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Unterricht auf der grünen Obstwiese in Wülfrath

Wülfrath : Unterricht auf der grünen Obstwiese

Die Schüler der Freien Aktiven Schule lernen Insekten und Pflanzen nicht nur im Klassenzimmer kennen.

Am Anemonenweg, zwischen den Häusern mit den Hausnummern 6 bis 16, verbirgt sich ein naturnahes Kleinod. 36 Obstbäume bilden die Grenze zwischen Wohngebiet und Landwirtschaftsfläche. Genutzt wird diese Streuobstwiese, auf der sich Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen finden lassen, seit wenigen Monaten von der Freien Aktiven Schule Wülfrath. „Bereits vor gut zwei Jahren haben wir uns als Schule erstmalig einen Naturraum gewünscht, in dem wir mit den Schülern außerhalb des Klassenzimmers lernen können. Seit einem Jahr bewirtschaften wir die Fläche“, stieg Schulleiter Robert Freitag in die Präsentation der neu genutzten Grünfläche ein. Bürgermeister Rainer Ritsche und weitere Vertreter der Verwaltung nahmen den Termin gerne wahr, um sich genauer über das neue Projekt zu informieren.

Neben der Grund- und Gesamtschule werden auch die Kinder der freien Kita in die Nutzung eingebunden. „Der Biologieunterricht, der rund drei Stunden in der Woche ausmacht, wird aktuell in die Natur verlegt. Hier lernen die Schüler beispielsweise den Werdegang von der Blüte zur Frucht oder Wissenswertes über Insekten und Pflanzen“, veranschaulicht Biologielehrer Lars Grossmann, der mit den Kindern die neu geschaffene Ausbildung zum „Wiesen-Ranger“ absolviert.

Dazu gehört nicht nur, die Früchte von den Bäumen zu pflücken, sondern auch die Baumpflege und der Baumschnitt. Totholz wird auf der Streuobstwiese zu praktischen Hecken gestapelt. „Das ist erneuter Lebensraum für Tiere“, ergänzt Lars Grossmann, der weg vom Plantagengedanken möchte. „Auf dieser Fläche wachsen noch alte Obstsorten. Sie schmecken ganz anders als die Früchte, die man beispielsweise im Supermarkt kaufen kann.“

Die ersten neuen Nutzer der Streuobstwiese waren die schuleigenen Bienenvölker. Zwei Völker wurden bereits im vergangenen Jahr auf die Fläche gestellt. Zwar hat es das erste Volk nicht über den Winter geschafft und auch das zweite Bienenvolk ist, aufgrund von fehlender Resistenz, von einer Maus ausgerottet worden, der Gedanke von Bienenstöcken auf der Streuobstwiese soll aber weiterverfolgt werden. „Wir haben aus dem Bienenwachs bereits Lippenpflegestifte hergestellt. Die verkaufen wir gemeinsam mit unserem Honig bei den Tagen der offenen Tür und refinanzieren damit unsere Bienenvölker“, erklärt die Sechstklässlerin Jana.

Unterstützen soll demnächst eine Eltern-AG, die sich bereits in Gründung befindet. Diese Arbeitsgemeinschaft könnte sich künftig beispielsweise an den Baumschnittarbeiten beteiligen. „Bisher wurden die Bäume kaum geschnitten. Das wollen wir jetzt nachholen“, so Robert Freitag, der sich sehr über den neuen Bauwagen auf dem Gelände freut. In diesem lassen sich etliche Gartengerätschaften finden.

Der Weg zum fertigen Bauwagen war spannend. „Denn wir haben ihn aus Düsseldorf geholt, von einem Streetart-Künstler aufarbeiten und von einem benachbarten Landwirt auf die Fläche setzen lassen“, erklärt Lehrer Mathias Wunderlich, der in Zukunft die Bauwagenanschaffung als Video auf die Homepage setzen möchte.

Um sich noch mehr ökologische Expertise ins Netzwerk zu holen, kooperiert die FASW seit einiger Zeit mit dem Naturschutzzentrum Bruchhausen in Erkrath Hochdahl. Dozentin Hanna Walter ist Streuobstwiesenexpertin und ist sich sicher, dass aus der Grünfläche eine Menge Wissen generiert werden kann. Bis zu den Herbstferien geht sie derzeit einmal wöchentlich mit Schülern in die Natur. „Danach können die größeren Kinder auch Grundschulkinder anleiten“, versichert die Fachfrau, die von der Biodiversität der Anlage begeistert ist. „Eine Streuobstwiese verbindet Wald, Waldrand und Wiese miteinander.“

Rainer Ritsche konnte sich persönlich von dem Geschmack der Äpfel überzeugen, die im vergangenen Herbst zu Saft gepresst wurden. Für den Bürgermeister ist das neue Lernkonzept ein Zugewinn für die Stadt. Gleichzeitig muss die Pflege nicht von Stadtseite betrieben werden. „Hier ist etwas Großartiges entstanden“, lautet Ritsches Resümee.