Walda-Neffen droht die Räumung

Jürgen Mantler wohnte zuletzt mit der Schauspielerin zusammen und soll jetzt aus dem Haus geklagt werden.

Wülfrath. Jürgen Mantler steht vielleicht schon bald auf der Straße. Sein Vermieter wolle den 52-Jährigen so schnell wie möglich aus der Wohnung haben. „Er ist der Meinung, dass ich mir die Wohnung erschlichen habe“, sagt Mantler. Es handelt sich um das ehemalige Zuhause seiner Tante, der Schauspielerin Dorothea Walda. Seit 2002 sei er an der Schillerstraße gemeldet und habe seit Herbst 2015 wieder regulär in den Räumlichkeiten gelebt. „Meine Tante brauchte Pflege und auch ich bin krank geworden, daher haben wir eine Wohngemeinschaft gegründet, um uns gegenseitig zu helfen“, berichtet Mantler.

Nach dem Tod von Dorothea Walda im Februar dieses Jahres war der Wülfrather davon ausgegangen, weiter in den Räumen an der Schillerstraße leben zu können. „Die Wohnung wurde nicht gekündigt“, sagt Mantler. Im Mietrecht (§ 563) ist aber geregelt, dass im Todesfall eines Mitglieds einer Wohngemeinschaft, übrige Bewohner in das Mietverhältnis eintreten. Auf diesen Paragrafen beruft sich Mantler.

Dass das Mietrecht bei solch einem Fall in dieser Form greifen könnte, bestätigte der Deutsche Mieterbund der WZ auf Anfrage. „Wenn der Haushalt auf Dauer gemeinsam angelegt ist, erhalten auch Bewohner, die nicht im Mietvertrag stehen eine Quasi-Mieterstellung“, erklärt Sprecher Ulrich Ropertz.

Trotzdem bezeichnete der Hausherr Mantler in einem Schreiben, das auch der WZ vorliegt, als „Wohnungsbesetzer“. „Er hat mich schriftlich aufgefordert, die Wohnung zu räumen, dann stand die Polizei vor der Tür“, sagt Mantler. Doch die habe nicht handeln können, weil Mantler offiziell an der Adresse gemeldet ist. „Dabei hat er sogar versucht, mich bei der Stadt Wülfrath abzumelden.“

Nun läuft eine Räumungsklage gegen den 52-Jährigen, der wegen seiner Erkrankung seine selbstständige Arbeit als Oldtimer-Techniker nicht mehr verfolgen kann und deswegen auf Sozialleistungen angewiesen ist. Die Miete zahle er aber.

Die WZ befragte auch den Vermieter zu seiner Sicht der Dinge, doch der wollte keinerlei Kommentar abgeben. Auch Dorothea Walda war schon mit dem Hausbesitzer aneinander geraten, der 2011 den Gebäudekomplex an der Schillerstraße von der Erbengemeinschaft Walda gekauft hatte. Die Seniorin musste ihre Trachtensammlung aus Keller und Speicher räumen. Damals berief sich die Schauspielerin auf eine anderslautende Absprache, die aber nie schriftlich fixiert wurde.

Jürgen Mantler will sich nicht unterkriegen lassen. „Ich klage weiter, bis ich gewinne“, sagt der Mieter, der bereits einen Anwalt eingeschaltet hat. Nur eines hat er noch nicht: einen Plan B.