Langenberg/Neviges : Tafeln informieren über jüdisches Leben

Der Anfang wurde bereits in Langenberg gemacht, dazu gab es erste Rundgänge. Entsprechendes soll für Neviges folgen.

Die Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal möchte mehr über das jüdische Alltagsleben auf dem Lande aufklären. Informationstafeln schildern, wo jüdische Familien wohnten und wo sie ihre Geschäfte hatten, wo sich Synagogen befanden und wo die Juden ihre Toten beerdigten. Seit November vergangenen Jahres befinden sich fünf solcher Tafeln in Langenberg. Gedenkstättenleiterin Ulrike Schrader und der Pfarrer im Ruhestand, Frank Overhoff, hatten jetzt zu einem Rundgang durch Langenberg eingeladen.

Der ehemalige evangelische Schulpfarrer hat sich sehr intensiv mit dem jüdischen Leben beschäftigt. Gleich zu Beginn ließ er das jüdische Alltagsleben lebendig werden, indem er eine Anzeige aus der Langenberger Zeitung von 1904 präsentierte: Die Gebrüder Caspary luden zu Neueröffnung ihres Geschäftes für Manufakturwaren ein, und zwar am Samstag, 12. März abends. „Da war der Sabbat vorbei, deshalb wurde dieser Termin gewählt,“ erläuterte Overhoff, der es sehr interessant findet, wie die Juden mit ihren Feiertagen klar gekommen sind.

„Es hat Jahrzehnte gedauert, bis es allgemein bewusst wurde, dass Juden Opfer der Nazis waren, aber diese Menschen dürfen nicht auf die Opferrolle reduziert werden. Darum soll mehr die jüdische Alltagsgeschichte vermittelt werden“, so Overhoff und führt seine Zuhörer einige Meter weiter in die Kamperstraße. Dort befand sich in einem mehrstöckigen Geschäftshaus das Kaufhaus A. Weyl. Geschäftsmann Anselm Weyl hatte am Niederrhein mehrere Warenhäuser, das Langenberger Kaufhaus wurde erst nach seinem Tod durch seine Witwe Flora gegründet, die später durch den Sohn Moritz unterstützt wurde. Die Familie machte mit verschiedenen Aktionen auf seine Angebote aufmerksam.

Die Synagoge war die älteste
im Bergischen Land

„Die brauchten nur in der Zeitung zu inserieren, dass wieder ,Weyl’s Weiße Wochen’ sind, und die Langenberger wussten Bescheid“, so Overhoff über die Bekanntheit des damals angesagten Geschäftes. Im Rahmen der „Arisierung“ wurde das Kaufhaus von einem strammen Nazi übernommen, der damit warb, „ein rein deutsches Geschäft“ zu führen.

Daneben informieren weitere vier Tafeln über das jüdische Leben und jüdischen Persönlichkeiten in Langenberg: so über Rebecca Knopf, deren Mann die bekannteste Warenhauskette im Deutschen Reich führte, die Familie Nathan, die über fünf Generationen in Langenberg lebte. Weitere Hinweisschilder berichten über den jüdischen Friedhof und die Synagoge, der ältesten im Bergischen Land. Als nächstes werden solche Infotafeln an vier Stellen in Neviges angebracht. „Die sind so weit fertig, es fehlt allerdings noch das Geld für die Montage“, weiß Ulrike Schrader. An der Hölzerstraße war einst die Nevigeser Synagoge. An der Elberfelder Straße befand sich das Kaufhaus Heumann. In der darüber liegenden Wohnung im ersten Stock versammelten sich die jüdischen Kinder aus Neviges und Langenberg zum jüdischen Religionsunterricht durch einen Lehrer aus dem Wuppertal. Ebenfalls an der Elberfelder Straße hatte sich Sanitätsrat Levi Windmüller niedergelassen. Der angesehene Arzt und Geburtshelfer wurde 1897 in den den Nevigeser Stadtrat gewählt und war 13 Jahre lang Beigeordneter. Eine weitere Tafel wird auf dem jüdischen Friedhof am Zwingenberger Weg installiert, wo während den Zweiten Weltkriegs auch nicht-jüdische Kriegsgefangene und Fremdarbeiter bestattet wurden.