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Velberter Preisträger geben Namen auf Stolpersteinen wieder ein Leben

Velbert : Preisträger geben den Namen auf den Stolpersteinen wieder ein Leben

Mit dem Heimatpreis werden Projekte ausgezeichnet, die das Miteinander in Velbert fördern.

Zum dritten Mal wurde am Montagabend der Heimatpreis der Stadt Velbert vergeben, der vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung gefördert wird. „Zum Glück gibt es keine Vorgaben zu dem Preis, denn Heimat ist vielfältig, deshalb waren wir sehr frei in der Entscheidung“, sagte Bürgermeister Dirk Lu­krafka. Die Jury, bestehend aus dem Verwaltungsvorstand und den Fraktionsvorsitzenden des Rates, war sich ganz schnell einig. „Wichtig war es, dass Gruppen prämiert werden, die sich um die Verbindungen mit Menschen bemühen. Alle drei Preisträger kümmern sich um das gesellschaftliche Zusammenleben und die Menschen hier“, so der Bürgermeister.

Der erste Preis geht an die Recherchegruppe „Zeitlos“, an deren Kooperationsprojekt „41 Leben“ die Gesamtschule Velbert-Mitte und die Velberter Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins beteiligt sind. „Es sind 41 Stolpersteine in Velbert verlegt. Die Gruppe kümmert sich darum, herauszu­kriegen, was das für Menschen waren. Die Gesamtschule Mitte kümmert sich seit Jahren stark um die Zeit des Antisemitismus. Das ist eine gute Aufgabe für die Schüler, um zu erfahren, wie Recherche funktioniert. Sie erhalten Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten, auch wenn es durch Corona Einschränkungen gab.“ Tobias Glittenberg, quasi der Initiator der Gruppe, hat sich intensiv mit den Stolpersteinen beschäftigt. „Sie tragen Namen von Menschen, weil andere meinten, sie müssten über deren Leben entscheiden. Nach der Sichtbarkeit soll jetzt die Geschichte dahinter erzählt werden.“ Arbeitsgruppen von drei bis vier Schülern würden die Kurzbiographien erstellen, schilderte Gesamtschullehrer Christian Wagner das Vorgehen. Die Jugendlichen haben dazu die Reinigung der Stolpersteine übernommen. „Die Gesamtschule ist ein Vorbild, damit Geschichte nicht vergessen wird“, so das Fazit des Bürgermeisters

Lukrafka zeichnete als zweiten Preisträger das Projekt „Alldiekunst“ des Vereins Kunsthaus Langenberg aus. Es steht mit seinen zahlreichen kulturellen Veranstaltungen, zum Beispiel mit Gastspielen bekannter Kabarettisten, in einer gewissen Konkurrenz zu den städtischen Angeboten nur wenige Meter entfernt. Der Verwaltungschef bezeichnete die Mitbewerber daher als „wichtige kulturelle Mitstreiter, deren Angebote ehrenamtlich getragen werden, dazu sind sie besonders kreativ, gerade in den letzten Jahren. Das Preisgeld ist zwar nicht der große Wurf, aber die Kommune weiß das Engagement zu schätzen und zeigt, dass wir sie lieb haben“, sagte der Bürgermeister.

„Wir schwimmen nicht im Geld“, räumte Vorsitzender Achim Peter ein, der für den ehemaligen Aldi-Markt monatlich einen vierstelligen Betrag an Miete überweisen muss. „Im Corona-Jahr 2020 war es eng, die vierte Auflage der Alldiekunst-Aktie hat uns durch dieses Jahr geholfen.“ Dazu nutze der Verein die barrierefreie Lage, um dort ein Corona-Testzentrum bis zum Jahresende einzurichten.

Drittplatzierter ist die Tafel Niederberg. „Die kümmert sich darum, dass Menschen versorgt werden können. In Corona-Zeiten wurde überlegt, wie bekommt man die Menschen zusammen. Mit immer wieder neuen Ideen wurde ein sehr gutes Projekt entwickelt“, erklärte der Laudator Dirk Lukrafka.

Tafelchefin Renate Zanjani vom Träger Bergische Diakonie freut sich über den neuen Tafelstandort an der Mettmanner Straße und über die neuen Hauslieferungen, die von Studierenden eigenständig organisiert werden. Hinzu kommt die Abendtafel: „Das hat uns ermöglicht, Menschen zu erreichen, die sonst nicht gekommen wären.“ Renate Zanjani ist zufrieden, dass sich die Tafel mit Foodsharing-Gruppen arrangiert hat. „Wir machen uns alle auf den Weg, dass alle Lebensmittel dahin kommen, wo sie hingehören“, sagte sie.