Velbert : Den Witz auf den Punkt gebracht

Die Musik- und Kunstschule zeigt bis Weihnachten Karikaturen vom Meistern der Satire.

. „Nichts ist einfach“ - so ist die Sammlung mit Karikaturen überschrieben, die zum Jahresende im Treppenhaus der Musik- und Kunstschule an der Kaiserstraße 12 zu sehen ist. „Sonst zeigen wir hier immer Arbeiten unserer Schüler, jetzt machen wir es mal anders herum und präsentieren Meister ihres Faches“, sagt Dieter Sander-Manzek von der Musik- und Kunstschule. „Jugendliche zeichnen unheimlich gerne Comics“, weiß der Kunstpädagoge und hofft, dem Nachwuchs Anregungen geben zu können. „Bereits Dürer oder Leonardo da Vinci machten Karikaturen, meistens waren die Angriffe auf die Obrigkeiten ein wenig verhüllt.“

Unterschiedliche Stile sind
zu entdecken

Die Liebhaber des hintergründigen, gemalten Witzes haben die Möglichkeit, ganz unterschiedliche  Stile kennen zu lernen. Da ist Jean Jacques Sempé, dessen Begabung schon als Schüler auffiel und der sich zum erfolgreichsten Cartoonisten der Gegenwart entwickelt hat. Er schildert Alltagsszenen, die durch  genaue Beobachtung, leise Ironie und fast flirrende Strichzeichnung bestechen.  Er zeigt den Menschen in seiner Unvollkommenheit in einer monströsen Welt.

Paul Steinberg (1914  - 1999) bekam im Zweiten Weltkrieg von der US-Armee den Auftrag, Karikaturen von Nazi-Größen anzufertigen, die von amerikanischen Flugzeugen über Deutschland abgeworfen wurden, um die Moral der Deutschen zu schwächen. Später hält er der amerikanischen Gesellschaft einen Zerrspiegel der Massengesellschaft mit Leere und Einsamkeit, Einzelgängern und Außenseitern vor. Im Alter verdrängt ein Kulturpessimismus seine Leichtigkeit, kantige Formen und stärke Striche setzen sich durch.

Der Norweger Olaf Gulbransson (1873 – 1958) hatte schon als Schüler für Zeitungen und Zeitschriften gearbeitet, bis er 1902 vom Herausgeber der Satirezeitschrift „Simplicissimus“ nach München geholt wurde. Der spätere Professor an der Bayrischen Akademie der Künste zeichnete sich im wahrsten Sinne des Wortes durch knappe Linienführung und treffsichere Pointen und ironische Hintergründigkeit aus.

Die Exponate stammen aus
der Sammlung Ganssen

Heinrich Zille (1858 – 1929)  wurde durch humorvolle, gleichzeitig drastisch anklagende Darstellungen aus dem Berliner Arbeitermilieu bekannt. „Der war beliebt bei den Leuten, weil er die nicht lächerlich machte, sondern deren Notsituation sichtbar machte“, beschreibt Sander-Manzek die große Leistung des Zeichners.

Die Zeichnungen stammen alle aus der Sammlung von Olaf Ganssen. „Ich bin in meinem Elternhaus mit Karikaturen groß geworden, mein Vater zeichnete selber gerne, bei mir reicht es gerade für ein paar Früchte fürs Marmeladenetikett“, juxt der ehemalige Kinderarzt, der davon begeistert ist, wie mit wenigen Strichen etwas auf den Punkt gebracht wird, es veralbert und verspottet. „Sollte mal die gute Fee an mein Bett kommen und ich dürfte mir was wünschen, dann möchte ich so zeichnen können wie die ganz Großen des Genres.“ Olaf Ganssen stellt fest, dass Karikaturen früher mehr Bedeutung hatten. „Über Loriot wird heute manchmal verächtlich gesprochen, aber alle haben ihn verstanden.“

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