Neviges : Windrather Windstrom ist begehrt

Auf dem Nevigeser Schepershof wird neben Getreide auch Bio-Strom „geerntet“.

Neben Milch, Molkereiprodukten, Obst, Gemüse, Brot und Getreide hat der Schepershof jetzt auch Strom im Angebot, umweltfreundlich vom eigenen Windrad erzeugt. In Zusammenarbeit mit den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) kann nachhaltig erzeugter Bio-Strom über den „Tal.Markt“ bezogen werden.

Seit 40 Jahren wird auf dem Hof im Windrather Tal biologisch-dynamische Landwirtschaft betrieben. 1983 trat Dirk Lücke in die Betriebsgemeinschaft ein, der er heute noch als Altenteiler angehört. Der Wuppertaler, der ursprünglich aus der Verpackungsbranche kommt, hatte damals im bereits gesetzten Alter den Beruf des Landwirts erlernt. „Anfang der 80er Jahre kamen ersten Ideen zur Windkraft auf“, sagt Dirk Lücke.

Der heute 84-Jährige erinnert sich an Studenten der Wuppertaler Universität, die Windmessungen im Tal machten, weil sie sich hier einen Standort für Windenergie vorstellen konnten. „Bei dem Namen liegt es ja nahe, das hier in Windrath die Energie aus dem Windrad kommt. Mal ganz abgesehen davon: Warum sollte ein Bauer nicht Wind ernten wie Getreide? Wir brauchen auf dem Betrieb eine ganze Menge Strom zum Melken, zur Milchverarbeitung, zur Käseerzeugung und für den Hofladen.“

Damals gab es nur zwei Hersteller, die für die Betriebsgemeinschaft in Frage kamen. Man entschied sich für eine dänische Firma, die Vorreiter in dieser Technik war. „Seinerzeit war die Bereitschaft, Windräder zu fördern und damit die Natur zu schützen, ziemlich groß. Heute gibt es viele Skeptiker weil es viel mehr Windkraftmasten gibt“, meint Lücke. „So eine Anlage ist abgesehen von der Steuerung nicht sehr kompliziert: Im Grunde ist das ein Dynamo auf einem großen Mast. Die zwölf Meter langen Flügel drehen sich in 30 Metern Höhe 35 Mal in der Minute, über ein Getriebe werden 1500 Umdrehungen erzeugt, die den Generator antreiben.“ Die Anlage erzeugt im Jahr durchschnittlich 80 000 Kilowattstunden Strom, so viel wie 20 Durchschnittshaushalte verbrauchen.

Überschuss wurde anfangs ins Netz der Stadtwerke eingespeist

„40 Prozent verbrauchen wir selber“, erklärt Lücke. In den ersten Jahren wurde der Überschuss ins Netz der Stadtwerke Velberter eingespeist. In den vergangenen Jahren sind Photovoltaikanlagen auf den Dächern dazugekommen, so das jetzt die Öko-Stromsparte der Wuppertaler Stadtwerke bedient werden kann. Die Nachfrage sei groß: „Ich habe heute von denen erfahren, dass unser Überschuss bereits verkauft ist.“

Die Bio-Bauern hatten einmal darüber nachgedacht, eine größere Anlage zu errichten. Das ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich, unter anderem weil sie nah an bewohnten Gebäuden stehen würde. Moderne Windkraftanlagen sind mehr als 100 Meter hoch und erzeugen Strommengen im Megawattbereich. Dirk Lücke schwört auf die selbst erzeugte Energie: „Das ist viel günstiger als dazukaufen. Selbst erzeugter Strom ist eine preiswerte Energieversorgung, wenn sich die Anlage amortisiert hat.“ Hinzu kommt, das bei der ortsnahen Erzeugung kaum Transportverluste entstehen.

Die Befürchtung, dass Windräder Greifvögel gefährden, kann Dirk Lücke für Windrath nicht nachvollziehen. Er schaut in den wolkenverhangen Himmel und zeigt auf einen seltenen Rotmilan. „Der hat sich an unserer Anlage noch nicht den Kopf gestoßen.“

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