Wülfrath : Unternehmer bleiben optimistisch

Land und Bund haben für Firmen erste Hilfsmaßnahmen gestartet. Wülfrather Betriebe machen davon jetzt Gebrauch.

. Hilfskredite, Steuerstundungen und Kurzarbeitsgelder. Die ersten finanziellen Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen stehen von Bund und Land zum Abruf bereit. Auch eine Soforthilfe, die am Freitag auf Bundesebene beschlossen wird, soll Erleichterung bieten (siehe Info-Box). Was halten Wülfrather Unternehmer von den Maßnahmen?

Wir haben uns umgehört und sind bei Christiane Heiden-Röhrig, Inhaberin des gleichnamigen Friseursalons, auf positive Resonanz gestoßen. „Das Kurzarbeitergeld habe ich bereits beantragt“, verrät die junge Unternehmerin, die neben fünf festangestellten Mitarbeitern auch eine Auszubildende sowie eine Aushilfe beschäftigt. „Für die festangestellten Mitarbeiter bekomme ich 60 Prozent, bei Mitarbeitern mit Kindern sogar 67 Prozent- der Personalkosten erstattet. Für die Auszubildende und die Aushilfe steht mir allerdings kein Geld zu.“

Das Verständnis und die Solidarität der Kunden war groß

Ob Christiane Heiden-Röhig die Gehälter aufstockt, ist ihr selbst überlassen. Die Sozialversicherungskosten bekommt sie ebenfalls erstattet. Kredite stellen für die Wülfratherin keine Alternative dar. „Ich benötige die Kredite erstmal auch nicht“, so die Inhaberin, deren Mann ohne Kurzarbeit arbeiten gehen kann und die familiären Kosten deckt. Die Solidarität und das Verständnis ihrer Kunden war groß, als Christiane Heiden-Röhrig vergangenen Samstag ihren Laden für unbestimmte Zeit schloss. „Wir haben tolle Stammkunden, die uns nach der Krise wieder besuchen werden. Da geht es anderen Betrieben sicher schlechter.“

Alexander Rüger von der gleichnamigen Buchhandlung hat seinen Betrieb umgestellt, arbeitet jetzt ausschließlich als Versandbuchhandlung. Per Mail, aber auch telefonisch ist der Einzelhändler, der mehrere Filialen betreibt, erreichbar. „Vormittags von 9 bis 13 Uhr kann man uns telefonisch erreichen, nachmittags liefere ich aus“, erklärt Rüger. Das sonstige Verkaufsvolumen wird mit dieser Umstellung nicht erreicht, weshalb Hilfspakete für den Wülfrather Sinn ergeben. „Manche Detailsachen sind für mich interessant“, so Rüger, der sich allerdings klare Richtlinien für Gewerbemieter wünschen würde. „Alles was bisher an Regeln erlassen wurde, richtet sich nur an private Mieter“, ist sich Alexander Rüger sicher.

Cynthia Meiners hat erst vor wenigen Wochen ihr Café am Heumarkt eröffnet. „Ich bekomme noch finanzielle Starthilfen für Unternehmer“, verrät die Konditormeisterin. Bis Mai sind ihre Fixkosten gedeckt, dann muss der Betrieb aber wieder laufen. „Kurzarbeitergelder habe ich bereits beantragt. Zum Glück habe ich keinen großen Mitarbeiterstamm, da stehen andere Unternehmen sicher wesentlich schlechter als ich da.“ Die junge Unternehmerin blickt der Zukunft ebenfalls optimistisch entgegen und kooperiert derweil mit dem Unverpacktladen an der Wilhelmstraße. „Es wurde mir angeboten, dass ich dort vegane Energiekugeln und Quarkgebäck verkaufen kann. Dieser Zusammenhalt ist in dieser schweren Zeit wirklich vorbildlich.“

Fixkosten belaufen sich jeden Monat auf etwa 30 000 Euro

Ein Außer-Haus-Verkauf kommt für Nikolaos Katsaros nicht in Frage. „Die Kosten, die ich für Personal, Lebensmittel, Strom und Wasser aufbringen müsste, würden nicht ausgeglichen werden. Dafür wird das Angebot zu wenig angenommen“, ist sich der Betreiber des Restaurants Akropolis an der Wilhelmshöhe sicher. Mit Rücklagen versucht er das drohende Finanzloch auszugleichen. Kurzarbeitsgelder hat er ebenfalls beantragt. „Bis zum 19. April kann ich die finanziellen Einbußen überbrücken, danach wird es auch bei uns schwierig“, verrät der Gastronom, der um die 30 000 Euro Fixkosten im Monat stemmen muss. Über eine unbürokratische Soforthilfe würde sich Nikolaos Katsaros freuen, hofft aber zeitgleich auf ein schnelles Ende der Corona-Krise.