Neviges : Viele Formate in der Vorburg

Das Gleichgewicht der kulturellen Teilhabe in den Stadtteilen wird auch nach der Fertigstellung des neuen Bürgerforums sichergestellt. Das versicherte der zuständige Beigeordnete Gerno Böll in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses, obwohl er dafür nicht zuständig ist.

„Das macht der Kultur- und Veranstaltungsbetrieb (KVBV), aber ich bin mir sicher, dass die vor der Eröffnung des Bürgerforums ein Konzept erstellen werden.“

Die Partei Die Linke befürchtet eine Zentralisierung der Kulturangebote in Velbert-Mitte, außerdem mahnte deren sachkundiger Bürger Can Kulakci an, dass sozial schwächere Menschen neben den Teilnahmegebühren noch die Fahrtkosten zu den Veranstaltungsorten tragen müssten. „In den Tickets ist in der Regel der Fahrpreis enthalten“, musste sich der Antragssteller vom Kulturdezernenten belehren lassen. „Unsere Preisgestaltung ist im übrigen so, dass auch Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, an den Veranstaltungen teilhaben können“, ­führte Gerno Böll weiter aus. „Viel wichtiger ist, dass Kinder und Jugendliche möglichst früh an die Kultur herangeführt werden, damit sie solche Veranstaltungen in Zukunft besuchen.“

Da kommt gerade der Vorburg mit ihrem Kinder- und Jugendtheater eine besondere Rolle zu. „Fast alle Velberter Kinder kommen hier hin“, so Böll vor dem Kulturausschuss, der in eben jenem Saal der Vorburg tagte, in dem Kinder ihre ersten Theatererfahrungen machen. Der Westflügel erweist sich daneben für andere Aufführungen als idealer Ort: „Kabarett – das passt nur hier hin“, findet Wigrid Wohlmann (CDU).

Die Vorburg mit dem Schloss im Hintergrund ist daneben ein beliebter Ort für private Feierlichkeiten, vor allem für Hochzeiten, wenn da nicht die Pandemie gekommen wäre. „Die meisten verschieben ihre Veranstaltungen ins nächste Jahr“, berichtet KVBV-Betriebsleiterin Linda Frenzel, die bereits das diesjährige Sommerprogramm auf das nächste Jahr verlegt hat. Überhaupt kommen auf die Kulturveranstalter ganz neue Themen zu: „Die Frage ist nicht mehr, ob wir überhaupt etwas veranstalten, sondern ob die Künstler bereit sind aufzutreten“, beschreibt die Kulturmanagerin neue ­Herausforderungen.

Die Corona-Krise macht
etliche Vorhaben zunichte

Sänger fragen nach Abstand zwischen Bühne und Zuhörern, bei Blasinstrumenten muss der Abstand noch größer sein. „Es ist nicht zumutbar, die Bühne mit Holzgestellen und Plexiglasscheiben zuzubauen. Das mag bei einer Tankstelle gehen, aber nicht hier. Viele Formate sind zurzeit einfach nicht durchführbar, zum Beispiel die ,Salonlöwen’, zu denen sonst 500 Leute kommen, viele aus Risikogruppen.“ Ab September hofft man bei den KVBV, mit neuen Bestuhlungsplänen für alle Räume und strengen Hygieneregeln wieder Angebote machen zu können. Bis dahin rät sie zur „Kultur im Wohnzimmer“ oder zum Autokino an diesem Wochenende. Inhaber von Abonnements haben sehr entspannt auf die ausgefallenen Aufführungen reagiert, die im übrigen fast alle nachgeholt werden. „Viele sagen, sie besuchen andere Veranstaltungen, sie wollen die Kultur in Velbert unterstützen.“ Beim Neubau des Schloss- und Beschlägemuseums ist es durch Corona zu Verzögerungen gekommen. Der Boden für die neue Ausstellungshalle kann erst im August fertiggestellt werden, erst danach können das hölzerne Ständerwerk und die maßgefertigten Vitrinen aufgebaut werden. Für den Aufbau der neuen Ausstellung werden sechs Monate kalkuliert, das neue Museum wird voraussichtlich im Frühjahr öffnen.