Tönisheider fiebern mit DFB-Elf

Die KG Zylinderköpp feierte auf dem Kirchplatz nach einem Jahr Pause die Sonnenwende und bot zur WM-Partie ein Public Viewing an.

Tönisheide. Zahlreiche Menschen zogen am Samstagabend in Richtung Kirchplatz. Viele von ihnen trugen schwarz-rot-goldene Accessoires — sie wollten der deutschen Nationalmannschaft beim Vorrundenspiel gegen Schweden die Daumen drücken. Die Karnevalsgesellschaft (KG) Zylinderköpp hatte nach einem Jahr Pause wieder zu Sonnwendfeier eingeladen. Die Traditionsveranstaltung wurde angesichts der WM-Partie mit einem Public Viewing verbunden. Kurz bevor es richtig losging, heulten die Sirenen — in Neviges sollte ein Haus gestürzt sein (siehe Artikel unten auf dieser Seite).

Nicole Raschke, KG Zylinderköpp

Janine Richardt geriet in Aufregung. Sie sagte: „DJ Jan Helbig ist bei der Freiwilligen Feuerwehr, der war dann mal weg. ,Ich habe drei Stunden Partymusik eingestellt’, sagte er noch im Gehen. Und ohne Brandwache können wir das Sonnwendfeuer nicht entzünden“, stellte die Vorsitzende der KG Zylinderköpp fest.

Da es sich um falschen Alarm gehandelt hatte, saß der DJ bald wieder an seinem Mischpult und das Löschfahrzeug mit der Brandwache kam fast pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt. Dafür gab es ein anderes Problem: Auf der Leinwand, die in einem schwarzen Anhänger aufgestellt wurde, konnte man kaum was erkennen. Nach einem trüben Tag kam die Abendsonne, und die stand noch ungünstig. „Wir hatten einen Probeversuch in Langenberg gemacht, das funktionierte gut, allerdings war die Sonneneinstrahlung anders“, ärgerte sich Richardt. Schnelle Abhilfe schaffte Clemens Bender, der flugs aus seinem Gardinenlager dunkle Vorhangstoffe holte und diese so drapierte, dass man Jogis Jungs deutlich erkennen konnte. Das Team versetzte die Tönisheider in ein Wechselbad der Gefühle: Nach einem hoffnungsvollen Auftakt gingen die Schweden in Führung, die deutsche Elf war wohl immer wieder bemüht, aber erst in letzter Minute gelang der erlösende Treffer, der so manchen Zuschauer überraschte.

Trotz des nicht überzeugenden Spektakels auf der Leinwand war die Stimmung bestens. „Das Zusammenfeiern ist schön, die Einstellung der Mannschaft ist in Ordnung, wir hoffen mal, dass die das noch machen“, gab sich Sven Seppmann in der Halbzeitpause zuversichtlich, der im Übrigen die DFB-Elf mit Tönisheide verglich: „Die sind eine Mannschaft und wir auch.“

Den Eindruck teilten Auswärtige: „Es ist einfach geil“, fand die Heiligenhauserin Dominique Adamo. „Die Stimmung ist unabhängig vom Fußball gut, wir haben auch alles gegeben“, meinte die Karnevalistin Anke Groß, die die durstigen Kehlen mit Bier und Limonade versorgte. „Wenn es was in Tönisheide zu feiern gibt, dann kommen alle“, bemerkte Nicole Raschke, die von der Aufbruchsstimmung in der Tönisheider Karnevalsgesellschaft begeistert ist. Sie stellte fest: „Wir haben viele neue Mitglieder, sogar Jugendliche, die heute Abend an der Fritteuse ihren Dienst versehen. Wir sind eine tolle Gemeinschaft. Da macht es auch nichts, wenn man um 10 Uhr morgens aufbaut und bis nach Mitternacht aktiv ist.“