Wülfrath : „Umfragen entscheiden keine Wahl“

Was sagt die Lokalpolitik zu den Kanzlerkandidatenentscheidungen auf Bundesebene? Die WZ hat bei der Wülfrather CDU und den Grünen nachgehakt.

Armin Laschet ist CDU-Kanzlerkandidat. Der amtierende NRW-Ministerpräsident und Bundesvorsitzende der CDU hat nach hartnäckigem Machtkampf in dieser Woche das Rennen vor seinem CSU-Kontrahenten Markus Söder gemacht und wird im September für das Amt des Bundeskanzlers kandidieren. Doch was sagt die Wülfrather CDU zu dieser Entscheidung? Parteivorsitzender Andreas Seidler ist zunächst einmal froh, dass die K-Frage geklärt ist. „Jetzt können wir uns wieder auf die wichtigen Dinge im Land konzentrieren“, gibt er im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung wieder. Dass die Entscheidungsfindung von den Medien jedoch künstlich aufgebläht worden sei, lässt Seidler nicht unerwähnt. „Wir haben rund 14 Tage für die Wahl gebraucht, das ist für eine Volkspartei kein wahnsinnig langer Zeitraum.“

Dass die Wahl auf Laschet gefallen ist, freut Seidler. „Als Ministerpräsident mit nur einer Stimme Mehrheit hat er den Laden im Griff, kann gut führen aber auch gut zusammenführen. Und das mit einer desolaten Schulministerin“, so der Wülfrather Christdemokrat. Sein heimlicher Wunschkandidat wäre aber Friedrich Merz gewesen, der in den Augen Seidlers die Wirtschaftsthemen am besten abgedeckt hätte. „Jetzt hoffe ich, dass er zumindest Wirtschaftsminister wird“, so der Lokalpolitiker weiter.

Obwohl die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock in den Umfragen derzeit die Nase vorne hat, macht sich Andreas Seidler darüber keine Gedanken. „Hätten wir auch in der Vergangenheit auf die Umfragewerte gehört, wären Helmut Kohl und Angela Merkel ebenfalls nicht Bundeskanzler geworden“, so der Wülfrather, der zudem darauf verweist, dass im September keine Person, sondern eine Partei gewählt wird.

CDU-Landtagsabgeordneter Martin Sträßer stärkt Laschet ebenfalls den Rücken. „Ich freue mich für Armin Laschet. Und auch wenn alle sagen, dass es mit Markus Söder einfacher gewesen wäre: Für mich repräsentiert Armin Laschet wie kein anderer die Union als Volkspartei. Er ist ein Teamplayer, der andere einbindet. Er geht nicht mit dem Kopf durch die Wand, sondern sucht das Gespräch und den Konsens. Sein Kompass sind nicht Umfragewerte, sondern Grundwerte“, so Sträßer in einer Presseerklärung.

Geradezu euphorisch reagieren Wülfrather Bündnisgrüne auf die Nominierung von Annalena Baerbock als Spitzenkandidatin für den Urnengang am 26. September. „Sie sprechen mit einer begeisterten Grünen, finden mich aber nicht so wahnsinnig überrascht“, sagt Tina Guenther, neben Thomas May Sprecherin des Ortsverbandes. „“Annalena Baerbcok ist eine ganz talentierte und ambitionierte Politikerin, mit einer ganz pointierten Herangehensweise, ausgeprägten Klarheit und einem besonderen Biss. Wir hoffen darauf, mit ihr die Nummer 1 im Bund zu werden“, fügt Guenther erklärend hinzu.

Den Umfrageergebnissen, wie jenem des Meinungsfroschungsinstituts Forsa, das Bündnis 90/Die Grünen in dieser Woche bei der Sonntagsfrage sieben Prozentpunkte vor der Union sieht, möchte auch Guenther nicht zu viel Bedeutung beimessen. „Ich habe mich in meinem Studium unter anderem mit Wahlforschung beschäftigt, daher weiß ich, Befragungen haben meist nichts mit der realen Wahlentscheidung zu tun.“ In fünf Monaten könne sich noch einiges verändern. „Ich bin lieber vorsichtig zurückhaltend, dass es weiter so optimal für uns läuft“, erklärt Tina Guenther.

Und wie würde sie es halten bei der Frage nach dem künftigen Koalitonsbündnis für Deutschland? „In der Demokratie spricht man nach der Wahl mit allen, um herauszufinden, mit wem es die meisten Gemeinsamkeiten gibt. Nur die AfD schließe ich da aus. Meine Erfahrung aus der Wülfrather Kommunalpolitik ist aber, dass die CDU mit uns sehr gut umgeht. Ich sehe bei den Christdemokraten viel Potenzial, möchte aber keine Möglichkeit von vornherein ausschließen, auch Grün-Rot-Rot nicht.“

So sieht das auch Stephan Mrstik, der Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat. „Ich glaube an ein Wahlergebnis, das uns in die Regierungsverantwortung bringt. Die wahrscheinlichtse Koalition ist für mich Schwarz-Grün. Aber dafür müsste die CDU schon über die ein oder andere Hürde springen“, sagt Mrstik. Und verdeutlicht: „Das bedeutet, mehr zu tun, als die Große Koalition aus CDU und SPD in den vergangenen zehn Jahren getan hat, gegen die Folgen des Klimawandels, für mehr Generationengerechtigkeit, aber auch bei vielen sozialen Fragen.“

Auch Stephan Mrstik freut sich riesig über die Baerbock-Kür. „Ich halte sie für sehr fähig. Sie kann gut diskutieren, Sachverhalte prägnant erklären. Mit einer richtig guten Frau, werden wir neue, nachhaltige Themen setzen.“