Stadt legt klares Bekenntnis zur Bücherei ab

Die Leiterin der Medienwelt, Ina Reßler, nimmt eine Stelle im westfälischen Bünde an.

Wülfrath. Ina Reßler, Leiterin der Wülfrather Medienwelt, wird ihre Stelle zum Ende des ersten Quartals verlassen. Sie geht nach Bünde in Westfalen, wo sie Leiterin der dortigen Stadtbibliothek wird. Einen Nachfolger für die Medienwelt gibt es offenbar noch nicht. Am Samstag, ihrem freien Tag, schaute Reßler noch einmal bei den „Bücherzwergen“ vorbei. Für das Vorleseprojekt für Kleinkinder hatte sie sich immer stark gemacht. „Es tut mir äußerst leid, dass ich gehen muss“, versichert Ina Reßler. Die studierte Bibliothekarin hatte ihre Dreiviertel-Stelle im Juni 2013 angetreten. Sie wollte schon lange eine Vollzeit-Stelle, doch die konnte ihr die Stadt aus Kostengründen nicht anbieten. In Bünde, das mehr als doppelt so groß ist wie Wülfrath, hat sie die ersehnte ganze Stelle nun gefunden.

Foto: Dietrich Janicki

„Für uns ist das ein schwerer Verlust“, sagt Vorlesepate Heiko Beneke. „Frau Reßler war immer sehr engagiert, hat uns in ihrer Freizeit eingeladen und eine Weiterbildung in Königswinter organisiert.“ Die Paten befürchten, dass mit dem Weggang von Ina Reßler auch die Öffnungszeiten der Medienwelt reduziert werden könnten. „Dann würde auch das Vorlesen weniger“, so Beneke. Sogar der Fortbestand der Stadtbibliothek könnte in Gefahr sein, vermuten die Ehrenamtler. „Dabei sind Lesen und Vorgelesen-bekommen so wichtig“, sagt Patin Dagmar F. Bittner. Die Medienwelt sei immer ein Zentrum der Kultur und des sozialen Lebens in der City. Gleichwohl will die CDU im Rahmen der Etatdiskussion auch an die Medienwelt heran (siehe oben).

Unterdessen bekennt sich die Stadt zur Bücherei. „Die Wülfrather Medienwelt leistet für die Bürgerinnen und Bürger einen wichtigen und nachhaltigen Beitrag zur Erfüllung des Bildungs-, Kultur- und Informationsauftrages“, erklärte Michaele Berster, Dezernentin für Jugend und Soziales. Dietmar Ruda, Leiter des Amtes für Bildung und Sport, bekräftigte: „Aktionen mit den Kitas und Schulen ergänzen regelmäßig das Bildungsangebot. Zudem ist die Wülfrather Medienwelt mit ihren Angeboten ein starker Frequenzbringer für die Fußgängerzone.“ Wie das Rathaus weiter mitteilte, hat die Stadtverwaltung ein großes Interesse, die Leitung der Bücherei im Sinne einer kontinuierlichen Arbeit möglichst zeitnah nachzubesetzen.

Die Umstellung auf moderne Medien hat Ina Reßler jedenfalls schon angestoßen. Längst kann man in der Medienwelt auch Hörbücher und Filme ausleihen, in den Räumen gibt es freies W-LAN, über die „Onleihe“ können digitale Medien auf E-Book-Reader und Tablet-Rechner heruntergeladen werden. Bei Kindern sehr beliebt sind das „TipToy“, ein stiftähnliches Gerät, das spezielle Bilderbücher interaktiv erleben lässt, und die „Toniebox“, ein Würfel, mit dem sich Hörbücher und Hörspiele abspielen lassen. Das Besondere: Die Geschichten werden nicht als CDs, sondern als Spielfiguren verkauft, die einen Chip enthält, der kabellos ausgelesen wird. Derweil begnügen sich die Kleinsten noch mit dem guten alten Live-Vorlesen. Kerstin (3) und Sophia (4) machten es sich mit Vorlesepatin Brigitte Weckelmann auf dem Sofa gemütlich. Auf dem Programm stand das Bilderbuch „Wenn der Schnee kommt“.