Singend und betend nach Velbert

Fast 900 Pilger nehmen an der Dülmener Wallfahrt teil.

Velbert-Neviges. Ihr alljährlicher Pilgermarsch ist fast so alt wie die Nevigeser Wallfahrt: Am Wochenende waren zum 330. Mal die Dülmener zu Gast. Zum 700-jährigen Bestehen ihrer Stadt wollte die Dülmener Hardenberg-Bruderschaft 700 Pilger auf den Weg nach Neviges bringen — es waren mit fast 900 dreimal so viele wie in den Vorjahren, die die Reise ins Bergische antraten.

Start der Wallfahrt ist am Samstag um 6 Uhr mit dem Reisesegen in der Dülmener Pfarrkirche St. Viktor: „Dieses Jahr sind sehr viele Erstpilger dabei“, freut sich Pfarrer Markus Trautmann. Mehr als 330 Fußpilger brechen danach per Bus Richtung Villa Hügel auf. Sie marschieren zur Messe in der Werdener Abteikirche, treffen dort weitere 310 Buspilger — die „Seniorenbusse“ steuern Neviges am Nachmittag direkt an.

Nach einem Frühstück geht es singend und betend hinauf nach Velbert — eine hunderte Meter lange Kolonne, darunter zahlreiche junge Leute. Die 14-jährige Leonie ist mit zwei Freundinnen erstmals dabei. Die Mädchen sind sehr beeindruckt von der gemeinschaftlichen Wallfahrt: „Wir würden wieder mitgehen“, sagt Leonie — trotz Regens und einer Blase am Fuß.

Gegen Mittag trifft die Gruppe in der Velberter Oberstadt ein: „Stammlokal ist seit jeher die Gaststätte am Schlagbaum“, sagt Organisator Herbert Kalwey, doch ob ihrer großen Zahl verteilen sich die Pilger auf die Lokale zwischen oberer Friedrichstraße und Tönisheide.

Auf der letzten Etappe werden sie am Reiger Weg von Wallfahrtsleiter Bruder Othmar und einer Gruppe von Messdienern begrüßt, bevor es hinab zum Mariendom geht. „Viel Deiner Schäflein sind nun angekommen“, hallt es aus hunderten Stimmen beim Einzug in die Kirche — für viele Pilger einer der bewegendsten Momente der Reise. Ein Höhepunkt ist die abendliche „Sturmandacht“ mit Lichterprozession auf den Marienberg. Wer danach nicht nach Dülmen zurückkehrt, übernachtet in einer der beiden bereitgestellten Turnhallen oder bei Nevigeser Familien. Und als die Pilger nach der Frühmesse um 6 Uhr den Fußweg nach Essen antreten, blicken die Nevigeser gespannt gen Himmel: Es heißt, dass die Dülmener den Regen bringen — oder sie nehmen ihn mit.

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