Wülfrath : Wülfrather ziehen hinter Sankt Martin durch die City

Am 11. November reitet der barmherzige Soldat durch die Kalkstadt. Der Brauch zählt zum NRW-Kulturerbe.

Seit 150 Jahren gehört die Martinstradition zum Rheinland, vor einem Jahr wurde sie sogar als immaterielles Kulturerbe von Nordrhein-Westfalen anerkannt. Mit Bräuchen wie Laternenumzügen, Martinsliedern und der Verteilung von Süßigkeiten an Kinder gelte sie als besonderer Anlass, um Nächstenliebe zu feiern, hieß es vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft.

Nächstenliebe feiern, das möchten auch die katholische Gemeinde St. Maximin und die Fördergemeinschaft St. Georg, die den 42. Martinszug in der Wülfrather City organisieren. Jürgen Ahrweiler von der Fördergemeinschaft freut sich über die Aufnahme in die Landesliste: „Es hat lange gedauert, wir mussten uns vor allem gegen Halloween durchsetzen. Aber wir müssen uns ja nicht alles aneignen, was aus Amerika kommt, wenn wir selber so schöne Bräuche haben“, sagt er. Der Martinszug gehört für ihn zu den traditionellen Kulturgütern, die jeder einmal erlebt haben sollte: „Der 11. November sollte als fester Termin in jedem Jahresplaner stehen“, sagt er.

Der Wülfrather Martinszug zählt zu den größten im Bergischen Land: 2000 bis 3000 Besucher erwartet die Fördergemeinschaft. „Im vergangenen Jahr begleitete schon zum zweiten Mal ein Fernsehteam der WDR-Lokalzeit Bergisches Land unseren Martinszug und machte somit einen der größten Martinszüge weit über das Bergische Land hinaus bekannt“, erklärt Ahrweiler.

Früher veranstaltete jede
Schule ihren eigenen Martinszug

Dass der Martinszug jedes Jahr so viele Besucher anzieht, liegt laut Ahrweiler vor allem an seinem generationsübergreifenden Charakter. „Heute nehmen Eltern mit ihren Kindern teil, die wiederum damals als Kinder mit ihren Eltern dabei waren. Der Martinszug ist für alle Beteiligten ein schönes Erlebnis, unabhängig vom Alter.“ Auch, dass so viele Besucher gemeinsam eine Tradition weiterführen, freut den Organisator: „Früher veranstaltete jede Schule ihren eigenen Martinszug. Jetzt gehen alle zusammen durch Wülfrath.“

Erstmalig werden in diesem Jahr nicht zwei, sondern drei Kapellen den Martinszug begleiten. „So können wir die gesamte Innenstadt beschallen. Auch die Besucher am Ende des Zuges werden die Musik hören können.“ Neben dem evangelischen Posaunenchor unter Leitung von Manfred Edelstein wirkt der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Velbert unter Leitung von Anke Ramilo mit. Neu im Zug ist eine Gruppe Wülfrather Musiker unter Leitung von Johann Magiera.

Der Martinszug folgt einem altbewährten Programm. Auf dem Weg durch die Innenstadt werden kostenlos 1100 Weckmänner an die teilnehmenden Kinder vergeben. Eine weitere schöne Tradition: Nochmals 90 Weckmänner werden unter den Bewohnern im Haus-August-von-der-Twer verteilt.

Am Endpunkt des Zuges wartet auf die Besucher das Martinsfeuer. Dort werden auch alle drei Kapellen aufeinander treffen und mit insgesamt 30 Musikern spielen: „Das wird einen tollen Sound geben“, sagt Ahrweiler. Auch die Mantelteilung findet dort statt. Die Martinsgeschichte wird von einem Pfarrer der Kirchengemeinde Wülfrath vorgelesen. Ahrweiler freut sich schon: „Mit drei Kapellen kann das nur gut werden.“