Neviges : Postbotin trotzt Glätte mit Spikes

Angelika Babetzke ist bei klirrendem Frost in Neviges unterwegs.

Ein eisiger Wind fegt über den Pöthen, Eis und Schnee knirscht unter den Schuhen. Angelika Babetzke muss ein bisschen fester zupacken, um ihre Karre durch die Schneehaufen zu ziehen. Mit Wollmütze auf dem Kopf und einem dicken Pullover unter dem blau-gelben Dienstanorak lässt sich die Postzustellerin von dem seit Tagen herrschenden Dauerfrost nicht beeindrucken. „Dazu habe ich Spikes von meinem Arbeitgeber erhalten. Die ziehe ich über meine Schuhe, das hilft unheimlich bei vereistem Untergrund“, begeistert sich die Botin über das recht einfache Hilfsmittel.

„Wir appellieren an die Haushalte, dafür zu sorgen, dass die Zugänge zu den Briefkästen frei sind. Wenn es zu gefährlich wird, weil nicht gestreut ist, sehen wir auch schon mal von einer Zustellung ab“, macht Jessica Balleer von der Pressestelle der Deutsche Post DHL Group auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter aufmerksam.

Als der Winter vor einer Woche mit seinen heftigen Schneefällen einsetzte, musste Angelika Babetzke nur an ganz wenigen Stellen vor der Glätte kapitulieren. „Das ist hier ein Bezirk mit sehr, sehr netten Leuten“, lobt die Langenbergerin, die täglich im Bereich von der Lilienstraße über den Pöthen bis zum Neubaugebiet Lohsiepen unterwegs ist. „Bei dem Wetter wird mir schon mal ein Kaffee oder Tee zum Aufwärmen angeboten. Im Sommer wird ein kühles Wasser gereicht, das tut dann sehr gut, weil hier oben kaum Schatten auf den Straßen vorhanden ist. Zu Weihnachten gibt es Schokolade, da freut man sich drüber, ebenso wie über ein Trinkgeld.“

Ihre morgendliche Runde beginnt Angelika Babetzke um 8.30 Uhr am Übergabepunkt an der Wilhelmstraße. Dort nimmt sie die ersten Kisten entgegen. Darin sind die Briefe vorsortiert nach Straßen und Hausnummern. Musste das früher noch jeder Briefträger vor Beginn seiner Tour selbst machen, wird das inzwischen vom Verteilzentrum in Langenfeld erledigt. Die Kisten werden im Privat-Auto verstaut, in dessen Kofferraum sich auch das Zustellwägelchen befindet. Wenn dessen Packtaschen leer sind, werden die zwischendurch an den Ablagekästen wieder aufgefüllt. Diese unscheinbaren, grauen Schränke wurden zuvor von den Mitarbeitern des Verteilzentrums bestückt. In den Kisten sind die Sendungen ebenfalls nach der Gangfolge eingereiht, Angelika Babetzke muss einfach nur umladen. Bis um 13.30 Uhr hat sie alle 560 Haushalte beliefert.

„Das sind alles Einfamilienhäuser. Am Rosenhügel befinden sich die großen Mehrfamilienhäuser, da sind es 400 Haushalte mehr“, beschreibt Pressesprecherin Balleer die Unterschiede bei den einzelnen Bezirken.

Zur Briefzustellung ist Angelika Babetzke als Quereinsteigerin gekommen. Die Mutter von drei Kindern suchte einen Job, der sich mit der Familie vereinbaren lässt. Da ihre Mutter bereits bei der Post tätig war, lag der Bezug zu dem „gelben Riesen“ nah. Sie fing noch bei der Deutschen Bundespost in Langenberg an, seit 2008 ist sie in Neviges unterwegs. In der Tasche hat sie immer ein paar Hunde-Leckerlis, um besonders pflichtbewusste Vierbeiner zu beruhigen. Ernsthafte Probleme mit den tierischen Hausbewohnern hatte sie noch nicht. „Dass Hunde auf Postboten besonders reagieren ist kein Mythos, das gibt es wirklich“, weiß Pressesprecherin Balleer. „Wir bieten unseren Mitarbeitern ein spezielles Training zum Umgang mit Hunden an.“

Der Lockdown macht sich bei der Zustellerin vom Pöthen bemerkbar: Bücher- und Warensendungen sind mehr geworden. Trotz des Internets möchten die Menschen immer noch in Katalogen blättern.