Was die SPD zu „Wülfrath 22 plus“ sagt

Wohnbebauung, Gewerbeflächen und Grundsteuer sind die Stichworte der Sozialdemokraten. Außerdem soll das Planungsamt personell aufgestockt werden.

Wülfrath. „Wenn wir wachsen wollen, brauchen wir Wohnbauflächen.“ Manfred Hoffmann, Fraktionsvorsitzender der SPD, stellte sich zusammen mit seinem Parteifreund Wolfgang Preuß, um auf Fragen rund um die Initiative „Wülfrath 22 plus“ Stellung zu beziehen. Dabei geht es um die strategische Aufstellung, wie die Stadt finanziell zukunftssicher gestaltet werden kann.

Manfred Hoffmann, SPD-Fraktionsvorsitzender, über die Suche nach dringend benötigten Gewerbeflächen

Wolfgang Preuß betont, dass „bezahlbarer Wohnraum, vor allem im Bereich von 70 bis 80 Quadratmetern“, gefragt ist. Bürger von außerhalb nach Wülfrath zu locken, sei aber schwer, so der Ortsvorsitzende der SPD weiter. „Von außen holt man keine Mieter“, ergänzt Manfred Hoffmann. Von dort kämen eher Menschen, die Eigentum erwerben möchten. Die Quadratmeterpreise der Grundstücke in der Kalkstadt seien ein Vorteil gegenüber Ballungszentren wie Düsseldorf. Aber: „Wir können im Augenblick nichts anbieten.“

An diesem Punkt dreht sich das Gespräch — wie so oft — um die Besetzungen des Planungsamtes und des Tiefbauamtes. Gerade für Ersteres fordert die SPD „mindestens zwei neue Stellen zusätzlich einzurichten“ und vor allem die immer noch verwaiste Stelle der Planungsamtsleitung, die Bettina Bettzieche bis vor gut einem halben Jahr innehatte, schnellstmöglich nachzubesetzen. „Wenn wir nicht planen, kommen wir an dieser Stelle nicht weiter“, sagt Manfred Hoffmann.

Mögliche Bauflächen gebe es einige. Zum Beispiel, wenn die Flüchtlingsunterkunft In den Eschen abgerissen wird. „Dort werden aber wohl eher Einfamilienhäuser gefordert“, schränkt Wolfgang Preuß ein. Manfred Hoffmann sieht noch Baulücken, etwa im Bereich Havemannstraße/Halfmannstraße, beim Eckgrundstück Schillerstraße/Goethestraße und dem Sportplatz Düssel. „Das alles sind potenzielle Wohnbauflächen, die noch nicht baureif sind, weil das Planungsamt zu knapp besetzt ist“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Ein weiteres Problem ist für die Sozialdemokraten, dass es kaum neue Gewerbeflächen gibt. „Lhoist Germany hat riesige Flächen, nur dort haben wir Potenzial“, ist sich Manfred Hoffmann sicher. Man müsse mit Lhoist sprechen, ob das Unternehmen Flächen für die Stadt als Gewerbeflächen zur Verfügung stellt. Der Blick geht vor allem in den Bereich Bibelskirch. Die Frage sei, wenn ja, will Lhoist verkaufen oder verpachten. „Wir können nur mit dem Unternehmen in einer partnerschaftlichen Beziehung besprechen, wie auch die Interessen der Stadt berücksichtigt werden können“, sagt Manfred Hoffmann.

Aber es gehe nicht nur um neue Flächen. Die Bestandspflege sei sehr wichtig. „Wir dürfen die Betriebe nicht verprellen“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende. Ein Plus sieht er an dieser Stelle in der Verwaltung: „Wir sind mit der Wirtschaftsförderung gut aufgestellt.“

Am Thema Grundsteuer kommen natürlich auch die Sozialdemokraten nicht herum. „Wir wollen etwas bezahlen, was andere mit 40 000 Einwohnern schaffen“, zeigt Manfred Hoffmann das Dilemma auf. Die Infrastruktur der Stadt reiche leicht für diese Einwohnerzahl. „Die Erhöhung nimmt nur die Inflationsrate und Preissteigerungen auf, zum Beispiel bei Löhnen, Gehältern und Energie- sowie Sachkosten“, erklärt er. Die Grundsteuer sei eine Steuer, die die Stadt in die Lage versetzt, ihre Infrastruktur aufrecht zu erhalten. „Wir werden nicht umhinkommen, die Grundsteuer zu erhöhen, um Bildungs-, Kultur oder Sporteinrichtungen zu erhalten“, sagt der Fraktionsvorsitzende. Nachsatz: „Die Menschen, die hier Steuern bezahlen, haben das Recht, für solche Angebote nicht in die Nachbarstädte fahren zu müssen.“ Wenn man diese Angebote kürze, verkomme Wülfrath zur reinen Schlafstadt.

Die auch von CDU und Wülfrather Gruppe gestellte Forderung, mehr Menschen in die Stadt zu locken, sei richtig. Aber es sei zu bedenken, dass Wülfrath erst einmal in Vorleistung treten muss. Die Stichworte sind unter anderem mehr Kita- und Schulplätze.

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