Velberter Feuerwehr probt den Ernstfall im alten Hertie-Parkhaus

Velbert : Feuerwehr probt den Ernstfall im alten Hertie-Parkhaus

Mit verklebtem Visier retteten Helfer „verunglückten“ Kameraden.

Mühsam bewegen sich zwei Feuerwehrleute mit Atemschutzmasken vor dem Gesicht und Pressluftflaschen auf dem Rücken im Seitkriechgang vorwärts. Sie ziehen eine Leine hinter sich her und tasten sich mit den Armen vorwärts. Sie sehen nichts, die Visiere der Atemmasken sind abgeklebt. „Das entspricht der Realität. Wenn wir in einen verrauchten Raum kommen, sieht man keine 20 Zentimeter weit“, beschreibt Michael Keller, Zugführer des Löschzug 1 der Freiwilligen Feuerwehr Velbert-Mitte, eine häufig vorkommende Einsatzsituation.

Plötzlich bleibt einer der beiden Feuerwehrmänner reglos liegen, ein schriller Warnton ertönt. „Jetzt liegt ein Notfall vor, jetzt muss der bereit stehende Rettungstrupps ran.“ Drei weitere Atemschutzgeräteträger, ebenfalls mit verklebtem Visier, hangeln sich der Leine folgende durch den Raum bis zum verunglückten Kameraden. Nur durch Tasten versorgen sie ihn mit einem mitgebrachten Ersatz-Atemgerät.

Rettungskräften können unter realistischen Bedigungen üben

„So was üben wir auf der Wache, aber hier in unbekannten Raum unter realistischen Bedingungen ist das was ganz anderes“, weiß Michael Keller. Darum waren er und Andreas Dellenbusch vom Löschzug 2 sehr dankbar, dass sie am Samstag im dem seit Jahren leerstehenden Parkhaus des ehemaligen Hertie-Kaufhaus üben konnten. „Hier muss man nicht aufpassen, dass eine Schlauchkupplung die Wand im Treppenhaus beschädigt.“

Schläuche im Einsatz zu verlegen ist gar nicht so einfach. „Es gibt ein Schlauchmanagament, das gerade bei Treppenhäusern sehr wichtig ist“, weiß Andreas Dellenbusch. Bevor die Wasserleitung an den Treppen vorbei gezogen wurde, kam ein schwerer, benzinbetriebener Trennschleifer zum Einsatz. „Die Türen sind wegen ungebetener Besucher zugeschweißt. Wir machen heute hier eine Standort verlagerte Ausbildung, wir üben praktisch alles“, so Keller. Mitglieder der Jugendfeuerwehr ließen sich als Verletztendarsteller retten, eine Feuertonne musste als brennender Pkw herhalten, der mit einem Schaumteppich gelöscht wurde.

Nach mehreren Stunden räumten die 50 Teilnehmer von den 90 Aktiven bei der ehrenamtlichen Feuerwehr in Velbert-Mitte wieder auf. „Wir verlassen das Parkhaus so, wie wir es vorgefunden haben“, versichert Michael Keller. Die ganze Hertie Immobilie gehört inzwischen der Stadt Velbert, zweimal in der Woche gibt es einen Kontrollgang durch Mitarbeiter der Wobau. „Bevor der Bagger kommt, hoffen wir, dass wir noch ein paar Mal üben können.“

Selbstverständlich wurden die aufgetrennten Stahltüren im früheren Kaufhaus wieder verschweißt. „Wir haben viele Berufe in unseren Reihen“, beschreibt Andreas Dellenbusch die Zusammensetzung einer Truppe und freut sich auf den Abschluss: „Jetzt kommt der der schönste Teil der Übung – wir grillen mit unseren Familien auf der Wache.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung