Wülfrath : Wie umgehen mit dem Regionalplan?

Der Info-Abend der Verwaltung machte auch deutlich, was den Bürgern nicht gefällt. Die Atmosphäre war sachlich.

. Der Info-Abend der Verwaltung zum Thema erste Änderung des Regionalplans im großen Saal des Rathauses ließ diesen buchstäblich aus allen Nähten platzen. Rund 200 Interessierte waren gekommen, um über das Für und Wider der Pläne der Bezirksregierung zu sprechen. Der Technische Dezernent, Martin Barnat, stellte die Pläne vor und vertrat die Haltung der Verwaltung dazu. „Wir können nur empfehlen, so viele Flächen wie möglich in unsere Planungshoheit zu ­bekommen.“

Die Fläche Am Wasserturm ist
als nicht geeignet durchgefallen

Martin Barnat hatte zuvor die vier von der Verwaltung der Bezirksregierung Düsseldorf vorgeschlagenen Flächen erläutert. Dies waren Flächen Am Wasserturm, Flehenberg, In den Eschen und an der westlichen Düsseler Straße. Erstere war nach einem Punktesystem, mit der die Eignung der Gebiete taxiert wird, als nicht geeignet durchgefallen. Die anderen drei Bereiche sollen in das Verfahren aufgenommen werden.

Grundlage für das Punktesystem sind unter anderem Minimierung von Verkehrsaufwand- und belastung sowie ökologische Konfliktvermeidung. Von den Zuhörern wurde kritisiert, dass es für ersteres 40 Punkte gab, für zweiteres nur 15. Der Technische Dezernent betonte, dass dieses Verfahren nicht Verwaltungssache, sondern dieses der Bezirksregierung sei. Er berichtete zudem, dass laut Prognose zwischen 2018 und 2040 ein kalkulierter Bedarf von 927 Wohneinheiten für Wülfrath selbst bestehe. Hinzu käme Bedarf aus dem Umland. Daher summiere sich die Summe der Wohneinheiten auf 1250. Die Bezirksregierung habe dabei die 180 Wohneinheiten, die sich in Planung befinden, berücksichtigt, so Martin Barnat. Aber: „Diese Flächen können nicht in absehbarer Zeit entwickelt werden.“

Bürgermeisterin Claudia Panke wiederum versicherte: „Wir wollen nicht auf Teufel komm raus versiegeln.“ Man habe noch Baulücken, die geschlossen werden sollen.

Thema bei den Bürgern war unter anderem die Wachstumsstrategie Wülfrath 22 plus, deren Ziel in Sachen Bevölkerungswachstum allerdings nicht allen bekannt war. Ein Bürger sprach von 30 000 Einwohnern, Claudia Panke korrigierte die angestrebte Zahl deutlich nach unten. Sie sprach von 22 500 bis 23 000, höchstens 25 000, „wenn wir Erfolg haben“. Das wäre eine große Leistung.

Bei den Wortmeldungen der Bürger wurde deutlich, dass gerade von Düsselern die schlechte Infrastruktur kritisiert wurde. Dieses Manko würde sich bei einem deutlichen Zuwachs der Bevölkerung noch drastisch verschlechtern. Kritisiert wurden ebenso zum Teil fehlende Radwege und „völlig unzureichende Busverbindungen“. Zudem wurden ökologische Bedenken geäußert. Wer eine erhitzte Atmosphäre während der Diskussion erwartet hatte, wurde aber eines Besseren belehrt. Auch kontroverse Standpunkte wurden äußerst sachlich besprochen.

Obwohl der Info-Abend keine politische Veranstaltung sein sollte, meldeten sich dann doch Politiker zu Wort. „Wir brauchen mehr Bürger, die unsere Infrastruktur bezahlen“, sagte Wolfgang Peetz, Fraktionsvorsitzender der Wülfrather Gruppe. Die Folgen, wenn der Einwohnerzuwachs nicht gelingt, formulierte Hans-Werner van Hueth (SPD) so: „Dann sind wir irgendwann mal Wuppertal 18. Wülfrath muss zukunftsfähig sein.“

Die Präsentation der ersten Änderung des Regionalplanes steht auf der Homepage der Stadt Wülfrath (wuelfrath.net). Bis zum 30. September sind Anregungen zur Änderung bei der Bezirksregierung Düsseldorf möglich: per E-Mail oder per Brief an Bezirksregierung Düsseldorf, Dezernat 32, Postfach 300865, 40408 Düsseldorf.

dez32.regionalplanung@brd.nrw.de

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