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Wülfrath: „Wir brauchen Klarheit, wie es weitergeht“

Wülfrath : „Wir brauchen Klarheit, wie es weitergeht“

Corona und die Folgen: Die Geschäfte und Gastronomiebetriebe sind in der Fußgängerzone unterschiedlich betroffen.

. Die Situation um die Ausbreitung des Coronavirus ist mit zahlreichen Fragen behaftet. Besonders im Einzelhandels- und Gastronomiesektor sorgen sich Unternehmer, welche Auswirkungen die Reduzierung des gesellschaftlichen Miteinanders auf ihre Existenzen haben könnte. Cynthia Meiners vom gleichnamigen Café am Heumarkt wünscht sich klare Aussagen seitens der Regierung. „Wenn es ein offizielles Verbot von Ladenöffnungen geben würde, dann greifen sicher auch finanzielle Hilfsmaßnahmen“, hofft die junge Gastronomin, die erst vor wenigen Monaten den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat. „Noch bekomme ich Starthilfe für Unternehmer. Diese fällt aber ab Mai weg. Wie lange ich danach ohne Einnahmen aushalten kann, ist fraglich.“

In Wülfrath mit Situation anders umgehen als in Großstädten

Friedrich Ellsiepen führt den seit Generationen bestehenden Eisenwaren- und Werkzeugladen Im Spring. „Eine solche Situation hatten wir bisher noch nicht“, so der Inhaber, der trotzdem optimistisch bleibt. „Ich bin der Meinung, dass wir in Wülfrath anders mit der Situation umgehen sollten, als in Großstädten wie beispielsweise Düsseldorf. Dort sind größere Menschenansammlungen zu finden, als in unserer Kleinstadt.“ Der Unternehmer baut sein Betriebskonzept auf zwei Säulen auf: Den direkten Verkauf von Produkten vor Ort und die Montage bei den Kunden zuhause. „Natürlich schmerzt es, wenn eine Säule wegfällt, die Existenz sehe ich aber nicht bedroht.“

Ilse Bergmann vom Wülfrather Reisebüro macht derzeit ganz andere Erfahrungen. Gemeinsam mit ihrem Team arbeitet sie auch sonntags, um ihre Kunden stets über aktuelle Änderungen auf dem Laufenden zu halten. „Wir informieren unsere Kunden telefonisch oder per E-Mail, stellen Rückforderungen von Reisegeldern und beraten dementsprechend“, erläutert die Inhaberin. Leid geplagt ist die Tourismusbranche seit Jahren, nicht zuletzt wegen zahlreicher Insolvenzen diverser Fluggesellschaften und Reiseanbieter. „Trotzdem kann diese Situation für uns eine wirtschaftliche Katastrophe werden. Wir arbeiten rund um die Uhr und machen dabei ein Minusgeschäft.“ Wünschenswert wäre für Ilse Bergmann ein sinnvolles Hilfskonzept seitens der Regierung. Günstige Unternehmerkredite oder Steuerstundungen stellen für die Wülfratherin keine realistischen Hilfsmöglichkeiten dar.

Im Naturkostladen von Susanne Faupel sind einige Produkte nicht mehr erhältlich. Auch in ihrem Laden wurden bereits Hamsterkäufe getätigt. In all der Sorge um Unsicherheit kristallisiert sich für die Unternehmerin jedoch ein positives Signal heraus: „Die Menschen halten mehr zusammen und helfen sich gegenseitig. Es wurde bereits eine Gruppe für Nachbarschaftshilfe gegründet. Das ist ein schönes Signal.“

„Wir haben nicht vor, zuzumachen, haben aber alle Tastings in den kommenden sechs Wochen abgesagt“, erklärt Dirk Schlüter vom Genießertreff. Am Wochenende hat er keinen Rückgang bei der Zahl der Kundschaft feststellen müssen, das Geschäft lief wie immer. Ihn stört allerdings die Verunsicherung, nicht zu wissen, was kommt. „Manche Nachbarländer haben inzwischen alles zugemacht, wer weiß, was hier in nächster Zeit noch passiert.“ Seinen Mitarbeiterinnen gegenüber ist der Unternehmer kulant. „Ich würde es akzeptieren, wenn sie sagen, sie kommen nicht. Das ist allerdings bisher nicht der Fall.

„Ich habe gerade viele Absagen von Veranstaltungen und Geburtstagsfeiern“, sagt Mona, Gastronomin der Gaststätte „Zum alten Rathaus“. Sie leitet die Gaststätte seit sechs Jahren, hat sie zu dem gemacht, was sie ist. Ein Anlaufpunkt in der Fußgängerzone. Der aktuelle Istzustand darf für sie nicht zu lange dauern. „Ich habe vier Festangestellte Mitarbeiter und acht Aushilfen. Wenn das noch vier Wochen so weitergeht, habe ich ein Problem.“