Velbert : VHS bietet wieder Wendo-Kurse an

Das Angebot zum Thema Selbstbehauptung richtet sich an Mädchen und Frauen. Der Verein „Frauen helfen Frauen“ bietet seit 1990 Kurse an.

„Seither gab es Wendo immer wieder einmal“, erläutert Susanne Wege von der VHS, die die Kurse in Kooperation mit dem Verein und der städtischen Gleichstellungsbeauftragten veranstaltet. Der Kurs für junge Mädchen wird außerdem vom Verein für Velberter Kinder gesponsert. Der Respekt im Umgang lasse zu wünschen übrig – das betreffe junge Mädchen und Frauen gleichermaßen, so Wege. Ziel der Kurse ist zum einen, das Selbstbewusstsein zu stärken, zum anderen, ihnen Mittel an die Hand zu geben, sich zu behaupten, Grenzen aufzuzeigen, wo das erforderlich ist, stellt die Referentin ­Beate Nitzschke fest.

Der Verein bot Wendo-Kurse erstmals im Jahr 1990 an

„Jede dritte bis vierte Frau erlebt Belästigungen im Berufsalltag“, weiß Marina Lucyga. Die Nevigeserin leitet selber bei der VHS Mutter-Tochter-Kurse zu Selbstbehauptung und Selbstvertrauen für Mädchen zwischen vier und zehn Jahren und bildet mit Monika Schmidt-Bathe und Marion Birnfeld das Vorstandsteam des Vereins „Frauen helfen Frauen“, der 1990 erstmals Wendo-Selbstbehauptungskurse angeboten hat.

Entstanden ist der Verein indessen im Jahr 1988, nachdem sich zuvor auf Initiative der damaligen städtischen Gleichstellungsbeauftragten Christiane Wenner regelmäßig ein Kreis von Frauen traf, die für sich und andere Frauen etwas verändern wollten: „Häusliche Gewalt war damals ein großes Problem, denn eine Zuflucht wie ein Frauenhaus für Frauen, die vor ihren gewalttätigen Partnern fliehen mussten, gab es zu dieser Zeit im ganzen Kreis Mettmann noch nicht“, erinnert sich Lucyga.

Das führte zuweilen zu der grotesken Situation, dass Frauen – zum Teil mit ihren Kindern – in einer Polizeizelle untergebracht wurden, um sie in Sicherheit zu bringen, wenn keine andere Unterkunft, etwa in einem Hotel, auf die Schnelle verfügbar war, während der gewalttätige Partner in die gemeinsame Wohnung zurückkehren konnte: „Das hat uns so entsetzt, das wollten wir ändern“, so die Nevigeserin.

Schon kurz nach der Gründung richtete der Verein ein Notruftelefon ein, um Frauen in akuten Notsituationen Hilfe anzubieten, wenn alle anderen Institutionen geschlossen sind. Ab 1990 initiierten und betreuten die Frauen des Vereins außerdem in Zusammenarbeit mit dem Stadtteilzentrum Velbert-Mitte eine Frauenfluchtwohnung, in der Betroffene unterkommen konnten, bis am nächsten Tag oder nach dem Wochenende soziale Dienste und andere Institutionen weitere Schritte in die Wege leiteten.

Die Forderung nach einem Frauenhaus wurde unter anderem mit Unterschriften-Aktionen unterstützt, bis 1993 das erste Frauenhaus im Kreis eröffnet wurde. „Die Fluchtwohnung und das Nottelefon haben wir danach aufgegeben“, berichtet Lucyga, das Problem häusliche Gewalt sei aber nicht kleiner geworden.

Frauen beteiligten sich auch an Gestaltung der Fußgängerzone

Darüber hinaus hat der Verein zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht: Nach dem ersten Frauenstadtrundgang mit der Gleichstellungsbeauftragten Marion Birnfeld mischte der Verein bei der Planung der Velberter Fußgängerzone mit, um für mehr Spielmöglichkeiten für Kinder und Verweilmöglichkeiten für Frauen zu sorgen. Die Stadt baute später die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei städtischen Projekten aus. 2005 regte der Verein das Projekt „Notinsel“ der Stiftung Hänsel & Gretel für Velbert an – ein großes Netzwerk von Geschäften und Läden, in denen Kinder bei Gefahr sofort Zuflucht finden. Aus den 2006 angeregten Elternbriefen für junge Familien sind die städtischen Begrüßungspakete für junge Eltern geworden, und seit 13 Jahren führt das Frauenforum Neviges mit der Stadtbücherei und dem Stadtteilzentrum der Diakonie zweimal jährlich erfolgreiche Veranstaltungen von Frauen für Frauen durch.

Dass nun wieder Wendo-Kurse für Mädchen und Frauen angeboten werden, begrüßt Marina Lucyga. Nach einer großen Nachfrage in den 90er Jahren war das Interesse zunächst abgeebbt.

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