Sparkasse HRV : Trotz Niedrigzinsen: Sparbuch bleibt beliebt

Die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert zog jetzt Bilanz. Sie verzeichnet verstärkte Nachfrage nach Wertpapieren.

„Es ist schwierig, in Zeiten der Nullzinsphase mit Zinsen Geld zu verdienen“, beschreibt Jörg Buschmann die Rahmenbedingungen des vergangenen Geschäftsjahres. „Wir können mit dem Ergebnis dennoch zufrieden sein“, so die Bilanz des Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert, der von einem „normalen“ Jahr im Kundengeschäft spricht. Im Wertpapiergeschäft wurde Zuwachs verzeichnet, ein Plus gab es im Firmenkundenbereich, jedoch deutlich unter Vorjahresniveau. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Bilanzsumme um 2,5 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro.

Die drei Städte als Träger können sich entsprechend ihrer Anteile auf eine Ausschüttung freuen. „Die genaue Höhe muss noch festgelegt werden, in den vergangenen Jahren war das immer eine Gesamtsumme um die zwei Millionen Euro“, so Buschmann. Der Sparkassenchef verweist zudem auf die mit 18,6 Prozent gute Eigenkapitalquote. „Die werden wir weiter pflegen, denn eine Bank ohne Eigenkapital kann keine Geschäfte machen.“

Das Wachstum im Kreditgeschäft blieb unter dem des Vorjahres, ähnlich sieht bei dem Firmenkundengeschäft aus. „Privatleute und Firmen sind gut mit Eigenkapital ausgestattet, deshalb ist die Kreditnachfrage verhalten.“ Ganz anders sieht es im Leasinggeschäft aus. Mit 219 Verträgen und einem Volumen von 17 Millionen Euro belegt die Sparkasse HRV bundesweit den zweiten Platz. Die Nachfrage nach Immobilien ist extrem hoch: 93 Objekte mit in einem Gesamtwert von 23,5 Millionen Euro wurden vermittelt. „Wir hätten noch mehr verkaufen können, aber es gibt zu wenig Objekte. Je dichter man an Düsseldorf dran ist, desto höher die Preise“, so der Sparkassenchef, der davon ausgeht, dass die Preise in Velbert weiter anziehen, wenn die A 44 durchgehend fertig ist.

Das knappe Immobilienangebot hat sich mit einem Rückgang von 0,7 Prozent im Kreditgeschäft mit den Privatkunden bemerkbar gemacht: „Es gibt in den drei Städten kaum noch größere Neubaumaßnahmen.“ Trotz der anhaltenden Niedrigstzinsen zeigte das Einlagengeschäft einen deutlichen Zuwachs um fünf Prozent. Buschmann wertet das als Vertrauensbeweis in die Sparkasse. Dabei wundert er sich, dass das gute alte Sparbuch immer noch gefragt ist. Als Reaktion auf die niedrigen Zinsen setzen die Kunden zur Geldanlage verstärkt in Wertpapiere, wobei Fonds der Favorit waren. Wer richtig viel Geld hat, kann die „Individuelle Vermögensverwaltung“ oder „Aktive Depotbetreuung“ in Anspruch nehmen.

Die digitale Nutzung von Sparkassenleistungen wird immer mehr nachgefragt, fast 60 Prozent aller Girokonten werden online geführt. „Die Aha!-Filiale macht besonders viel Spaß“, räumt Jörg Buschmann ein. In dem sparkassen-untypischen Ambiente können sich die Kunden mit den digitalen Angeboten vertraut machen lassen, das sich nicht nur an jungen Menschen richtet. „Auch die Älteren wollen das.“ Deshalb stellen die Mitarbeiter den Service nicht nur in Schulen vor, sondern auch in Seniorenheimen.

Gleichzeitig bedauern vor allem die Senioren, dass mehrere Geschäftsstellen geschlossen wurden, unter anderem die auf Tönisheide. „Eine Filiale, die nicht von Kunden aufgesucht wird, macht keinen Sinn“, begründet Buschmann den Schritt. „Wir wollen den Selbstbedienungsbereich an dem Standort gerne weiter nutzen. Wir wissen allerdings nicht, was der Eigentümer mit den weiteren Räumlichkeiten machen wird.“

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