Wülfrath : Vertrauen die Wülfrather dem Impfstoff?

Viele Bürger wollen sich möglichst bald vor Corona schützen – über die Frage einer Impfpflicht gibt es unterschiedliche Meinungen.

. Das Impfzentrum des Kreises Mettmann hat vor wenigen Wochen in Erkrath seinen Dienst aufgenommen. Nachdem zunächst die Senioreneinrichtungen im Fokus der Impfaktion standen, wird langsam auch die weitere Bevölkerung zur Impfung gebeten. Wir haben uns in Wülfrath umgehört, ob sich die Wülfrather impfen lassen.

Dirk Schlüter vom gleichnamigen „Schlüters Genießertreff“ an der Wilhelmstraße ist froh, dass er noch nicht zur Risikogruppe gehört und demnach sein Zeitpunkt der Impfung noch in weiterer Ferne liegt. „Ich müsste nicht zu den Ersten gehören“, gibt er ehrlicherweise wieder. Im Whiskykeller seines Ladenlokals veranstaltet der Wülfrather eigentlich mehrmals im Jahr Tastings und andere Veranstaltungen. Seine Gäste verpflichten, eine Impfung vorzuweisen, hält er für zu weit gegriffen. „Dann würde ich lieber noch ein Jahr lang abwarten, bis sich diese Lage wieder normalisiert hat.“ Auch würde sich Dirk Schlüter nicht explizit impfen lassen, um in den Urlaub fahren zu dürfen.

Stefan Düpp sieht das etwas anders. Als Erzieher hat er täglich Kontakt mit Menschen, Homeoffice kommt für ihn nicht in Frage. „Ich bin ganz klar für eine Impfpflicht“, gibt der 57-Jährige wieder. „Ich bin Diabetiker und daher Risikopatient. Ich möchte irgendwann die Gewissheit haben, dass ich in meinem Beruf wieder sicher arbeiten kann. Daher meine rigorose Meinung.“

Anne Schemann vom Unverpacktladen „Grünkorn“ hat sich zunächst auch einer Impfung gegenüber unsicher gezeigt. „Mittlerweile bin ich aber der Meinung, dass ich mich impfen lasse, sobald ich an der Reihe bin“, verrät sie. Warum der Sinneswandel? „Weil wir in der Familie alle durchgeimpft sind. Sowohl ich, als auch meine Kinder. Ich wurde damals sogar gegen die Schweinegrippe geimpft, weil ich das von Berufswegen her musste. Und geschadet hat es mir auch nicht.“ Kollegin Cristin Prehn sieht das ähnlich. „Noch bin ich sowieso nicht an der Reihe. Aber sollte es soweit sein, werde ich mich impfen lassen. Der Impfstoff wurde im Vorfeld ausgiebig getestet, da mache ich mir keine Gedanken.“ Dass manche Unternehmen eine Impfpflicht einführen wollen, finden die beiden Geschäftsführerinnen durchaus legitim. „Gerade im Flugzeug oder bei Veranstaltungen, wo viele Menschen eng zusammenkommen, macht das durchaus Sinn. Auch ich würde wesentlich lieber ein Konzert besuchen, bei dem ich weiß, dass alle Menschen vor Ort geimpft sind. Schon allein, um mich und meine Familie zu schützen“, erklärt Anne Schemann. Für ihren eigenen, kleinen Laden möchten die beiden Frauen diese Pflicht aber nicht einführen. „Wir sind bisher mit unseren Hygieneregeln gut gefahren, angesteckt hat sich noch niemand. Außerdem haben die Kunden hier ausreichend Platz und wir können querlüften“, ergänzt Cristin Prehn.

Für Ute Deitermann steht fest, dass sie und ihr Mann sich impfen lassen, sobald dies möglich ist. „Wir gehören beide zur Risikogruppe“, gibt die Wülfratherin wieder und ergänzt: „Ich habe viel mehr Sorge davor, dass ich Corona bekomme.“ Auch ihre 88-jährige Mutter hat den Impfstoff bereits erhalten. „Und das ist jetzt vier Wochen her, ohne das Komplikationen aufgetreten sind. Bei meinem Vater das Gleiche“, so Ute Deitermann.

Und auch Susanne Faupel, die den Naturkostladen in der Fußgängerzone leitet, kann sich dieser Meinung nur anschließen. „Der Impfstoff ist nicht neu, daran wurde schon früher geforscht. Ich mache mir diesbezüglich keine Gedanken.“

Gabriele Salomon hingegen hat ein wenig Bedenken. „Ich möchte, bevor es bei mir soweit ist, lieber noch einmal ein ausgiebiges Gespräch mit meiner Hausärztin führen“, gibt sie wieder. „Man liest in den Medien von Nebenwirkungen und Allergien. Das möchte ich natürlich vermeiden. Daher werde ich die Zeit bis zur Impfung noch nutzen und weiterhin mit mir selbst ringen.“

„Ich lasse mich auf jeden Fall impfen, sobald es möglich ist“, sagt Hobby-Fotograf F. Thomas Müller. Anders werde man die Corona-Pandemie nicht besiegen können. Mit Blick auf Impfgegner meint er: „Ich habe später dann auch kein Mitleid mit nicht geimpften Personen.“

Auch Hobby-Fotograf Peter Klückmann wird die Gelegenheit wahrnehmen, wenn sie denn kommt. Er wird in diesem Jahr 70 Jahre alt und muss sich noch etwas gedulden. „Selbstverständlich lasse ich mich impfen“, bekräftigt er. „Das ist eine Abwägung von Nutzen und Risiko. Ich habe mich gründlich informiert und keine Bedenken gegen den Impfstoff.“ Viele Schmerzmittel hätten wesentlich gefährlichere Nebenwirkungen, als der Corona-Impfstoff.