Senioren rechnen mit Donald Trump ab

Walter Brühland und Brigitte Heitmann schreiben Offenen Brief an den US-Präsidenten.

Wülfrath. Das umstrittene Handeln des US-Präsidenten Donald Trump erzürnt jetzt auch zwei Wülfrather. Walter Brühland und Brigitte Heitmann haben einen geharnischten offenen Brief verfasst, der auch der WZ vorliegt:

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„Sie werden uns, zwei Rentner aus einer Kleinstadt in Europa, das Sie vermutlich nur mit Stahl und Autos in Verbindung bringen, wahrscheinlich nie kennenlernen. Das ist uns auch nicht wichtig. Sehr geehrter Herr Präsident, Sie haben bei Ihrer Amtseinführung die Hand auf die Bibel gelegt, einem Buch, aus dem Gottes Wort spricht und dessen Inhalt zwar zeitgemäß interpretiert werden muss, jedoch in seinem Wahrheitsgehalt nicht verhandelbar ist.

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Offener Brief von Walter Brühland und Brigitte Heitmann

Sie haben vor Ihrem Volk und vor den Augen der ganzen Welt geschworen, dem amerikanischen Volk zu dienen und Schaden von ihm zu wenden („So help me God“). Mit wachsendem Entsetzen müssen nicht nur Teile ihrer Bevölkerung, sondern auch die bisher mit Ihrem Land verbündeten Deutschen, die Ihrem Land nach dem Grauen des 2. Weltkrieges, der von einem Massenmörder in Deutschland begonnen worden ist, so viel zu verdanken haben, nun zusehen müssen, wie Sie diese Freundschaft mit Füßen treten und die gesamte demokratische Welt mit Lügen und Halbwahrheiten tyrannisieren.

Dies ist nicht nur eines amerikanischen Präsidenten unwürdig, sondern zeigt eindeutig Kleingeistigkeit und Ihren Machtmissbrauch. Dass Sie nun auch Kinder von ihren Eltern getrennt haben und dies nach weltweiten Protesten in einem Akt des scheinbaren Mitgefühls wieder rückgängig gemacht haben, im selben Atemzug aber Kinder mit Eltern ins Gefängnis stecken — es sind Flüchtlinge und keine Verbrecher— zeigt der ganzen Welt, das wohl kriminelle Energie in Ihnen zu stecken scheint. Dass die von ihren Eltern weggenommenen Kinder weiterhin in Heimen irgendwo im Land verstreut sind, das scheint Sie nicht zu interessieren. Wir zitieren in diesem Zusammenhang auch einmal die Bibel, die von politischen Hardlinern — wir nennen sie Scheinheilige — so gerne benutzt werden, um Dinge auf diese Art und Weise zu legitimieren. Also wir haben eine Stelle aus dem Neuen Testament ausgesucht, die keiner Interpretation bedarf: ,Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an ihn glauben — damit sind nicht Sie gemeint —, dem wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersauft werde im Meer, da es am tiefsten ist.’“

Ob der US-Präsident diesen Brief wirklich wahrnimmt, wissen die beiden Verfasser natürlich nicht. Aber sie haben ihrem Unmut Luft gemacht und ihre Meinung wird sicherlich von vielen Wülfrathern geteilt. Sollte es wider Erwarten eine Antwort geben, lesen Sie diese in der WZ. AR

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