Velbert mit dem Blick nach oben entdecken

Das Stadtzentrum hat viele verschiedene Baustile zu bieten.

Velbert. „Es wird immer gesagt, die Velberter Innenstadt hätte keine interessanten alten Bauten, dabei gibt es ja ganz viele davon“, staunte einer der Teilnehmer des „Stadtrundgangs mit dem Blick nach oben“. Weit mehr als 80 stadtgeschichtlich interessierte Velberter folgten Yvonne Gönster. Die Mitarbeiterin des Deutschen Schloss- und Beschlägemuseums entführte ihre Zuhörer in die Zeit um 1900, als die Industrie boomte und Fabrikanten sich repräsentative Häuser mit reich verzierten Fassaden bauen ließen. „Dahinter wohnten nicht nur die Reichen, es waren teils Mietshäuser, die so gestaltet wurden. Die kleinen Fachwerkhäuser reichten nicht mehr aus, wegen des Bevölkerungswachstums wurde mehr Wohnraum gebraucht.“

Begonnen wurde der Rundgang an der Ecke Grünstraße/Oststraße. Das Eckhaus, wo sich heute ein Küchengeschäft befindet, wurde 1900 fertiggestellt, mit Restauration, Ausschankgenehmigung, Pferde-ställen und einer Wagenremise. Bauherr war ein gewisser Wilhelm Krieger, der in Velbert und Elberfeld ein Baugeschäft mit Dampfziegelei betrieb und zahlreiche Häuser in dieser Zeit errichtete.

Der Velberter Stuckateurmeister Hans-Sebastian Rees gab Hinweise zu der verwendeten Technik: „Mal wurde mit Schablonen gearbeitet, mal wurden die Skulpturen mit der Hand aufgebaut und modelliert. Bei wiederkehrenden Elementen stellte man in der Werkstatt Leimformen her, die ausgegossen und angeklebt wurden.“

„Während der Gründerzeit bestand ein großes Interesse an der Geschichte, mit der Gestaltung wollte man an glücklichere Epochen erinnern“, sagte Yvonne Gönster und erklärte, dass es sich bei der Gründerzeit grundsätzlich um einen Stilmix handelt. An der Friedrichstraße machte sie darauf aufmerksam, wie einträchtig Häuser im Neobarock, der Neorenaissance und im Übergang zum Jugendstil dicht beieinanderstehen.

„Man muss nur nach oben sehen, dann findet man immer Details“, rät Stuckateur Rees, der sogar Befestigungselemente der einstigen Straßenbahnoberleitung ausmachte. „Die sind so gestaltet, dass sie zum Rest der Fassade passten.“ Ein besonders großer Prachtbau stellt das Bürgerhaus des Bürgervereins Velbert dar. „Schauen Sie auf die Girlanden, der Schriftzug darunter ist aufgesetzt.“ Yvonne Gönster hatte sich im Archiv über die Geschichte schlaugemacht: „Eröffnet 1910 mit Konzert- und Festsaal, Restauration, Gesellschaftsräumen und einer Kegelbahn, während des Ersten Weltkrieges als Lazarett genutzt, ab 1920 waren durchgehend Tanzschulen darin — ganz Velbert hat hier das Tanzen gelernt.“ uba