Wülfrath : Stilles Gedenken der Opfer des Naziterrors

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und Bund der Antifaschisten legen Blumen auf Stolpersteine.

. Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und vom Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) haben am gestrigen Auschwitzgedenktages Blumen an zwei Stolpersteinen niedergelegt. Treffpunkt war der Stolperstein von Willi Everts und Eugen Raukamp an der Heumarktstraße 19. Weitere Blumen wurden am Stolperstein an der Wilhelmstraße 98 niedergelegt, der an Johanna Beith erinnert. Gekommen waren auch Tina Guenther von den Bündnisgrünen und Ilona Küchler, Vorsitzende der Fraktion Linke/Wülfrather Liste. VVN/BdA-Mitglied Volker Stegmann vertrat den erkrankten Rainer Köster und sprach zu den knapp ein Dutzend Anwesenden.

Aufarbeitung der Zeit des Naziregimes in Wülfrath

„Die VVN/BdA ist die Organisation der noch wenigen überlebenden Opfer des Naziregimes sowie der nachfolgenden Generationen bekennender Antifaschisten. Sie kümmert sich daher vor Ort um eine respektable Erinnerungskultur und kämpft auch gegen das Vergessen und Verdrängen der Naziverbrechen und einen wertfreien Geschichtsrevisionismus, der bewusst die Gegensätze zwischen Opfern und Tätern verwischt. Keineswegs erheben wir aber einen Alleinvertretungsanspruch in Bezug auf eine redliche und genaue historische Aufarbeitung der Zeit von 1933 bis 1945 sowie die notwendigen Lehren, die sich damit für uns heute verbinden. Das gilt auch für Wülfrath“, so Volker Stegmann.

Er erinnerte auch an die Aufarbeitung der Zeit des Naziregimes. Volker Stegmann verwies auf Rainer Köster, der Anfang der 1980er Jahre erstmals größere zusammenhängende Abhandlungen über die NS-Diktatur in seinen VHS-Vorträgen unter dem Titel „Das Dritte Reich in Wülfrath“ öffentlich gemacht hatte. „Zeitgleich betrieb auch der ehemalige Lehrer und spätere Leiter des Wülfrather Gymnasiums, Ulrich Bauckhage, seine Nachforschungen zu diesem Thema. Diese mündeten 1985/86 in die Broschüre eines Schüler-Leistungskurses mit dem Titel „Wülfrath im Dritten Reich“, erklärte Volker Stegmann. Das Buch von Ulrich Bauckhage „Zum Beispiel Wülfrath 1919 - 1949“, das 1988 erschienen war, bezeichnete er als „nach wie vor ein Standardwerk der örtlichen Geschichtsschreibung für diese Zeitspanne“. Volker Stegmann erwähnte ebenfalls Peter Zwilling, der sich als Autor der „Chronik der SPD in Wülfrath“ ebenso diesem Thema gewidmet hat.

Volker Stegmann erinnerte auch an die Sprengung des Bunkers an der Goethestraße im Jahr 2009. Damals hatte der Historiker Frank Homberg festgestellt, dass Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg nicht Luftschutzbunker zusammen mit Deutschen aufsuchen durften.

2016 forschte eine Gruppe Wülfrather Gymnasiasten zum Thema „Spurensuche Verbrechen der Wirtschaft 1933 – 1945“. Etwa zur gleichen Zeit wurden mit Unterstützung von Frank Homberg und Paul Stein vom evangelischen Kirchenkreis Niederberg durch Wülfrather Schüler des Gymnasiums weitere Stolpersteine für die pazifistischen Bibelforscher Maria und Heinrich Dreier sowie für die Radio Moskau hörenden Willi Everts und Eugen Raukamp verlegt. „Weitere durch die Arbeit in Wülfrather Steinbrüchen getötete Zwangsarbeiter konnte Rainer Köster bereits damals in Sterbebüchern des Mettmanner Standesamtes entdecken. Hinzu kommen noch drei erhängte Wuppertaler Zwangsarbeiter in Rützkausen sowie ein erschossener polnischer Bürger auf dem Hof des ehemaligen NSDAP-Ortsgruppenleiters 1945. Neben den 40 getöteten polnischen Zwangsarbeiten liegen auf dem Düsseler Friedhof noch 34 aus der ehemaligen Sowjetunion. Sie haben dort ewiges Ruherecht“, so Volker Stegmann.

Seine Forderung: „In Wülfrath müssen weitere Stolpersteine oder ähnliche Gedenkmöglichkeiten geschaffen werden – auch und gerade als Mahnung gegenüber Rechtspopulismus, Rassismus und Neonazismus bei uns heute.“