Velbert : Theatersaal im Forum bleibt erhalten

Im großen Saal des Historischen Bürgerhauses Langeberg folgte der Rat der Stadt Velbert dem Schulausschusses, wonach die im November 2018 beschlossene Auflösung der Martin-Luther-King-Schule zurückgenommen wird.

Zuvor stellte der grüne Schulpolitiker Frank Röhr klar, dass Eltern keine Hauptschule wollen. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, verriet CDU-Fraktionsvorsitzender Karsten Schneider und lieferte die Begründung: „Es hat sich einiges getan, wir haben eine massive Zuwanderung aus Osteuropa. Diese Kinder sind an der Realschule und der Hauptschule völlig überfordert. Die Hauptschule hat dafür pädagogische Konzepte.“

SPD-Chef Rainer Hübinger ließ durchblicken, das seine Fraktion den Beschluss nicht gerne fasste und schaute auf seine siebenjährige Tätigkeit als Hauptschullehrer zurück: „Ich weiß, welch wichtige Arbeit dort gemacht wird. Diese Integration kann man nicht der Realschule überlassen.“ Dirk aus dem Siepen (Unabhängige Velberter Bürger) vermutete eine abgekartete Sache zwischen SPD und CDU, was Schuldezernent Gerno Böll (SPD) sofort zu einer Richtigstellung veranlasste: „Die Entscheidung folgte in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung, und die Schulkonferenz der Martin-Luther-King-Schule war beteiligt.“

Einstimmig wurde beschlossen, die neue Gesamtschule Neviges auf sechs Züge auszubauen: „Es sind mehr Schüler im System“, wie Rainer Hübinger bemerkte. Mit 20 Gegenstimmen wird die Realschule Kastanienallee künftig auf drei Züge reduziert.

Um das geplante Gewerbegebiet „Große Feld“ an der Langenberger Straße entwickelte sich erwartungsgemäß eine lebhafte Debatte mit den bekannten Argumenten der Gegner: „Objekte am Hang will keiner“, hat Helmut Stiegelmeier (Piraten) erfahren und ist sich nach Gesprächen mit IHK-Fachleuten sicher, dass die Corona-Krise starke Einbrüche verursachen wird, da sei es unverantwortlich, ein solches Objekt anzugehen. Für den Parteikollegen Thomas Küppers zeigt Corona die Schwächen in der Digitalisierung: Dieses Gebiet stellt die alte Industrie dar.“ „Modernes Gewerbe braucht nicht mehr so große Flächen als zu der Zeit, als die Röbbeck gebaut wurde“, weiß FDP-Fraktionschef Thorsten Hilgers und ist überzeugt, dass man mit der Vermarktung des von der Stadt gekauften Ackers kein Geld verdienen wird. „Die Erschließung zahlen die Bürger über Abwassergebühren und Steuern.“ Karsten Schneider hält die Erschließung von „Röbbeck II“ für die richtige Lösung, weil es keine größeren Gewerbeflächen gibt.

Nachdem Rainer Hübinger die Argumente der Bebauungsgegner niedergebügelt hatte, stellte er klar, dass nach dem gefassten Satzungsbeschluss erst mal nichts passieren wird, weil weitere Gremien entscheiden müssen und mehrere Klagen anhängig sind.

Esther Kanschat (Bündnis 90/Die Grünen) geht davon aus, dass es wegen Klagen nicht zur Bebauung kommt und sie bezweifelt, ob es tatsächlich den großen Flächenbedarf gibt. Aus dem selben politischen Lager stört Wolfgang Beckröge die Fantasielosigkeit nach dem Motto „Mehr Flächen – mehr Gewerbe“. Die Piratenpartei möchte nicht nur die Investition in die Erschließung des „Großen Felds“ wegen Corona, sondern auch die Sanierung des Hardenberger Schlosses verschieben, der Umbau des Forum Niederberg in kostenintensiver Form sollte nicht umgesetzt werden. Es folgte heftiger Widerstand aus den Reihen der anderen Fraktionen.

Bürgermeister Lukrafka stellte klar, dass die Schloss-Sanierung Teil des Integrierten Handlungskonzeptes für Neviges ist, wofür man bereits Fördergelder erhalten hat: „Neviges wartet lange darauf, das was getan wird, jetzt das auf die lange Bank zu schieben, halte ich für falsch.“ Unterstützung kam von Harry Gohr (Linke): „Das Schloss und das Forum sind für die Bürger da.“