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SPD-Nachwuchs ist gegen Bebauung des Großen Feldes

Von : SPD-Nachwuchs ist gegen Bebauung des Großen Feld

In den Reihen der Unterstützer scheint es langsam zu bröckeln. Auch die Jusos sprechen sich gegen Pläne der eigenen Partei aus.

Der Zug, der sich am Samstag auf der Friedrichstraße bis zum Offersplatz bewegte, hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit Rosenmontag. „Radengel“ begleiteten die Traktoren, die mit ihren Hupen und dem Pfeifen der Zugteilnehmer Krach statt Stimmungsmusik verbreiteten: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man unsre Stadt versaut“, skandierten die Demonstranten, einige hatten sich mit Kuhkostümen verkleidet.

Bürgerinitiative befürchtet, dass die Velberter die Kosten tragen

Von dem Karnevalswagen, mit dem die Bürgerinitiative Große Feld an dem Karnevalszügen teilnahm, regnete es bei der abschließenden Kundgebung keine Süßigkeiten, sondern Argumente, warum die landwirtschaftliche Fläche an der Langenberger Straße nicht in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden darf. „30 Hektar bester Ackerfläche, Velberts Frischluftschneise, viel Natur, Baudenkmäler aus der Renaissance – dieses Kleinod soll zerstört werden“, regt sich Arthur Busse auf, der erste Vorsitzende der Bürgerinitiative Große Feld Velbert. „Im ersten Jahr fallen Erschließungskosten von 20 Millionen Euro an. Die irrsinnig hohen Erschließungskosten werden auf Tochterunternehmen der Stadt verteilt, den Schuldenberg wird letztlich der Velberter Bürger abbauen.

Michael Greshake machte auf den Flächenfraß aufmerksam: „Immer mehr Flächen werden versiegelt, es geht nicht nur ums Große Feld“, so der Velberter Ortslandwirt, der weiß, dass Freiflächen für das Wohlbefinden bedeutsam sind. „Der Klimawandel hat auch mit dem Flächenverbrauch zu tun, weil damit der Zwang zur Intensivierung beschleunigt wird.“ Greshake fragt sich, wie viele Freiflächen noch vernichtet werden sollen und fordert eine besser Nutzung der Freiflächen. „Die Nullzins-Politik trägt zum Ressourcenverbrauch bei. Landwirte sind keine Verweigerer gewerblicher Nutzung“, so Greshake und kritisierte die Velberter Stadtplanung: „Eine gewerbliche Nutzung des Woeste-Geländes hätte das Große Feld entbehrlich gemacht.“

Selbst die FDP spricht sich gegen eine Bebauung der Fläche aus

Auch der Vorsitzende der FDP-Fraktion sprach sich gegen die Bebauung aus. Thorsten Hilgers unterstellt der Verwaltung eine Gewinnabsicht, indem sie ehemalige Gewerbestandorte zu Wohnbauflächen umwandelt. Martin Schwarz von den Piraten frag sich, wo das große Interesse der Automobilhersteller bleibt, wo diese gerade Entlassungen angekündigt haben. „Verantwortungsvolle Politik darf den Landwirten nicht die Flächen entziehen.“

Ingrid Schween vom den Linken räumte ein, dass ihre Partei zunächst zugestimmt hatte, man habe sich angesichts der Informationen der Bürgerinitiative zu Kaltluftschneisen und Klimaschutz anders orientiert. „Wir müssen auf moderne Industrie setzen – dafür brauchen wir das Große Feld nicht.“ Esther Kanschat, die Frontfrau der Grünen im Stadtrat, malte ein düsteres Bild: „Überall sollen Flächen versiegelt werden, wenn das so weiter geht, haben wir 2090 keine Freiflächen mehr, auf denen Landwirtschaft stattfinden kann. Dabei ist es ein großer Vorteil, dass so viel Grün in Velbert ist.“

In den Reihen der Befürworter für das Gewerbegebiet regt sich Widerstand. „Als Velberter Jusos setzen wir uns für eine Intakte Natur ein“, so sich Sonja Deinert, Mitglied im Beirat des SPD-Ortsvereins. Wir haben Verantwortung für unseres Generation. Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist ein lohnendes Ziel, aber nicht im Tausch gegen unsere Natur!“ „Niemand weiß, ob es wirklich viele Arbeitsplätze bringt. Wir wollen keine Experimente auf Kosten unserer Zukunft“, versagt sich Juso-Vorsitzender Hendrik Olschewski der Vorgabe der Mutterpartei.