Wie sich Künstler ein Bild von Gott machen

Im Mariendom wird heute eine Ausstellung mit dem Titel „No Picture of God“ eröffnet. Eine Nevigeser Künstlerin zeigt Fotografien.

Neviges. Der Wallfahrtsdom des Architekten Gottfried Böhm, der seit 50 Jahren die Gemüter der Betrachter bewegt, ist an sich bereits ein Kunstwerk. Anlässlich des Jubiläums des Mariendoms wurden Studierende und Ehemalige der Künstlerklasse für Fotografie und interdisziplinäre Medien der Freien Akademie der Bildenden Künste Essen (fadbk) eingeladen, zusammen mit der Dozentin Christiane Hantzsch Werke zum Thema „No Picture of God“ zu präsentieren. Entstanden ist die Ausstellung, die jetzt im Dom zu sehen ist.

Wallfahrtsleiter Frank Krampf hatte bei der Nevigeser Künstlerin Karola Teschler angefragt, die derzeit Fotografie an diesem Institut studiert. Auf den Titel „Kein Bild von Gott“ ist man gekommen, weil Gott eben nicht sichtbar ist. „Jeder Mensch hat ganz eigene Vorstellungen von ihm, je nach seiner Herkunft oder Religiosität. So fand jeder sein eigenes Thema“, sagt die Künstlerin.

Karola Teschler sprach mit den Kindern des benachbarten katholischen Kindergartens, über deren Vorstellung über Gott. „Die einen machen Gott dafür verantwortlich, dass sie sich so gut mit der Schwester verstehen. Andere Kinder haben Wolken gemalt, „weil Gott dahinter wohnt“, hat die Künstlerin erfahren. Sie bat die Kleinen, dies auf eine Schiefertafel zu zeichnen, die von der Teschler zusammen mit den Jungen und Mädchen vor der Betonwand des Domes abfotografiert wurde. Jetzt hängen die Fotos im Inneren der Kirche und zwingen den Betrachter, sich mit den kindlichen Vorstellungen auseinander zu setzten.

Christine Hantzsch suchte im Dom nach menschlichen Spuren, die zum Beispiel an den Wänden hinterlassen wurden. „Die sind nicht einfach zu finden, aber wenn man sie entdeckt hat, sind sie sehr interessant“, sagt Karola Teschler. Marc Sander war bereits als Kind von der Konstruktion des Faltdaches über dem Gnadenbild fasziniert. Nun kann er dort seine Bilder ausstellen, mit denen er Ästhetik und Funktionalität herausstellt. Die Farben eines Gebetes hat Angelika Lueb hinter dem Altar angebracht. Dabei hat sie sich vom Vaterunser inspirieren lassen. „Gold“ steht dabei für Gott, Blau für den Himmel und Pink für das Leben. Auch wenn es in den Zehn Geboten heißt, dass man sich kein Bild von Gott machen darf, so gab Elke Schmidt bei der Internet-Suchmaschine Google „Picture of God“ ein und erhielt ganz viele Ergebnisse angezeigt. Diese — mehrere hundert briefmarkengroße Bildchen — hat sie auf einem riesigen Poster zusammengefasst. Wer sich die alle ansehen möchte, braucht ein bisschen Zeit und eventuell eine Lesebrille. Dazu werden Videoarbeiten und Installationen, Werke in Leuchtkästen gezeigt.

Die Ausstellung wird heute um 17 Uhr eröffnet. Die Arbeiten sind bis zum 17. August täglich in der Zeit von 8 bis 18 Uhr zu sehen.