Velbert : Sprayer verschönern Hertie-Haus

Im Rahmen von „Vrban City Garden“ wurde das leerstehende Kaufhaus besprüht. Die Künstler fanden mit ihren Bildern Anerkennung bei den Velbertern.

. „Mareo“ entspricht so gar nicht dem Klischee eines Graffiti-Sprayers: Er ist um die 40 Jahre und trägt eine gepflegte Kurzhaarfrisur. Mit der adretten Freizeitkleidung könnte er einen Studienrat abgeben. Am Wochenende hantierte er mit Sprühdosen und Farben und ließ darunter eine graue Wand des Parkhauses am ehemaligen Hertie-Komplex verschwinden. „Wir arbeiten auch an illegalen Objekten, aber nicht mehr so viel wie früher, doch der Reiz ist immer noch da. Beim illegalen Arbeiten ist man viel schneller, man macht sich weniger Gedanken um Details, es fallen einem viel schönere Sachen ein. Dazu gibt es einen ordentlichen Adrenalin-Kick. Fast jeder illegaler Sprayer ist bereits mit der Polizei in Kontakt gekommen.“

Als Jugendlicher ist er in
Konflikt mit der Polizei geraten

„Mareo“ weiß, wo von er spricht, er ist seit 25 Jahren mit der Sprühdose unterwegs, sein künstlerischer Trieb brachte ihn als Jugendlicher mit dem Gesetz in Konflikt. In Velbert musste er jetzt keine Bedenken haben, von Uniformierten auf sein Tun angesprochen zu werden. Er und seine Mitstreiter hatten gewissermaßen einen offiziellen Auftrag, das seit Jahren vor sich hin gammelnde Kaufhaus ein wenig aufzuhübschen, bevor im nächsten Jahr die Abrissbagger zuschlagen. „Als ich erfahren hatte, dass die Stadt Velbert das Gebäude gekauft hatte, hatte ich angefragt, ob wir das gestalten können“, so Tim Hoffmann. Der Nevigeser ist selber begeisterter Graffiti-Künstler. Im vergangenen Jahr hatte er im Auftrag des Investors André Grimmert den Bauzaum bearbeitet, der am Rommelssiepen die Baustelle der Alten Post und des Alten Rathauses umgibt. „Bei der Stadt war man nicht abgeneigt, zusammen haben wir die Flächen ausgesucht, die bearbeitet werden können. Zuerst war auch an den Innenhof gedacht worden, das wurde aber aus Sicherheitsgründen verworfen.“

So wurden Wände an der Friedrichstraße, der Grünstraße und dem Parkhaus an der Offerstraße ausgeguckt. Hoffmanns Firma „Sociegy“ besorgte die Farben für den Untergrund. Das sind die spezielle Graffitti-Spraydosen aus dem Künstlerbedarf. „Die sind besser als aus dem Baumarkt.“ Dazu versorgte der Jungunternehmer in Sachen Graffiti die 20 Künstler aus der Umgebung und Norddeutschland mit Proviant, vor allem mit flüssigem.

Trotz Hitze darf die Filtermaske für Mund und Nase nicht fehlen

„Man muss schon aufpassen, dass man keinen Sonnenstich bekommt“, bemerkte „Dustin“ aus Hamburg, als er einen Schluck Limonade nimmt. Trotz der Hitze schiebt er sich anschließend den Atemschutz gegen die Sprühnebel wieder aufs Gesicht. „Ich will ja noch alt werden“, murmelt er durch die Filtermaske und fügt hinzu, dass das Geile an der Wärm sei, dass die Farbe besonders schnell trockne.

An der Friedrichstraße, neben dem Haupteingang des einst sehr beliebten Kaufhauses, sprühten „Oekodeko“ und „Codex“ mit schwungvollen Armbewegungen die Farbe auf die Wand. Wie alle „Writer“ verschweigen sie ihre bürgerlichen Namen.

„Im Januar hatten wir Fotos von den Wänden mit der Anfrage bekommen, ob wir eine davon gestalten könnten“, sagen die beiden Künstler aus Kiel. Sie schätzen nicht nur die Möglichkeit, sich kreativ austoben zu können, sondern auch die Zusammenkunft mit Gleichgesinnten beim gemeinsamen wie etwa Grillen und andere ­Aktivitäten.

Interessiert wurde das Treiben von zahlreichen Passanten beobachtet: „Ich finde das gut, es tut sich was in der Innenstadt“, freute sich Herbert Gehlert. „Graffiti sind okay, so lange der Eigentürmer einverstanden ist“, so der Rentner, der sich für Kunst interessiert. „Wenn man so was richtig macht, dann ist das schön.“