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Vom Selbstbildnis bis zur Frauendemo im Niederbergischen Museum

Wülfrath : Vom Selbstbildnis bis zur Frauendemo

Beate Knappe wird ab kommenden Sonntag ihre erste Fotoausstellung mit dem Titel „Knappe70“ im Niederbergischen Museum präsentieren.

Das Leben von Beate Knappe ist stets durch das Kameraobjektiv begleitet worden. Die heute 71-jährige Fotografin hat etliche Schlüsselmomente der Geschichte miterlebt, die Situationen für die nächsten Generationen festgehalten. „Solange ich denken kann, wollte ich Fotografin werden“, erinnert sich die gebürtige Wülfratherin, die mittlerweile in Düsseldorf ihre Wahlheimat gefunden hat.

Aus einer reichen Familie stammt Beate Knappe nicht. Und doch war die Fotografie allgegenwärtig in ihrer Kindheit. „Mein Onkel hat damals noch auf Glasscheiben fotografiert, da gab es den Kamerafilm noch nicht. Und auch meine Mutter war leidenschaftliche Hobbyfotografin“, so Beate Knappe, deren Großmutter schon früher bei namhaften Fotografen Familienportraits anfertigen ließ. Und so war das Leben der jungen Wülfratherin schon in frühen Kindertagen vorbestimmt. „Man dachte nämlich, ich sei dumm. Ich habe die Volksschule bis zur achten Klasse besucht, danach bin ich in die Ausbildung zur Fotografin gegangen.“ Dass eigentlich eine Legasthenie bestand, wurde bei Beate Knappe erst Jahre später entdeckt.

Sich mit dem Ausbildungsschein zufrieden geben, das kam für die passionierte Fotografin nicht in Frage. Und so brachte eine Begabtenbescheinigung sie dazu, 20 Jahre nach Ausbildungsende noch einmal die Schulbank zu drücken. An der Essener Hochschule studierte die damals bereits alleinerziehende Mutter Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt der Fotografie. „Als ich das Diplom in der Hand hielt, war ich wahnsinnig stolz. Das weiß ich noch ganz genau“, berichtet Knappe, deren Karriere danach erst richtig Fahrt aufnahm.

Minister wurden von Knappe
in Szene gesetzt

In der Staatskanzlei des Landes leitete die gebürtige Wülfratherin gut zehn Jahre lang die Bildstelle. „Diese war der Pressestelle angegliedert. Ich war also sehr oft mit den Ministern unterwegs, habe ihre Reisen begleitet und die Menschen portraitiert. Das war eine tolle und auch spannende Zeit.“ Generell sind es die Menschen, die Beate Knappe in den Fokus ihrer Arbeit stellt. Immer wieder reist sie zu Kundgebungen und Demonstrationen, hält Emotionen und Momentaufnahmen fest.

„Zu Frauen habe ich irgendwie einen besseren Zugang. Da fällt es mir leichter, das passende Motiv mit der richtigen Geschichte zu verbinden“, ist sich Beate Knappe sicher, die eben diesem Geschlecht ganze Bildbände widmete. Zuletzt hat sie die Frau als gottähnliche Figur in sämtlichen Posen beleuchtet. „Das war ein Herzensprojekt von mir. Denn schließlich ist es die Frau, die für den Fortbestand der Menschheit zuständig ist. Dass wir Frauen so lange um Gleichberechtigung kämpfen mussten und noch immer müssen, ist mir daher bis heute schleierhaft.“

Das Unperfekte perfekt in Szene zu setzen, dieses Handwerk versteht Beate Knappe in Perfektion. Nicht nur die Schönheit wird in ihren Bildern in den Fokus gerückt. Auch eine Serie über Frauen nach und während Brustkrebsbehandlungen und die sichtbaren Zeichen dieser Krankheit wurden von der Düsseldorferin abgelichtet. Schonungslos und ohne Versteckspiel. „Diese Serie hat mich selbst emotional sehr berührt und aufgewühlt. Zwischenzeitig war ich sogar kurz davor, die Arbeiten abzubrechen“, verrät die Künstlerin, die diesen Schritt zum Glück nicht durchgezogen hat. „Heute hat die Ausstellung schon an vielen Orten gehangen. Und sie macht auch Mut“, ist sich die Fotografin sicher.

Ausstellung zeigt einen Querschnitt der Arbeiten

Anlässlich ihres 70. Geburtstages sollte ein Querschnitt ihres Lebenswerks im Gerresheimer Bahnhof gezeigt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie musste diese besondere Ausstellung auf den vergangenen Oktober verschoben werden. „Ich habe mich für die Ausstellung noch einmal sehr intensiv mit meinen früheren Arbeiten beschäftigt, etliche Momente noch ein zweites Mal durchlebt. Das war auch für mich sehr emotional und besonders“, so Knappe, die diesen Querschnitt aus fast sechs Jahrzehnten Fotografie auch mit den Wülfrathern teilen möchte.

Ab kommenden Sonntag, 16. Januar wird die Ausstellung „Knappe70“ im Niederbergischen Museum zu sehen sein. Zu den klassischen Museumsöffnungszeiten können die Bilder bewundert und auch erworben werden. Wer gerne einmal selbst vor der Kamera von Beate Knappe stehen möchte, für den ergibt sich bald eine passende Gelegenheit. Unter dem Arbeitstitel „Wülfrath und seine Frauen“ möchte die Künstlerin in den kommenden Wochen und Monaten eine Serie mit Wülfrather Frauen anfertigen, die bestenfalls in einem Bildband und einer Ausstellung ihr Finale finden soll. Für die Aktion werden Frauen gesucht.