Neviges : Unterschiedliche Markterfahrungen

Die Corona-Krise beschert nicht allen Marktbeschickern auf dem Nevigeser Wochenmarkt mehr Kunden.

. Marktbeschicker kaufen selbstverständlich untereinander ein und unterhalten sich dabei über ihre Erfahrungen. Als am Donnerstagmittag die Brotverkäuferin Maria Kukec bei der Metzgerei Kuhlendahl ihr Wurstpaket in Empfang nahm, stöhnte sie, dass bei ihr bis 9 Uhr nichts los gewesen sei. „Dann hättest Du mir helfen können, hier war ordentlich zu tun“, so die Reaktion von Metzger Peter Pielhoff. „Seit dem Beginn der Corona-Krise sind mehr Kunden dazugekommen. Ich denke, viele Leute stehen im Supermarkt nicht so gerne in der Schlange, hier werden sie zügiger bedient, sind an der frischen Luft und auf Abstand wird auch geachtet.“

Edwin Heidrich, dessen frisch gebackene Waffeln einen anziehenden Duft verströmen, hat festgestellt, dass es früher zwischen 11 und 12 Uhr immer voll an den Ständen und Wagen in der Fußgängerzone auf der Elberfelder Straße war.

Jetzt sagt er: „Es kommen weniger Leute auf den Markt, also ist weniger zu tun.“ Dazu ist dem Bäcker aufgefallen, dass mehr Brot statt Kuchen nachgefragt wird.

Die Tatsache, dass Roman Kühn an seinem Obst- und Gemüsestand besser zu tun hatte, führte er auf das schöne Wetter zurück: „Dann kommen die Leute.“ Ob Corona die Verbraucher auf dem Markt treibt, vermag er nicht zu sagen. „Die Kunden sind auf jeden Fall vorsichtiger geworden, sie halten deutlich Abstand“, so der Marktbeschicker, der ebenfalls auf die Einhaltung der Hygienevorschriften achtet und die Ware mit blauen Latexhandschuhen in die Tüten packt.

Das Tragen von Schutzhandschuhen ist für den Blumenzüchter Peter Kleine eine ganz neue Erfahrung: „Kein Kunde kennt mich mit Handschuhen. Wegen Corona haben wir auch Desinfektionsmittel am Stand und haben mit Pylonen eine Abstandslinie geschaffen.“

In der vergangenen Woche hatte Florian Bytyqi „dramatisch viele“ Kartoffeln verkauft. „Das war wie kurz vor Weihnachten oder Ostern.“ Als Axel Hochscherf bei seinem Einkauf von diesem Verhalten hört, regt er sich auf: „Das ist unverantwortlich und nicht solidarisch. Auch Babynahrung ist zum Teil ausverkauft, hinterher wird es weggeworfen, wenn das Verfallsdatum überschritten ist.“ Einen Ansturm auf Kartoffeln und Eier registrierte in der Vorwoche auch Beschicker Alessandro Maugeri, stellt jedoch fest: „Jetzt pendelt sich wieder eine Normalität ein.“

Die Tatsache, dass ringsum alles geschlossen ist, stellt die Marktbeschicker vor ein dringendes Problem: „Es gibt keine Toiletten für uns. Sonst konnten wir die Toiletten in der Bücherei benutzen, die ist aber zu. Ich finde, hier hätte uns die Marktgilde etwas zur Verfügung stellen müssen, wir zahlen ja nicht gerade wenig“, sagt Wolfgang Schwarz. Sein Imbissstand wurde gut frequentiert: „Früher verzehrten die Leute ihre Frikadellen direkt vor Ort, jetzt darf niemand mehr verweilen, die Kunden nehmen die Sachen mit. Deshalb musste ich mir mehr Verpackungsmaterial besorgen.“

Es ist nicht nur die frische Luft, die Kunden auf den Markt treibt, aber die frische Ware: „Ich bin schon vor Corona hier wegen der Frische einkaufen gegangen, aber ich fahre gerne mal nach Kupferdreh, dort ist die Auswahl größer. Es gibt dort zwei Käsestände, das fehlt hier“, bemängelt Stephan Rohert. Für Anu Roder ist der Einkauf auf dem Nevigeser Wochenmarkt sowieso immer ein Ereignis. „Ich kaufe hier immer ein, weil ich möchte, dass der Markt erhalten bleibt. Außerdem musste ich mal raus, ich war wegen Corona tagelang nicht vor dem Haus gewesen.“