Neviges: Raritäten entzücken die Gartenfreunde

Neviges : Raritäten entzücken die Gartenfreunde

Bei der Pflanzentauschbörse des Obst- und Gartenbauvereins gab es zum Beispiel „Berner Rose“ und Goethe-Blumen.

. Kaum waren die Kartons, Kisten und Töpfchen abgestellt, bildeten sich schon große Trauben um die Jungpflanzen. Die alljährliche Pflanzentauschbörse des Obst- und Gartenbauvereins ist die erste Adresse für alle, die ihren Garten mit mit neuen Gewächsen aufpeppen wollen. Alfred Propst hatte gleich 70 Tomatenpflanzen von 22 Sorten mitgebracht. „Das ist die ,Berner Rose’, eine sehr wohlschmeckende Fleischtomate.“

Während für den Laien die Pflänzchen alle ziemlich gleich aussehen, griff der Experte zu einem anderen Töpfchen und erläuterte: „Hier handelt es sich um eine ,Schwarze Krim’, die bietet einen ungewöhnlichen Anblick, weil die Frucht nicht rot, sondern schwarz wird, aber dafür ist sie sehr schmackhaft“. Jürgen Kirchner schaute interessiert zu: „Ich bin gespannt, was dabei rauskommt. Hier lernt man immer neue Sorten kennen.“

Christina Sperling empfahl auf die Frage nach Bodendecker neben dem weißen Steinbrech das Schöllkraut und Buntblatt. Nebenan hatte Imke Jerosch eine Kiste voller zierlicher Gewächse mitgebracht und erklärte: „Das sind Sonnenblumen. Das war ursprünglich Vogelfutter, dass ich habe keimen lassen.“ An der Seite des Kartons kroch eine Schnecke mit Häuschen: „Die hat sich irgendwie hier reingemogelt. Das ist eine von den guten Schnecken, die fressen die Gelege der unbeliebten Nacktschnecken“, wusste die Gartenfreundin.

Sehr interessiert inspizierten Lydia Scheidgen und Chiara Paletta die Auslagen. „Wir haben keinen Garten und keinen Balkon, wir suchen Kräuter für unsere Fensterbank zum Kochen“, sagten die beiden Studentinnen. Schon bald hatten sie Pfefferminze, Tomaten, Zitronenmelisse und sogar Physalis in ihrem Einkaufskorb. Mit Begeisterung entdeckte Chiara Paletta eine Aloe Vera: „Die ist gut für Wunden und Sonnenbrand“, erläuterte die angehende Ärztin. Die beiden Cousinen hatten einen sehr guten Eindruck von der Pflanzenbörse: „Super, wir kommen wieder.“

Ein anderer Liebhaber exotischer Pflanzen war ganz entzückt, als unscheinbare Pflanzenteile in einer Schale entdeckte: „Das sind die Brutknospen der Goethe-Blumen, die habe ich schon lange gesucht.“ Hans-Jürgen Weber brachte keine lebenden Pflanzen mit, sondern ein ganzes Bündel mit Bambusstöcken. „Jedes Jahr fallen bei mir ein paar hundert davon an. Die Stengel schneide ich je nach Witterung im Februar oder März, säubere sie von den Blättern und kürze sie auf rund zwei Meter ein.“ Die Rankhilfen wurden dem Nevigeser Gartenfreund förmlich aus den Händen gerissen.

Alle Pflanzen werden getauscht oder verschenkt, lediglich für die Pflanzerde nimmt Gerd Teichmüller, der Erste Vorsitzendes den Nevigeser Obst- und Gartenbauvereins, einen kleinen Obulus. „Das ist Pferdemist mit Stroh. Zwei Jahre lang wuchsen da Pilze drauf, das ist das Beste, was es gibt.“ Udo Sassenhaus kann dem nur zustimmen. Der Velberter nimmt das Substrat zur Aufbesserung seines Hochbeetes und stellte fest: „Pflücksalat, Eisbergsalat, Ruccola – alles gedeiht damit besser als mit normaler Erde. Und ich weiß, dass keine Chemie drin ist.“

Während sich im Hof der Gaststätte Parkhaus Seidel die Tische mit den Töpfchen schnell leerten, brutzelte es in der Pfanne. „Die Jungs und Mädels brauchen jetzt eine Wurst“, meinte Kurt Hörter, der diesmal den Grillmeister machte – ein Aufgabe, die in den vergangenen Jahren der Vorsitzende Teichmüller übernommen hatte. Der freute sich über die große Resonanz und darüber, dass fast alle Pflanzen an den Mann oder die Frau gebracht werden konnten: „Die wären sonst weggeworfen worden.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung