Wülfrath: So hilft das Jugendamt Familien in Not

Wülfrath : So hilft das Jugendamt Familien in Not

Erziehung, Schule, Berufsstart, Trennung der Eltern – es kann viel schiefgehen auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

. „Wir sind froh über jede Inobhutnahme, die wir nicht ausführen müssen.“ Für Jugendamtsleiterin Bärbel Habermann und ihre Mitarbeiter-Innen ist dies die schwerste Aufgabe. Wenn ein Gericht anordnet, ein Kind muss zum Beispiel wegen Vernachlässigung, körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt in der Familie von den Erziehungsberechtigten getrennt werden, muss alles ganz schnell gehen. Das Kindeswohl steht natürlich an oberster Stelle. Aus dem Jahresbericht des Allgemeinen Sozialen Dienstes/Schwerpunkt Hilfen zur Erziehung geht hervor, dass es im laufenden Jahr bisher vier dieser Härtefälle gegeben hat, 2018 waren es zehn. Hinzu kamen zwei alleinreisende Flüchtlingskinder, die generell über das Jugendamt Hilfe bekommen. „Die Zahlen variieren stark. Es kann passieren, dass gleich vier Kinder aus einer Familie genommen werden müssen. Das beeinflusst diese Statistik deutlich“, erklärt Bärbel Habermann.

Die Kinder sollen wieder in ihre Familien zurückkehren können

Ziel des Jugendamtes ist es, eine Situation herzustellen, dass die Kinder nach einer gewissen Zeit wieder in ihre Familien zurückkehren können – außer bei schweren Straftaten gegen sie. Dabei gilt es, die Schutzbedürftigen sowohl psychisch als auch pädagogisch zu begleiten. Die Eltern stehen natürlich ebenfalls im Fokus. Die oft schwierige Frage, wie kann eine aktuell unhaltbare Situation langfristig verbessert werden, ist zu beantworten. An dieser Stelle müssen auch die Erwachsenen mitziehen und ihr Leben ändern.

Die Hilfen des Jugendamtes setzen allerdings weit früher ein. „Prävention“ ist dabei das Stichwort. „Wer bei seinem Nachwuchs etwa Auffälligkeiten im sozialen Verhalten, Entwicklungsauffälligkeiten, seelische, schulische oder berufliche Probleme erkennt, kann zu unserer offenen Beratung kommen“, rät die Jugendamtsleiterin. Im Rahmen dieser kostenfreien Vorleistung konnten schon viele Probleme frühzeitig gelöst werden. „Erst nach drei Beratungen wird daraus ein Fall“, ergänzt André Duschke, Sozialarbeiter beim ASD. „Locker 80, eher 100“, beziffert er die in Wülfrath durchschnittlich anfallenden Fälle pro Jahr. „Ein Vorteil ist, dass es in einer kleinen Stadt einen besonders engen Kontakt mit den Familien gibt“, sagt André Duschke.

Nicht selten kommt es vor, dass Schwierigkeiten bei der Erziehung auftreten, bei denen sich Eltern ab einem gewissen Punkt überfordert fühlen. „Es kann sein, dass der Weg in die Erziehungsberatungsstelle reicht. Wenn nicht, gibt es viele andere Möglichkeiten“, sagt André Duschke. „Wir leiten dann ein sogenanntes Clearing ein“, erklärt Bärbel Habermann. Dabei begleitet eine pädagogische Fachkraft zwei bis drei Monate lang intensiv die hilfesuchende Familie. In diesem Zeitraum gibt es mindestens einen Kontakt pro Woche. Ebenso häufig muss das Jugendamt bei Trennungen oder Scheidungen helfend eingreifen. „Ziel ist eine außergerichtliche Einigung der Eltern, zum Beispiel über den Umgang mit den gemeinsamen Kindern. Besuchszeiten sind ein wichtiges Thema. Natürlich auch, wie die Kinder überhaupt mit der Trennung fertigwerden.

Streitigkeiten der Eltern setzen den Kindern besonders zu

„Streitigkeiten zwischen Mutter und Vater setzen den Kindern besonders zu“, weiß Bärbel Habermann. Den Erziehungsberechtigten wird dies klargemacht. „Die Eltern sollten wissen, dass der Weg zum Familiengericht das letzte Mittel sein sollte. Die dort getroffenen Beschlüsse sind dann bindend und das Verfahren ist hoch belastend für alle Beteiligten, insbesondere für die Kinder. Eine außergerichtliche Einigung stärkt die Kinder und zeigt den Willen und die Kompetenz der Eltern, die Erziehungsverantwortung gemeinsam zu tragen“, sagt Bärbel Habermann.