Schlesier-Wallfahrt wird 20

Der Mariendom war bis auf den letzten Platz gefüllt. Draußen war viel los.

Der Mariendom war bis auf den letzten Platz gefüllt, beim Fest auf dem Platz neben dem Kloster gab es kaum ein Durchkommen: In zwanzigsten Jahr feierten gestern die Schlesier mit ihrer Wallfahrt zum Gedenken an St. Anna, die Mutter Mariens und Großmutter Jesu, ein kleines Jubiläum. Zahlreiche Besucher waren in Trachten gekommen, Tanz- und Musikgruppen, unter anderem der Chor der Oberschlesischen Bergleute, sorgten für Unterhaltung.

Ausgangspunkt war vor 20 Jahren eine Messe zu Ehren der Heiligen Anna, die der damalige Wallfahrtsleiter, Pater Roland Bramkamp, auf Bitte seiner Großmutter las, weil sie altersbedingt nicht mehr an der alljährlichen St. Anna-Wallfahrt nach Haltern teilnehmen konnte, erinnert sich Damian Spielvogel, Bundesgeschäftsführer der Landsmannschaft Schlesien und Vorsitzender des Ortsverbandes Velbert. „Aus dieser Messe erwuchs in den nachfolgenden Jahren ein Volksfest“, sagt der Velberter - mit Unterhaltung, Buden, die schlesische Spezialitäten wie Wellwurst, Grützwurst oder Preßkopf, Brot aus Natursauerteig oder Streuselkuchen verkaufen, und Gästen, die aus ganz NRW anreisen.

Frank Grüne ist mit der ganzen Familie aus Aachen gekommen - Ehefrau Bernadette ist Leiterin der Tanzgruppe „Der fröhliche Kreis“, ihre Mutter Edith Glattki, selber noch aktive Tänzerin, ist aus dem Kreis Gleiwitz gebürtig. Die Damen und Herren tragen die Tracht der Niederschlesier aus dem Riesengebirge.

Die Wallfahrt in Neviges ist für die Aachener wie ein Familientreffen: „30 Prozent aller Deutschen haben ohnehin schlesische Wurzeln“, meint Grüne, denn Schlesien sei vor Krieg und Vertreibung das Ruhrgebiet Deutschlands gewesen. Schlesiertreffen gebe es auch andernorts, aber Neviges sei durch den feierlichen Gottesdienst im Mariendom etwas besonderes, findet Ehefrau Bernadette.

Hauptzelebrant der Messe ist seit einigen Jahren Gregor Ulrich Henckel von Donnersmarck. Der emeritierte Abt des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz bei Wien entstammt der gräflichen Linie der Familie Henckel von Donnersmarck aus Beuthen, ist als gebürtiger Breslauer selber Oberschlesier und außerdem der Onkel von Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck („Das Leben der Anderen“).