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Wülfrath: Ritsche verzichtet auf Materialschlacht

Wülfrath : Ritsche verzichtet auf Materialschlacht

. Ein Mann vieler Worte ist Rainer Ritsche nicht. Und so ist auch das Wahlprogramm des unabhängigen Bürgermeister-Kandidaten nicht in epischer Länge formuliert. Beim Auftakt zum diesjährigen Wahlkampf hat sich Ritsche auf das Wesentliche konzentriert und dabei ganz verschiedene Schwerpunkte gesetzt.

Jeden Samstag können Bürger – sobald es das Wetter zulässt – den Kandidaten am Vormittag in der Fußgängerzone antreffen und mit ihm über Wülfrather Themen sprechen.

Auf Kugelschreiber und andere Plastikpräsente müssen die Gesprächspartner jedoch verzichten. Denn Ritsche verzichtet ganz bewusst auf Kunststoff, will keine Materialschlacht veranstalten. Nicht zuletzt, weil er „den Wahlkampf alleine finanziert“. Und auch sein Wahlprogramm kommt im handlichen Taschenformat daher. Darin prangt zentral die Frage nach dem gemeinsamen Zielen: „Was können wir gemeinsam für Wülfrath erreichen?“, will Rainer Ritsche von den Lesern seines Programms wissen.

Das Miteinander liegt ihm am Herzen. Sowohl mit den Bürgern, als auch mit der Politik. „Dabei ist es auch egal, von welcher Partei die Idee kommt. Wichtig ist, dass sie gut ist“, so Ritsche, der in Zukunft seine Kraft dafür verwenden möchte, im Rat Mehrheiten für eben diese guten Ideen zu schaffen.

Vorausgesetzt natürlich, er wird Bürgermeister. „Die Stichwahl ist mein persönliches Ziel. Alles darunter würde mich enttäuschen“, gibt er ehrlicherweise zu. Unterstützt wird er von der Wülfrather Gruppe und der SPD. Den Wunsch, den amtierenden Ersten Beigeordneten und Kämmerer als Bürgermeister-Kandidaten zu gewinnen, hatten vor seiner Kandidatur schon einige. Doch erst mit der Bestätigung, dass Bürgermeisterin Claudia Panke kein weiteres Mal antritt, reifte in Ritsche der Gedanke heran, diese Kandidatur tatsächlich ­anzustreben.

Den Wahlkampf möchte er fair gestalten, auf sein internes Wissen als Kämmerer nicht zurückgreifen. „Denn das gehört sich nicht“, argumentiert der Kandidat, der selbst bei einer Nicht-Wahl weiterhin die Geschicke Wülfraths vom Beigeordneten-Stuhl aus lenken möchte. „Sollten sich die Wülfrather für einen anderen Kandidaten entscheiden, dann werde ich diesen natürlich auch unterstützen“, verspricht Ritsche, der sich selbst unwohl in der Selbstvermarktungsrolle fühlt.

Auch der Schritt in die Sozialen Medien hat ihn Überwindung gekostet. Tatkräftige Unterstützung gibt es von Silke Volz-Schwach, die bis 2017 das Büro der Bürgermeisterin leitete. „Wir haben viele Jahre zusammengearbeitet, und als ich von der Kandidatur meines Wunschkandidaten erfuhr, wollte ich sofort helfen“, erinnert sich die engagierte „Ur-Wülfratherin“, die seitdem die digitalen Zügel in der Hand hält. „Internetauftritt, Flyer, Facebook-Account – alles sollte Wiedererkennungswert haben“, erklärt sie.

Er würde gerne Kulturbühne an Krapps Teich errichten

Wiedererkennungswert haben auch die Themen, mit denen sich Ritsche künftig beschäftigen möchte. Da wäre beispielsweise die Entwicklung der Fläche „Am Diek“. Diese möchte Rische umgestalten, vielleicht eine Kulturbühne am Krapps Teich errichten. Die Parkfläche könnte auf das verschattete alte Bunkergelände verlagert werden. „Das würde auch einen weichen Übergang zum Angermarkt schaffen und die Fußgängerzone mit diesem verbinden“, vervollständigt der Bürgermeister-Kandidat seine ­Gedanken.

Ein weiteres seiner Anliegen: Wohnumfeld- und Freizeitgestaltung. „Denn in Wülfrath soll man nicht nur wohnen, sondern auch leben“, so Ritsche. Für die Jugend könnte das ehemalige Bahngelände temporär ausgebaut werden. „Vielleicht mit einer BMX-Anlage“, kann sich der Kandidat vorstellen. Und entlang des Panorama-Radwegs sollen nach Ritsches Vorstellungen Grillplätze entstehen. „Denn nicht jeder hat einen eigenen Garten.“

Die Strategie „22 plus“ möchte Rainer Ritsche verfolgen, die Stadt Wülfrath somit von einer Abhängigkeit der Kreisverwaltung in Mettmann bewahren. Und zum Thema Wohnbebauung stellt er fest: „Da handhabe ich es wie die anderen Kandidaten: Innenstadtverdichtung vor Zersiedlungsgefahr. Das Gebiet Düssel-West würde für mich also erst zuallerletzt bebaut werden.“