

Für Lars Jesert, der mit dem Nostalgie-Café vor einigen Monaten ins Café Paas umgezogen ist, lief die Wiedereröffnung gut an. „Ich kann mich nicht beklagen, auch wenn der Aufwand immens ist.“ So müssen alle Gäste Namen und Anschrift angeben. Die Zettel werden vier Wochen lang aufbewahrt, um sie im Falle einer Infektion dem Gesundheitsamt vorlegen zu können. „Die Gäste haben nichts zu meckern, es funktioniert einwandfrei.“ In den großzügigen Räumlichkeiten ist es einfach, die Abstandregeln einzuhalten – jeder zweite Tisch bleibt frei. „Den Abstand von 1,50 Meter kann ich nicht einhalten. Zusätzlich müsste ich nach jedem Besuch das Spielzeug desinfizieren“, bedauert dagegen Adriana Fricano. So bleibt das Kindercafé „Bimbolandia“ geschlossen, am Wochenende reicht sie Softeis aus dem Fenster. „Vielleicht kann ich Ende Juni öffnen.“