Velbert Kleingärten : Wenn es Herbst wird im Schrebergarten

Hildegard Frahm liebt ihre Parzelle. Sie erzählt aus einem langen Gärtnerleben und von einem heißen Sommer.

. Hildegard Frahm hatte vor 45 Jahren mit ihrem Garten das große Los gezogen. Oder besser ihr Mann. Den hatte sie damals vorgeschickt, als die Parzellen für die Kleingartenanlage Teimberg II in einem Losverfahren vergeben wurden. „Was Schöneres gibt es nicht, das ist mein Hobby“, strahlt die 83-Jahrige mit der milden Oktobersonne um die Wette.

Die Gartenarbeit hält sie dabei jung: „Ich mache alles alleine. Nur bei der langen Hecke hat mir mein Neffe einmal geholfen.“ Die Kartoffeln hat sie schon im Keller, im Gewächshaus reiften jede Menge Tomaten heran, ein paar Buschbohnen und Porree stehen noch in den Beeten.

Die Früchte des Sommers
werden lange reichen

Der Salat sieht appetitlich aus, zum Reinbeißen. „Den hab ich erst im Juli gepflanzt, ich hätte nie gedacht, dass das was rauskommt“, staunt die Gartenfreundin, die gerne was Neues ausprobiert.

Sie zeigt auf eine kahle Stell neben der Petersilie: „Meine Schwiegertochter hat Brokolisamen aus Italien mitgebracht, der soll bald austreiben, dann überwintern und Früchte ausbilden.“ Von den Früchten dieses ungewöhnlichen Sommers wird Hildegard Frahm weit über den Winter hinaus zehren können, besonders von den Quitten. Der Baum ist über und über mit den leuchtend gelben, aber steinharten Fruchtkörpern übersät. „Da mache ich Marmelade und Gelee daraus, ein Kompott zum Braten ist besonders lecker“, schwärmt Hildegard Frahm, die gar nicht alles selbst verarbeiten kann und einen Teil der Ernte an Liebhaber der herben Herbstfrucht abgibt.

„Im vergangenen Jahr hatte ich eine einzige Quitte, und die war außerdem faul“, beschreibt sie ihr Gärtnerinnenschicksal. In diesem Jahr hatte sie mit einer eher schlechten Ernte gerechnet: „Die Früchte waren braun und mickrig, ab und zu habe ich bei dem heißen Wetter dem Baum eine Kanne Wasser gegönnt. Als es später anfing zu regnen, wurden die Früchte immer größer.“

Hildegard Frahm, die mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann von Schleswig-Holstein ins Niederbergische zog, vermisste das hier wenig verbreitete Obst. „Dort oben liebt man Quitten.“ Um dennoch in den Genuss selbst gemachter Marmelade zu kommen, hatte sie vor über 30 Jahren in einem Supermarkt ein Kilo gekauft. „Vier Früchte für eine eine D-Mark - das fand ich sehr teuer.“ Also wurde ein kniehohes Bäumchen angeschafft und eingepflanzt, jetzt ist der kräftige Baum mit dem dichten Laub ein echter Hingucker.

Die Enkel bevorzugen
den Genuss sofort

Die im rohen Zustand ungenießbaren Quitten interessieren die Urenkel der Kleingärtnerin wenig. „Die kommen besonders gerne, wenn die Erd- und Himbeeren reif sind, da geht es vom Strauch direkt in den Mund.“

In diesen Tagen zeigen sich alle Gärten am Teimberg noch einmal in voller Farbenpracht: Dahlien, Astern und auch die letzten Rosen zeugen von einem Sommer, der manchmal die Gärtner zur Verzweiflung brachte.

„Die Regentonnen waren nach zwei Tagen leer, und wenn 52 Leute gleichzeitig Wasser holen wollen, kommt nur ein Rinnsal aus dem Hahn“, musste Waldemar Kroll feststellen, dem einige Stauden eingegangen sind. „Die werden ich im Frühjahr nachpflanzen“, so der gelernte Garten- und Landschaftsbauer, der sich zurzeit bei den Technischen Betrieben Velbert um die Instandhaltung der Spielplätze kümmert.

Nach Feierabend nutzt er das schöne Herbstwetter, um vor dem Wintereinbruch noch einige Reparaturen an der Gartenlaube durchzuführen. Dann ist Winterpause.

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