Velbert : Tanzend gegen die Gewalt an Frauen

Im Zuge von „One Billion Rising“ ist ein Flashmob am Offersplatz geplant. Auch in Neviges wird für Freitag geprobt.

„Eins, zwei, drei, vier, rechts, links“, gibt Lorenza Mace-Gries den Takt vor: Zwölf Frauen und zwei Kinder folgen den Anweisungen der Tanzlehrerin. Weitere Schritte folgen, bis Lorenza alias Lola einmal die komplette Choreographie vorgeführt hat. Die Gruppe probt für die Aktion im Rahmen der weltweiten Kampagne „One Billion Rising“, die sich gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für Gleichstellung einsetzt und jedes Jahr am 14. Februar stattfindet – inzwischen in mehr als 190 Ländern.

„Allein in Deutschland beteiligen sich mehr als 180 Städte, nun auch erstmals Velbert“, erläutert Sabine Reucher, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Sie war auf die Aktion aufmerksam geworden und hat die Teilnahme der Schlossstadt initiiert. Hintergrund ist, dass jede dritte Frau weltweit (eine Milliarde, auf Englisch: one billion) nach einer UN-Statistik bereits Opfer von Gewalt war, geschlagen, zu sexuellem Kontakt gezwungen, vergewaltigt oder in anderer Form misshandelt wurde: „In Velbert gab es 2019 laut Polizei 202 Meldungen häuslicher Gewalt“, sagt Martina de Chaufepié, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte.

Mit der Tanz-Demo soll ein Zeichen gesetzt und Aufmerksamkeit für das Thema geschaffen werden. Dazu gab es in verschiedenen Einrichtungen mehrere Proben. Die Organisatorinnen hoffen auf viele Dutzend Teilnehmerinnen: „Alle können mitmachen!“

Verantwortlich für die Einstudierung des Tanzes ist Lorenza Mace-Gries, die bereits im Rahmen der Sportwoche mit der Stadt zusammenarbeitete. Die 46-jährige Peruanerin kam 1994 nach Deutschland und lebt seit 2009 in Velbert. 2012 eröffnete die gelernte Tanzlehrerin für lateinamerikanische Tänze am Wiesenweg ihr eigenes Studio „Lolas ritmo latino“ mit Kursen in Zumba, Salsa und Discofox, Bauchtanz, Step Aerobic und Kindertanz.

Auch Teilnehmer ohne Erfahrung sollen mittanzen können

Die Kampagne kannte sie vorher nicht, war aber sofort bereit, die Anleitung für die Tanzdemo zu übernehmen. „Die Choreographie stammt aus den USA“, erläutert Lola, die sie aber ein wenig vereinfacht hat: „Damit auch Leute mitmachen können, die nicht so viel Tanzerfahrung haben.“ Einer der Probetermine findet in ihrem Studio statt. Nach den „Trockenübungen“ zur Einführung folgt ein Durchgang mit Musik – das Stück „Break the Chain“ (Zerbrich die Kette) wurde eigens für die Aktion verfasst. Nach ein paar Durchläufen sitzt der rund viereinhalb Minuten dauernde Tanz – kleine Pause vor dem nächsten Durchgang.

Die meisten Teilnehmerinnen gehören zu Lolas Zumba-Gruppe: „Lola hat uns von der Aktion erzählt und gefragt, ob wir mitmachen wollen“, berichtet Anna Greco. Der Nevigeserin war die Kampagne vorher nicht bekannt, sie nimmt nun mit Tochter Mina (10) und Sohn Carlo (7) an der Probe teil. Karin Haym kannte die Aktion bereits durch ihre frühere Tätigkeit im Referat Frauen, Familie, Gleichstellung des Philologenverbandes, hatte sich allerdings noch nicht aktiv beteiligt: „Ich bin auch von Lola angesprochen worden“, erläutert die Nevigeserin. Ihr ist das Thema wichtig, denn „Gewalt gegen Frauen ist seit Ewigkeiten ein Thema.“ Sie sieht das Problem nicht nur im Bereich häuslicher Gewalt, erinnert daran, welchen Formen von Gewalt zum Beispiel Frauen im Lehrerberuf zunehmend ausgesetzt sind.

Auch Nunzia Ribaudo hat sich schon vor der Premiere in Velbert mit dem Projekt auseinandergesetzt: „Eine Bekannte hatte in Essen an der Aktion teilgenommen.“ Sie ist ebenfalls Mitglied der Zumba-Gruppe, will wie die anderen Frauen am kommenden Freitag an der Tanz-Demo am Offers teilnehmen „Wir wollen Aufmerksamkeit für Gewalt gegen Frauen erreichen, denn die ist hier und heute gang und gäbe“, sagt die Nevigeserin. Es müsse viel mehr auf das Thema hingewiesen werden: „Noch immer wird zu viel unter den Tisch gekehrt“, so die Mutter zweier 15 und 18 Jahre alter Töchter.