Velbert : Verstärkter Verbraucherschutz

In der Corona-Krise suchen die Menschen verstärkt Rat und Hilfe bei der Verbraucherzentrale. Da trifft es sich gut, dass jetzt Sabine Klischat-Tilly in der Velberter Beratungsstelle an der Friedrichstraße 107 ihre Arbeit mit einer vollen Stelle aufgenommen hat.

Seit 2001 gibt Andreas Adelberger Hilfestellung bei den zahlreichen Fallstricken, über die Verbraucher stolpern können. „In den vergangenen fast 20 Jahren gab es umfassende Veränderungen in Wirtschaft und Technologie, das bildet sich in der Beratung durch erhöhten Aufwand ab, worauf wir durch spezielle Beratungsangebote, zum Beispiel zu Energieverträgen, reagieren“, beschreibt Adelberger die Entwicklung. „Das Ganze führte zu einer Gleichzeitigkeit, so dass wir regelrecht mit E-Mails bombardiert werden. Darunter litt die Diskretion. Ich bin überglücklich, dass jetzt die Beratungsstelle ausgebaut wurde.“

Menschen mit Existenzängsten suchten geballt kostenlosen Rat

Mit dem Beginn der Coronakrise stellte der Verbraucherschützer eine Schockstarre fest, dann kam es umso geballter: „Da hatte ich aufgelöste Verbraucher am Telefon, denen die Arbeitsstelle wegfiel. Einige wollten nur ihre Geld für Tickets zurück, bei anderen ging es um die Existenz. Die Leute waren sehr dankbar, dass die Telefonberatung ohne geldlichen Gegenwert durchgezogen wurde.“

„Die kostenlose Rechtsberatung war eigentlich zum Jahresende geplant, wir haben sie vorgezogen“, berichtet Susanne Voss. Die Regionalleiterin der Verbraucherzentrale NRW macht darauf aufmerksam, das die Beratung sonst neun Euro kostet, wenn eine Aktenprüfung nötig ist. Ansonsten wirbt die Verbraucherzentrale damit, guten Rat zu fairen Preisen zu bieten.

Sabine Klischat-Tilly ist studierte Oecotrophologin und kennt sich nicht nur rund um Ernährung und Haushalt aus. Sie hat viele zusätzliche Qualifikationen erworben. „Gegenwärtig arbeitet sie sich in das Thema Pauschalreiserecht ein. Das kommt gerade richtig, denn durch Corona haben die damit verbundenen Fragen explosionsartig zugenommen“, registriert Andreas Adelberger. Bei ihm hatte Sabine Klischat-Tilly 2009 ein Praktikum absolviert. Über andere Aufgaben im Bereich der Verbraucherzentrale kam sie jetzt wieder nach Velbert, worüber sie sehr froh ist: „Ich freue mich, dass ich mich als gebürtige Velberterin für die Velberter einsetzen kann.“

Möglich wurde die personelle Aufstockung der Beratungsstelle durch den Kreistag, der einstimmig beschloss, seine Beteiligung an der Velberter Beratungsstelle von 73 000 auf 132 000 Euro jährlich aufzustocken. „Der Verbraucherschutz hat beim Kreis einen hohen Stellenwert,“ so Landrat Thomas Hendele und verweist auf den einhelligen Beschluss des Kreistages zu Erhöhung seines Anteils an der Kofinanzierung. Neben der Langenfelder Einrichtung für den Südkreis ist die in Velbert für die Bewohner des gesamten nördlichen Kreisgebietes gedacht. „Das ist ein Stück Infrastruktur und Lebensqualität, damit die Bürger nicht in eine der umliegenden Großstädte müssen“, sagt der Landrat, dem „schwindelig“ wird, wenn er auf die steigende Zahl in Sachen Wirtschaftskriminalität schaut. Bürgermeister Dirk Lukrafka ist ­glücklich, dass Land und Kreis die Velberter Stelle finanzieren. „Unser Anteil beträgt zehn Prozent“, so der Velberter und weist auf die vielen Beratungsangebote hin, die von der Stadt vorgehalten werden. Adelhöfer bittet dringend darum, nicht einfach bei der Beratungsstelle vorbei zu kommen. „Wer einen Termin möchte, der muss vorher anrufen. Ein Telefon- oder E-Mail-Kontakt ist zwingend notwendig. Wir sortieren die Dringlichkeit, wenn es zum Beispiel um Fristen geht. Mitunter lässt sich manches bereits durch ein Telefonat klären.“