Wülfrath : Was die Wülfrather zu Jahresbeginn bewegte

Die WZ blickt zurück auf die Ereignisse 2020 in der Kalkstadt – heute auf die Monate Januar und Februar.

„Der Kulturkalender für das Jahr 2020 steht“ titelte die WZ zu Jahresbeginn mit Blick auf das Programm im Komm-Center Schlupkothen, auch das Ensemble vom Wülfrather Theater Minestrone hat zum Beispiel mit der Aufführung von „Die kleine Hexe“ große Pläne. Wer hätte da schon ahnen können, dass fast alles ganz anders kommen sollte? Die Corona-Pandemie sollte ab Mitte März eine Krise auslösen, die nahezu alle Bereiche des Lebens vollkommen auf den Kopf stellte und auch noch länger stellen wird. Die WZ blickt zurück auf die vergangenen zwölf Monate in der Kalkstadt.


Januar

Rund 30 Zeitarbeiter bei Knorr Bremse am Standort Wülfrath sind frustriert: Ihre Verträge laufen nach zum Teil gut zwei Jahren Tätigkeit einfach aus. „Für uns tut keiner etwas. Wir bekommen keinen Cent“, sagt zum Beispiel Schweißer Ahmet Aytes (48). Der Weg in die Transfergesellschaft bleibt ihm und seinen Kollegen verwehrt. Die nimmt nur 180 Festangestellte auf. 50 feste Werksmitarbeiter werden innerhalb des Konzerns nach Düsseldorf wechseln.

Die jungen Wülfrather Aktivisten von Fridays for Future beteiligen sich an der ersten kreisweiten Demo für den Klimaschutz.

Mit mehr als 300 Gästen verzeichnet die DLRG-Ortsgruppe bei ihrer Wasserdisco im Hallenbad einen neuen Besucherrekord.

Die Stadt Wülfrath will den im Juli 2018 aufgelösten Seniorenrat wiederbeleben. 20 Interessierte kommen zur Info-Veranstaltung in das Awo-Haus.

Die zweite Offenlegung des Regionalplans Düsseldorf sorgt bei Wülfrather Verwaltung und Politik für Unverständnis. Die Ackerfläche Düssel-West, auf der bis zu 400 neue Wohneinheiten geplant werden könnten, ist nun als lokaler Bedarf eingestuft worden, der Fläche In den Eschen – mit bis zu 325 Wohneinheiten – wird dagegen nun eine regionale Bedeutung zugesprochen. Die Vorgehensweise und Bepunktung der Flächen für den Allgemeinen Siedlungsbereich seitens der Bezirksregierung kritisiert die Stadtverwaltung als „unübersichtlich“. „Hier geht es noch nicht um die Aufstellung eines Bebauungsplans. Wir wünschen uns Möglichkeiten für Wülfrath. Und diese Möglichkeiten schaffen wir für künftige Generationen“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Axel Effert in der Ratssondersitzung zum Regionalplan. CDU, Wülfrather Gruppe und FDP wünschen sich für Wülfraths Zukunft auch eine Schienenanbindung für die Stadtmitte.

480 Zuhörer erleben beim 33. Neujahrskonzert der Kreissparkasse Düsseldorf im Paul-Ludowigs-Haus internationale Solisten. Die Handballjugend des Turnerbunds Wülfrath erhält aus dem Kartenverkauf eine Spende von 2000 Euro.

Die neue Kassenbonpflicht ärgert auch Wülfrather Kunden und Geschäftsleute. Oft bleiben Eimer voll liegengelassener Bons beim Bäcker zurück.

Ende des Monats will die Metro den Verkauf der Warenhaustochter Real an das deutsch-russische Konsortium X-Bricks abgeschlossen haben. Der Betriebsrat des Standorts Wülfrath kritisiert den Konzern scharf. Die 92 Mitarbeiter in der Fliethe bangen um ihre Jobs, wissen nicht wie es weitergeht, die Metro lässt sie in der Luft hängen, so Dirk König. Auch die Stadt will sich an den Konzern wenden, um Klarheit über den Standort zu erhalten.

Eine Jury kürt die elfjährige Gymnasiastin Lara Lensing beim 61. Lesewettbewerb in der Medienwelt zu Wülfraths bester Vorleserin. 

In der evangelischen Stadtkirche stellen die Wülfrather Künstler Elke und Claus Klingler anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz unter dem Titel „Eiszeit“ ihre Holocaust-Installation aus. 

Der Student Marc Real (22) begeistert sich für das Bergische Platt. Im Niederbergischen Museum stellt er mit „Das Bergische Wort“ sein „Blatt op Platt“ vor, mit dem er die Mundart mit Hilfe einiger Autoren vor dem Vergessen bewahren will.

Wolfgang Peetz stellt für die Initiative „Wülfrather Kinder in Not“ und mit Koordinatorin Pia Peuser von der Stadt Wülfrath das neue Projekt „Bildungstandem“ vor. Dabei sollen nach Ratinger Vorbild ehrenamtliche Helfer Drittklässler auf vielfältige Weise unterstützen. Erster Kooperationspartner ist die Lindenschule.

André Herbes und Wolfgang Peetz von der Wülfrather Gruppe preschen mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit, auf der Halde Dachskuhle einen Solarpark für die Stromerzeugung einzurichten. Auch der Eigentümer Lhoist sowie die Stadtverwaltung zeigen sich auf Nachfrage der WZ an dem Projekt interessiert. CDU, SPD, Linke und FDP werfen der WG tags darauf vor, sie stelle die gemeinsame Zusammenarbeit im Rat infrage. Der habe einstimmig beschlossen, solche Projekte erst intern auf deren Umsetzbarkeit in der Arbeitsgruppe Klimaschutz zu prüfen. Im März stimmen dann alle Fraktionen dem WG-Antrag zu.


Februar

Die erste Klimaschutzmesse übertrifft die Erwartungen und bringt viele lokale Akteure und 21 Organisationen im Rathaus zusammen, sie bietet den Besuchern auch Fachvorträge.

Wegen der Umbauarbeiten an der Feuerwache sagt die Wehr ihr traditionelles Osterfeuer ab, das alljährlich einige Tausend Besucher anlockte. 

Die Expertengruppe „Gewaltprävention“ der Stadt kündigt mit Bürgermeisterin Claudia Panke an der Spitze an, 2020 mit Veranstaltungen und begleitet durch die Fotografengruppe „Die Drei…“ für mehr Respekt werben zu wollen.

Unzureichende Zustellung, geschlossene Post- und Postbankfiliale in der Fußgängerzone und keine Lösungsvorschläge seitens der Deutschen Post AG – auch die Wülfrather Senioren Union ist über die Situation verärgert und fordert den Dienstleister zum Dialog auf. Der antwortet dem Vorsitzenden Walter Brühland und kündigt auch der Stadtverwaltung die Eröffnung einer neuen Filiale für Mitte April an. 

Lhoist Germany gewährt der WZ Einblicke in seinen Plan, mit einem Versuchsbergwerk den Kalkabbau unter Tage als Perspektive für den Standort zu testen.

Nach sieben Jahren gibt Peter Schiestel als Schwerbehinderten-Beauftragter der Stadt Wülfrath auf. „Die ehrenamtlichen Beratungen sind mittlerweile zu einem Vollzeitjob ausgereift. Das wurde mir mit der Zeit einfach zu viel“, erklärt Schiestel.

Der Wirtschaftsingenieur Philipp Schaube (31) teilt sich seit Oktober mit Ursula Linda Kurzbach die Stelle für das Klimamanagement der Stadt, wird aber erst Mitte Februar offiziell vorgestellt.

Zum 50. Mal traf sich das Netzwerk der Frühen Hilfen Wülfrath im Rathaus (So früh – Wü!“) und zieht eine Erfolgsbilanz seiner Arbeit für Kleinkinder zwischen null und zwei Jahren.

„Ein Wülfrather für Wülfrath“: Bereits in der fünften Schulklasse träumte Andreas Seidler davon, Bürgermeister seiner Heimatstadt zu werden, nun schlagen ihn CDU-Vorstand und Ratsfraktion den Parteimitgliedern als Kandidaten für die Kommunalwahl im September vor.

Thomas Meuser, der neue Gebietsdirektor der Kreissparkasse Düsseldorf, schlägt sich sehr gut bei der Verteidigung des Kreditinstituts an der Goethestraße gegen den von den Kalkstadt-Narren geführten Sturm – muss aber am Ende doch den Tresorschlüssel übergeben. Im Rathaus haben da schon längst bei der „Monster-Party“ finstere Gestalten das Sagen. Am Tag darauf geht die KSN-Prunksitzung im ausverkauften Paul-Ludowigs-Haus über die Bühne. Und 20 Fußgruppen und Wagen – vier weniger als im Vorjahr – trotzen auch am Rosenmontag den Wetter-Kapriolen und ziehen fröhlich durch Rohdenhaus – zur Freude Tausender Schaulustiger.

Für die 5,2 Millionen Euro teure Kita Schulstraße wird das Richtfest gefeiert. Ab August sollen dort 100 Kinder endlich betreut werden können.

Der 1. FC Wülfrath stellt sich als Partnerverein des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund vor. Bei einem Tag der Talente sollen künftig gemeinsam Nachwuchskicker mit Potenzial gewonnen werden.

Als erste Partei stellt die SPD ihre 16 Bewerber für die Wahl zum Stadtrat vor. Mit der Entscheidung in Bezug auf den Bürgermeisterkandidaten wollen sich die Sozialdemokraten bis April Zeit lassen.

Das Niederbergische Museum eröffnet mit rund 100 Büchern zu historischen Themen mit lokalem Bezug seine Präsenzbibliothek. Weitere Titel-Spenden erbeten!