Wülfrath : „Schluss mit jeglicher Gewalt an Frauen“

Die Protestaktion One Billion Rising war diesmal virtuell – aber mit vielen Teilnehmerinnen.

. (AR) Die Protestaktion gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen, One Billion Rising, war gestern weltweit und seit Jahren ist auch Wülfrath dabei. Zu diesem Anlass gab es eine virtuelle Veranstaltung. Die Gleichstellungsbeauftragte, Franca Calvano, sprach zu diesem Anlass zu den Teilnehmerinnen:

„Es ist eine Protest-Aktion gegen Gewalt an Frauen und Mädchen mit einer eindeutigen Botschaft: Es reicht. Schluss mit jeglicher Gewalt an Frauen und Mädchen. Wegen der Corona-Pandemie erheben wir uns in diesem Jahr in Wülfrath virtuell, aber umso entschiedener, um uns mit all den Frauen und Mädchen in der ganzen Welt zu solidarisieren, die Opfer von Gewalt sind, von physischer, sexueller und  psychischer Gewalt. Denn gerade jetzt, in der Corona-Pandemie muss die Gewalt gegen Frauen und Mädchen sichtbar gemacht werden. Durch die Isolation steigt die Gefahr der häuslichen Gewalt. Das Ausmaß der Fälle wird uns in den kommenden Monaten und auch Jahren beschäftigen.“

Es  brauche mutige Frauen und Männer, die sich trauen hinzuschauen, die sich trauen, sich einzumischen, die den Mut besitzen ein mitfühlendes und unterstützendes Miteinander zu leben. Weltweit gebe es bereits viele mutige Mädchen und Frauen, die gegen das Unrecht protestieren.

„Polnische Aktivistinnen wie Marta Lempart erheben sich für ihre Rechte. Die Lage der Frauen in Polen hat sich seit 2015 mit der rechtskonservativen Regierung erheblich verschlechtert. Der Staat hat NGOs-Mittel gestrichen, die Opfern von häuslicher Gewalt helfen. Die Abtreibungsgesetze wurden so verschärft, dass Frauen gezwungen werden, schwerstkranke Kinder zur Welt zu bringen oder in die Illegalität abzutauchen.

Frauen wie die 21-jährige Hadja Bah, kämpfen für die Verbesserung der Lage von Frauen und Mädchen in Guinea. 97 Prozent sind beschnitten und 52 Prozent werden minderjährig verheiratet. Immer noch sterben viele Frauen bei der Geburt, häusliche Gewalt ist an der traurigen Tagesordnung.“

Leider sei die Lage von Frauen in Deutschland nicht so gut, wie die meisten zugeben wollen. Täglich versuche ein Mann in Deutschland, seine (Ex-)Partnerin zu töten. Jeden dritten Tag finde ein solches Verbrechen tatsächlich statt. Angesichts zunehmender Fälle klagen Aktivisten über zu milde Strafen für Täter.“

„Gewalt gegen Frauen kommt in allen gesellschaftlichen Gruppen und Schichten vor und muss überall effektiv unterbunden werden“, sagt auch Vanessa Bell von „Terre des Femmes Deutschland“. Und Juristin Julia Schäfer ergänzt: „Häusliche Gewalt ist keine Frage der Religion, Nationalität oder Bildung. Jeder ist angehalten hinzuschauen und Hilfe anzubieten, statt zu sagen, das ist eine Familienangelegenheit.“

Hassnachrichten, Beleidigungen, sexistische und bedrohende Kommentare – auch digitale Gewalt nimmt laut einer Umfrage von Plan International zu. 70 Prozent der jungen Frauen in Deutschland haben schon Gewalt und Belästigung in sozialen Medien erlebt. Digitale Gewalt hat weitreichende Folgen: 42 Prozent der Betroffenen leiden unter psychischen Folgen, 24 Prozent fühlen sich auch physisch unsicher und 38 Prozent änderten aufgrund von Online-Belästigungen ihr Verhalten auf Social Media: Sie sagen weniger ihre Meinung  oder verlassen die Plattform. Social Media-Unternehmen sind gefordert wirksame Meldemechanismen speziell für digitale Gewalt zu schaffen, durch die Täter und Täterinnen zur Rechenschaft gezogen werden können.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Nach 1001 Tagen in Haft ist in diesen Tagen die saudi-arabische Frauenrechtsaktivistin Ludschain al-Hathlul freigekommen. Al-Hathlul war im Mai 2018 mit rund einem Dutzend anderer Frauenrechtsaktivistinnen festgenommen worden, an deren Seite sie seit langem gegen das Autofahrverbot für Frauen gekämpft hatte.

Der Appell von Franca Calvano: „Liebe Frauen, lassen Sie uns diese weltweite mutige Frauenkraft in uns aufnehmen. Wir sind stark, wenn wir uns zusammentun.“