Velbert : Was kommt wann nach dem Abriss?

Der Wirtschaftsförderungsausschuss tritt bei der Vermarktung des alten Hertie-Standorts auf die Bremse.

Verrammelte Türen und zugeklebte Fenster – längs der Friedrichstraße deutet nichts darauf hin, dass die Abrissbagger auf der Rückseite des seit 2009 leerstehenden Karstadt- und späteren Hertie-Kaufhauses bereits kräftig zugelangt und das Parkhaus entlang der Offerstraße bis auf den Rest eines Betongerippes dem Erdboden gleichgemacht haben. Laut Stadt ist der Abbruch voraussichtlich im Juni 2021 abgeschlossen.

Wie es mit dem Areal weitergeht, war eigentlich klar: Nachdem Zielvorstellungen bezüglich der künftigen Nutzung mit den Optionen Wohnen, Dienstleistung, Handel, Gastronomie definiert waren und beschlossen wurde, dass die politischen Gremien den Gewinner eines Investorenauswahlverfahrens anhand einer eigens erstellten Bewertungsmatrix bestimmen, erfolgte am 12. März 2020 die europaweite Bekanntmachung. Es war der wohl ungünstigste Moment genau zu Beginn des ersten Corona-bedingten Lockdowns: „Mangels Bewerbungen musste die Ausschreibung schließlich eingestellt werden“, resümierte Wilfried Löbbert, Fachbereichsleiter der Wirtschaftsförderung.

Für Investoren ist ein Kino laut
Stadt ein Ausschlusskriterium

Nun war mit dem Auftakt im Wirtschaftsförderungsausschuss ein neuer Anlauf geplant. Das Konzept war inzwischen leicht modifiziert worden, wenngleich alle Grundbausteine fast identisch geblieben seien, so Löbbert. So schlug die Verwaltung vor, die verpflichtende Bedingung, ein Kino in das Nutzungskonzept zu integrieren, aufzuheben. Rückmeldungen potenzieller Investoren im ersten Verfahren hätten gezeigt, dass die Integration eines Kinos als unüberwindliche Hürde für eine Projektbeteiligung galt und für fünf Interessenten explizit das Kino Grund war, nicht am Verfahren teilzunehmen.

Durch die Pandemie habe sich die unsichere Lage für die Kinowirtschaft noch verschärft, was die Beteiligung eines Kinobetreibers für angehende Investoren weiter erschwere oder gar unmöglich mache, erklärte Löbbert, betonte aber, dass die Integration eines Kinos im Rahmen der Bewertung der Konzeptqualität positiv berücksichtigt werde.

Des Weiteren wurden in Projektbeschreibung und Wertungsmatrix mehr konkrete Vorgaben im Bereich Klimaschutz gemacht, wie eine intensive Begrünung von Dächern und Flächen. Unter dem Eindruck der Pandemie wurde außerdem eine Platzgestaltung angeregt: „Gastronomie ist zur Zeit ohne Außenbereich nicht vorstellbar, sagte Löbbert.

Ute Meulenkamp begrüßte die letztgenannten Punkte ausdrücklich: „Ohne das Kino tun wir uns aber sehr schwer“, so die Nevigeser SPD-Ratsfrau. „Bauchschmerzen“ äußerte auch Artur Busse: „Die Matrix sollte überarbeitet werden“, meinte der Grüne.

Thorsten Hilgers (FDP) kritisierte, als man das Projekt vor einem Jahr beschlossen habe, sei klar gewesen, dass die Hauptnutzung das Kino sei: „Jetzt gibt es überhaupt keine Vorgaben mehr, was wie genutzt werden soll. Die Frage ist: Was stellen wir uns städtebaulich vor? Wieviel Wohnnutzung, Gastronomie, Dienstleistung, Einzelhandel wollen wir zulassen?“ „Es kommt eine Zeit nach Corona“, sagte Martin Schwarz (Piraten), der ein Festhalten an den Kinoplänen unterstrich. Man solle genauer schauen, was man zukunftsfähig gestalten könne.

Ins gleiche Horn stieß auch Busse: Nicht nur durch Corona stehe man vor einem riesigen Wandel, deshalb sei es wichtig, das Vorhaben noch mal breit zu diskutieren.

Dezernent Jörg Ostermann hob dagegen hervor, dass die Schwerpunkte angedeutet seien und das Verfahren breiten Gestaltungsspielraum lasse. Man wolle aber potentiellen Investoren ein bisschen Freiheit lassen und eine breitere Aufstellung bei den eingehenden Vorschlägen ermöglichen.

Stefan Ludwig (CDU) teilte die Bedenken der anderen Fraktionen nicht: „Die Leitplanken sind so weit gezogen, die Entscheidungsfreiheit ist so groß, dass uns alle Türen offenstehen.“

Sein Fraktionskollege Holger Engel warnte vor einer Verzögerung: „Diese Matrix ist kein Schnellschuss. Wir sind auf einem guten Weg.“ Die Kino-Option sei ja noch weiterhin möglich. Letztlich wurde mit zehn zu sieben Stimmen dafür votiert, eine Entscheidung in die nächste Sitzungsrunde zu vertagen.