So funktioniert Schule ohne Klassen

Tag der Offenen Tür bei der Freien Aktiven Schule war gut besucht. Nach anfänglicher Skepsis waren Eltern und Schüler begeistert.

So funktioniert Schule ohne Klassen
Foto: Achim Blazy

Wülfrath. Die Menschen tummeln sich auf dem Schulhof, ein paar Aktive erkunden die Sporthalle und spielen dort Basketball oder Tischtennis, wieder andere genießen eine Bratwurst, eine Waffel oder Kuchen. Gut besucht ist der Tag der offenen Tür der Freien Aktiven Schule Wülfrath (FASW). Eltern können sich mit dem Konzept der Schule vertraut machen, die Kinder können andere Kinder kennenlernen, die bereits dort zur Schule gehen. Es gibt sowohl eine Grundschule als auch die Sekundarstufe I und seit zwei Jahren die Sekundarstufe II. Im kommenden Jahr wird also der erste Abiturjahrgang die FASW verlassen, erzählt Robert Freitag, Geschäftsführer und Mitgründer der Schule, stolz.

Die Besonderheit dieser Schule ist, dass es keine Klassenverbände gibt, sondern Lernräume. Die Schüler dürfen sich selbst aussuchen, wann sie in welchem Raum lernen wollen. Das bedeutet, dass es keinen Stundenplan gibt, sondern einen wöchentlichen Lernplan. Dort tragen die Schüler ein, was sie gemacht haben. In jedem Lernraum sprechen sie mit dem jeweiligen Fachlehrer ab, was sie üben werden. Bereits seit 2005 funktioniert das Konzept in der Grundschule, 2007 kam die Gesamtschule dazu. Freitag hat die Schule gegründet, als seine Kinder in das schulpflichtige Alter kamen. Er habe sich verschiedene Schulen angeschaut und überlegt. Zunächst seien seine Kinder auf ihrer Schule nicht glücklich gewesen. So kam dann die Idee zur eigenen Schule. „Es war eine Elterninitiative“, erklärt Robert Freitag. Die Lehrer haben alle ein Montessori-Diplom, dennoch distanziert er sich von der reinen Montessori-Schule. „Wir sind mehr“, sagt er, „Montessori ist nur ein Baustein.“

Am Tag der offenen Tür sind Lehrer da und auch ein paar Schüler, die zeigen, was an der Schule gemacht wird. Richtigen Unterricht gibt es nicht, denn das wirke am Tag der Offenen Tür immer gestellt, meint Freitag. Stattdessen gebe es nach den Infoabenden nächste Woche noch Gelegenheiten für die Eltern, in den Lernräumen zuzuschauen. Dann bekommen sie ein Gefühl dafür, wie es wirklich abläuft. Viele Eltern seien zunächst noch etwas skeptisch, ob das Konzept auch so funktioniere, die meisten werden aber überzeugt.

Einige sind aber auch am Tag der Offenen Tür schon ganz Feuer und Flamme. „Es ist ein ganz anderes Schulsystem, die Kinder lernen nicht mit so viel Druck“, lobt Familie Seidel aus Velbert. Außerdem lernen die Kinder zu lernen. Sie lernen eigenständig und nicht nur nach Vorgaben. „Schule soll ja auch Spaß machen.“ Womöglich wird ihre Tochter schon im nächsten Jahr dann die Grundschule der Freien Aktiven Schule besuchen.

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