Velbert : Starkregen: Wetterextreme nehmen zu

Die Technischen Betriebe zeigen, wo im Stadtgebiet Überschwemmungen drohen und bieten Informationen und Tipps darüber, wie man sich schützen kann.

Angesichts der anhaltenden Trockenheit mag die Warnung vor sintflutartigem Regen zur Zeit abstrakt klingen. Wie schnell die Situation umschlagen kann, hat sich aktuell vorgestern Nacht in Trier gezeigt, als ein plötzliches Unwetter mit Starkregen und Hagel vollgelaufene Keller, Sturmschäden und über 220 Feuerwehreinsätze verursachte. Für die gestrige Nacht hatte der Wetterdienst unsere Region vor Unwetter mit Starkregen, Sturmböen und Gewitter gewarnt: „Die Wetterextreme nehmen zu“, warnt
Tobias Klemper.

Der Fachmann für Klimafolgenanpassung bei der Energieagentur NRW war einer der Referenten der Bürgerinformation, die die Stadt jetzt zum Thema „Starkregenrisiko und -vorsorge in Velbert“ angeboten hatte. Mehrere dutzend interessierte Bürger waren der Einladung gefolgt und erhielten eine Fülle von Informationen und Hinweisen. Hintergrund ist, dass die TBV das gesamte Stadtgebiet auf das Risiko von Überschwemmungen untersucht und Starkregengefahrenkarten erstellt hat, aus denen ersichtlich, wo sich das Wasser seinen Weg sucht, wo zum Beispiel Gebäude und besonders Infrastrukturen betroffen sind: „Grundsätzlich ist jedes Grundstück und jedes Gebäude gefährdet“, sagt Marian Osterhoff, städtischer Klimaschutzmanager.

Bevor es hier ins Detail ging, machte Tobias Kemper anhand der Entwicklung von Temperatur und Niederschlag über die Jahrzehnte, insbesondere seit Ende der achtziger Jahre deutlich, wie sich das Klima in Deutschland und in der Region, heruntergebrochen bis auf den Kreis Mettmann, verändert hat. Der Ingenieur erläuterte außerdem Prognosen, wohin die Reise klimatisch gehen kann: „Es ist höchste Zeit gegenzusteuern!“ Heiße Sommer mit langer Trockenheit, unwetterartige Niederschläge und wärmere, nassere Winter sind schon jetzt Realität. Mit Klimaschutz allein sei es jedoch nicht getan, auch die Anpassung an die Klimafolgen im privaten und öffentlichen Bereich sei nötig. Hier setze das Konzept der Stadt an.

Ab 15 Liter Niederschlag (das entspricht eineinhalb Eimern) pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde spricht man von Starkregen, erläuterte Marian Osterhoff. Er ist nicht oder nur schwer vorhersagbar und meist räumlich begrenzt. In extremster Ausprägung traf es Velbert am 26. Juli 2008: Ganze Straßenzüge standen unter Wasser, in Neviges fiel der Strom aus, das Klinikum Niederberg entging nur knapp der Evakuierung, 240 Kräfte von Feuerwehr, THW und DRK bearbeiteten rund 400 Einsätze. Auf der Basis dieses Unwetters und mit einem digitalen Geländemodell wurde eine Karte mit Fließwegen erstellt, auf der unter anderem gefährdete Gebäude oder Senken erkennbar sind, erläuterte Carmen Sauerwein, Leiterin des TBV-Sachgebietes Stadtentwässerung. Neben Maßnahmen im Vorfeld wie die Berücksichtigung der Starkregenrisikokarten bei der Bauleitplanunggibt es auch zahlreiche Möglichkeiten, wie bestehende Objekte gesichert werden können – angefangen bei der Sicherung von Kellerfenstern oder tiefliegenden Zugängen bis zu Notwasserwegen oder Flutmulden zur Ableitung der Wassermassen: „Viele Hausbesitzer unterschätzen das Risiko,“, sagte Holger Ackermann, Projektleiter in einem Ingenieurbüro für Wasserwirtschaft. Er stellte Strategien für Grundstückseigentümer vor, um Wetterextremen zu begegnen. Schließlich erläuterte Dirk Schole die gegenwärtige und zukünftige Bedeutung des Versicherungsschutzes: „Viele Hausbesitzer haben keine Elementarschadenversicherung abgeschlossen“, so der Versicherungskaufmann. „Wir schon“, sagte Renate Schieferstein, „und zwar nach dem Flutregen im Juli 2008.“ Die Velberterin, die die Veranstaltung aus grundlegendem Interesse besucht hatte, war damals selber nicht betroffen, hatte aber erlebt, wie die Nachbarn mit dem Wasser kämpften.

Mehr von Westdeutsche Zeitung