Wülfrath: Verhärtete Fronten in der Gemeinde St. Maximin

Wülfrath : Verhärtete Fronten in der Gemeinde St. Maximin

Aus Enttäuschung über mangelnde Kommunikation bei St. Maximin hat Claudia Kassel-Kettler die Kirche verlassen. Pfarrer Jürgen Arnolds kann die Kritik nicht nachvollziehen.

Claudia Kassel-Kettler ist unter dem Dach der Kirche aufgewachsen. „Seit meinem neunten Lebensjahr singe ich in Chören, war in erster Ehe mit einem Kirchenmusiker verheiratet und habe mich immer zu der Kirche hingezogen gefühlt“, erinnert sich die Seniorin.

In der katholischen Kirchengemeinde St. Maximin suchte die gebürtige Essenerin, die zuletzt in Wuppertal wohnte und vor fünf Jahren nach Wülfrath zog, eine neue kirchliche Heimat. „Leider ohne Erfolg, mittlerweile bin ich sogar ganz aus der Kirche ausgetreten“, berichtet sie. Die Entscheidung habe sich die Wahl-Wülfratherin nicht leicht gemacht, immer wieder Gesprächsversuche mit Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat gestartet. Als Grund für den Unmut gibt Claudia Kassel-Kettler fehlende Kommunikation an. So habe man dem Chor, in dem sie als aktives Mitglied mitwirkte, beispielsweise nicht darüber informiert, dass der ehemalige Kirchenmusiker in den Vorruhestand geht. „Es fand einfach kein Miteinander statt. Man ließ den Chor bei Entscheidungen außen vor, informierte uns nicht über Änderungen. Zudem bin ich der Meinung, dass unser ehemaliger Chorleiter aus der Gemeinde gemobbt wurde.“

Auch auf die Bitte hin, Werbung für den immer älter werdenden Chor zu initiieren, reagierte nach Aussage des ehemaligen Gemeindemitglieds niemand. „Ich wollte mich gerne ehrenamtlich engagieren, aber ich bekam nur Ablehnung zu spüren.“

Ähnliche Erfahrungen machte auch Adrian Koslowski, der zwar nicht aus der Kirche ausgetreten ist, sich aber mittlerweile eine neue Chorheimat in Neviges gesucht hat. „Es gab nur noch Spannungen im Chor, denen nicht entgegen gewirkt wurde“, erinnert sich der Wülfrather, der auch die Gottesdienste in Wülfrath nicht mehr besuchen wird. „Ich habe alle meine Brücken zu dieser Gemeinde abgebrochen.“

Laut Claudia Kassel-Kettler sind überspitze Hierarchien, wie man sie laut ihrer Aussage in der Gemeinde St. Maximin findet, schon längst nicht mehr zeitgemäß. „Die Kirche hat in der heutigen Zeit eine wichtige Funktion. Dabei geht es primär ums Zuhören. Etwas, was ich in meiner Zeit in der Gemeinde nicht erfahren habe.“

Mit einem Schreiben wandte sich die enttäuschte Seniorin sogar an das Erzbistum Köln, schrieb persönlich Bischof Rainer Maria Kardinal Woelki an. „Doch auch von dieser Seite wurde ich nur vertröstet, man nahm sich des Problems nicht an.“

Melanie Vieten, ebenfalls langjähriges Chor- und Gemeindemitglied, ist von dem Schritt ihrer ehemaligen Chorkollegin sichtlich erschüttert. „Das ist ein drastischer Schritt, den ich aber nachvollziehen kann. Für mich selbst habe ich noch keine Entscheidung getroffen, pausiere derzeit die Chorarbeit“, berichtet die junge Mutter. 2002 wurde sie mit offenen Armen in der Chorgemeinschaft aufgenommen, heute fühlt sie sich nur noch unwohl. „Es herrschen Spannungen innerhalb der Gemeinschaft, die man mit Gesprächen und dem Wunsch nach einem Miteinander von beiden Seiten ausräumen könnte“, schätzt Vieten.

Doch zu Gesprächen ist Pfarrer Jürgen Arnolds nicht mehr bereit. „Es hat Gespräche gegeben“, ist sich der Gemeindevorsitzende sicher. Laut seiner Aussage stimmen die Behauptungen der Gegenpartei schlichtweg nicht. „Ich befürchte zudem, dass der Schritt in die Öffentlichkeit nur noch zu weiteren Spannungen innerhalb der Chorgemeinschaft führen wird“, ist sich Pfarrer Arnolds sicher. Auch habe er versucht, mit der Neubesetzung der Stelle des Seelsorgemusikers, dem Chor wieder eine sichere Zukunft zu bieten. „Ich habe alles daran gesetzt, dass der Chor wieder eine Zukunft hat.“

Kassel-Kettler wird diesen Neubeginn des Kirchenchors allerdings nicht mehr mitbekommen. „Der Kirchenaustritt hat nichts mit meinem Glauben zu tun, ich werde mich wohl demnächst der evangelischen Gemeinde zuwenden.“ Dass es aber selbst auf ihren Kirchenaustritt keine Reaktion gab, bestätigt die Seniorin abschließend in ihrer Entscheidung.

Mehr von Westdeutsche Zeitung