Velberter Funker belauschen Astronauten bei der Arbeit

Amateur-Radio-Club Velbert : Velberter belauschen Astronauten

Die Mitglieder des Velberter Ortsverbands der Funkamateure stellen zum 70-jährigen Bestehen ihre Geräte vor.

„Die Faszination für den Amateurfunk wurde in der Jugend geweckt.“ Heinz Gerd Küster ist mit einen 70 Jahren immer noch dabei, damit ist er genauso alt wie der Ortsverband Velbert im Deutschen Amateur-Radio-Club. „Die britische Besatzungsmacht war nach dem Krieg sehr weitsichtig und hatte noch vor Gründung der Bundesrepublik das Amateurfunken wieder erlaubt“, berichtet der Pressesprecher der Velberter Funkamateure.

Bei ihm begann das Hobby mit den Bastelbüchern von Heinz Richter rund um den Selbstbau von Radios und sonstiger Elektrotechnik. „Die stehen bei mir noch im Regal, manchmal schau ich da auch rein. Früher musste man die Geräte zum Funken noch selber bauen. Oder man baute alte Geräte um. Ich habeaus dem Zweiten Weltkrieg ein Funkgerät aus einem kanadischen Panzer mit kyrillischen Buchstaben, das noch funktioniert. Frauen verstehen diese Leidenschaft für Technik meist nicht, die wollen sich einfach nur unterhalten und sagen, es gibt doch Telefone und Handys.“

Funker pflegen den Kontakt zu Gleichgesinnten in aller Welt

Trotz des Internets hat der Amateurfunk immer noch seine treuen Anhänger. „Ich drücke auf eine Taste und werde in den USA gehört, gestern Abend kam jemand aus Neuseeland bei mir an.“ Neben Partnern in entfernten Ländern haben die deutschen Funkamateure Verbindung ins Weltall: „Wir können den Funkverkehr mit der Internationalen Raumstation verfolgen. Vor einigen Monaten habe ich auf UKW mitverfolgen können, wie auf der ISS ein Leck abgedichtet wurde“, beschreibt Küster die Entdeckungen im Äther. Dabei sind die US-amerikanischen Hobbyfunker besser dran als hier: „Die dürfen den See- und Flugfunk sowie Polizei- und Feuerwehrfunk abhören. Der Hintergedanke ist, dass jeder helfen soll. Wenn nicht mitgehört werden soll, wird verschlüsselt gesendet.“ Da die USA häufig von verheerenden Hurrikans heimgesucht werden, sind bei solchen Katastrophen Amateurfunker mit ihren dann immer noch funktionieren Geräten wieder Stützen bei der Nothilfe. „In Deutschland wird das nicht gebraucht“, stellen die Hobbyfunker fest.

Auch die Morse-Technik ist im
Internet-Zeitalter angekommen

Das Internet sehen sie als eine willkommene Ergänzung ihrer Möglichkeiten an. „Chatrooms wurden von Amateurfunkern entwickelt.“ Sogar die Uralttechnik des Morsens ist im Internet-Zeitalter angekommen. Über einen Echolink, einer speziellen Software, können Morsesignale empfangen und gesendet werden. „Für die Älteren, die das richtig mit der Taste gelernt haben, ist das Blödsinn.“

Unter den „Wellenreitern“ ist es ein beliebter Sport, mit möglichst weit entfernten Kollegen in Kontakt zu treten. „Da werden entsprechende Nachweise gesammelt, so wie andere Briefmarken zusammentragen.“ Damit die Funkwellen aus dem Niederbergischen in anderen Kontinenten ankommen, hat die Ionosphäre eine besondere Bedeutung. Diese Schicht zwischen Atmosphäre und Weltraum verändert mit der Zahl der Sonnenflecken ihre Leitfähigkeit. Das erdumspannende Funken funktioniert zeitgemäß, elegant und zuverlässig mit einem Kommunikationssatelliten, der sich seit November immer in der selben Position befindet und nach dem die Velberter Funkamateure ihre Antennen ausrichten können.

Wie das genau funktioniert, darüber geben die Mitglieder des Ortsverbands Velbert bei ihrer 70-Jahr-Feier am 14. September Auskunft. In dem alten Wasserturm der Stadtwerke Velbert an der Steeger Straße 35 haben die Funker seit Jahrzehnten ihr Zuhause. Anlässlich des Jubiläums geben sie Einblicke in den Funkbetrieb, Geräte werden ausgestellt, ein Flohmarkt und eine Hüpfburg für die Kleinen kommen dazu.

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