Velbert/Neviges: Stadtgesellschaft kämpft gegen Leerstand

Velbert/Neviges : Stadtgesellschaft kämpft gegen Leerstand

Tag des Städtebaus: Verwaltung blickt auf die Veränderungen in Velbert und Neviges.

Immer mehr Geschäfte machen dicht, eine Entwicklung, die nicht nur die Nevigeser Innenstadt betrifft, sondern auch Velbert-Mitte. Florian Heinkel, Projektmanager bei Stadt-Bau-Kultur NRW, gab im Rahmen des Tag des Städtebaus eine Antwort, warum der Handel verschwindet.

„Vielfach wird der Online-Handel dafür verantwortlich gemacht, das stimmt aber nicht ganz. Der Konsum hat wegen steigender Mieten und Lebenshaltungskosten nachgelassen, dazu kommt die Konkurrenz zwischen den Städten, Konzentrationsprozesse im Handel erzeugen weitere Leerstände. Was kann man jetzt tun? Alle müssen sich als Stadtgesellschaft begreifen. Politik, Verwaltung, Immobilienbesitzer, die unterschiedlichsten Leute müssen zusammenarbeiten“, so die Erkenntnis des Experten, der auf die Ausstellung aus rund 100 Pappwürfeln verweis, die Chancen und Grenzen für die Nutzung leerstehender Ladenlokale aufzeigte. Einfache Lösungen gibt es nicht, Heinkel hofft auf einen Perspektivenwechsel: „Besonders bei einer alternden Gesellschaft ist es wichtig, dass Waren des täglichen Bedarfs fußläufig zu erreichen sind.“

Entwicklung in den Städten
mit Spannung erwartet

Dirk Lukrafka widersprach der Auffassung einiger Bürger, durch die neue Stadtgalerie würden Geschäfte aus der Friedrichstraße verschwinden und neue Leerstände entstehen. „Für das Ladenlokal des Sportgeschäftes gibt es bereits einen Nachfolger“, versicherte der Bürgermeister, der auf erfolgreiche Schritte in Sachen Innenstadterneuerung verwies. „Der Platz am Offers, Stiller Park, für das neue Schloss-und Beschlägemuseum wurde der Grundstein gelegt, die Umgestaltung des Forum Niederberg wird gefördert. Für das Hertie-Gebäude wird noch in diesem Jahr nach einem Investor gesucht, der sich verpflichten muss, dort ein Kino zu betreiben. Nachdem das Bürgerbegehren für ein Kino im Forum zurückgezogen wurde, haben die Initiatoren ihre Unterstützung für dieses Projekt zugesichert. Um Kultur, Freizeit und Einkaufen zu vereinen, sollen Forum, Schlossmuseum, Stadtgalerie und Friedrichstraße zu einem Treffpunkt Innenstadt werden. Ähnliches haben wir auch für Neviges vor.“

Sebastian Otto von dem Dortmunder Büro Junker+Kruse, Stadtforschung und Planung, sieht Velbert auf einem spannenden Weg: „Kultur und Miteinander, das sind multifunktionale Angebote, die Menschen in die Innenstadt ziehen. Allerdings braucht es Jahre, bis Ideen umgesetzt werden.“ Begleitet wurde die Veranstaltung durch einen Rundgang durch die Innenstadt. Patrick Weber vom Planungsamt zeigte an Ort und Stelle den interessierten Teilnehmern auf, was sich demnächst verändern wird, so zum Beispiel der Abriss des Hertie-Areals.

Nicht nur negative Aspekte werden hervorgehoben

Die Stadterneuerungsprozesse werden eng von der Politik begleitet. Interessierter Besucher der Veranstaltung, die passenderweise in einem leerstehenden Ladenlokal an der Friedrichstraße stattfand, war Rainer Hübinger. Der Vorsitzende des Bezirksausschusses Neviges, verwies darauf, dass beschlossen wurde, baulich was in Neviges zu machen.

„Von manchen Flächen müssen wie uns verabschieden, Einzelhandel in der Wilhelmstraße funktioniert nicht. Ladenlokale werden in Wohungen umgebaut. Die Aufenthaltsqualität muss verbessert werden, das Entree am Busbahnhof sieht fürchterlich aus. Wir mussten viele Rückschläge hinnehmen, wie zum Beispiel Gassmann. Bei der Wallfahrt weiß man nicht, was passieren wird. Zusammen gesehen ist das eine Lawine, aber es es gibt auch Positives, wie die Weinhandlung Stellwag und ein neuer Kiosk, der gerade aufgemacht hat.“

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